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Mit Jugendlichen debattieren

Gut ein Monat ist nach dem letzten Blogeintrag schon wieder vergangen – Zeit,  wieder von Neuigkeiten zu berichten. Der November war mal wieder voller Aktivitäten bei Youth Alive Zambia.

Sambische Teenies blühen bei Schuldebatten auf

Herausragend war eine Schuldebatte, die Youth Alive Zambia gemeinsam mit den Vereinten Nationen und dem Gender-Ministerium durchgeführt hat. Insgesamt acht Schulen traten gegeneinander an und debattierten rund um das Oberthema “Gewalt gegen Frauen”. Die häusliche Gewalt gegen Frauen ist in Sambia aus verschiedenen Gründen weit verbreitet und nimmt unterschiedliche Formen an. Dazu zählen physische Gewaltakte, sexuelle Übergriffe, seelische Erniedrigung und nicht zuletzt ökonomische Abhängigkeit.

Gewalt gegen Frauen in Sambia hat sowohl Ursachen, die überall auf der Welt anzutreffen sind als auch traditionelle, kulturelle Gründe. Sambia weist eine patriarchalisch geprägte Gesellschaft auf, in der der Mann der Frau gegenüber als höher gestellt angesehen wird. Der Mann hat das Sagen – die Frau hat zu folgen. Und dies umfasst alle denkbaren Lebensbereiche, auch die Sexualität.

Der Alkohol ist ein großer Faktor, der körperliche und sexuelle Gewalt begünstigt.

Und in Sambia wird eine Menge Alkohol getrunken… Hinzu kommen sambiatypische Ursachen und Mythen, wie die auf die Männlichkeit ausgerichtete Initiation und die Sozialisation, das Bezahlen des Brautpreises, nach dem die Ehefrau nicht selten als Eigentum angesehen wird oder der Irrglaube, dass Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau HIV/AIDS heilt.

Präventiv vorgehen – mit Jugendlichen arbeiten

Eine Schuldebatte bringt das Thema Gewalt auf den Tisch

Um präventiv gegen die sogenannte Gendergewalt vorzugehen, muss man mit der Jugend arbeiten. Eine Schuldebatte bot sich aus mehreren Gründen an:  Solche Debatten sind sehr beliebt in Sambia, sie bieten ein fantastisches Forum für Jugendliche, sich auszudrücken und man erreicht insbesondere mit den Vereinten Nationen eine hohe Medienaufmerksamkeit. So wurden dann auch die Debatten von einem Filmteam professionell aufgenommen und Anfang Dezember wird das Filmmaterial im nationalen Fernsehen zur Hauptsendezeit ausgestrahlt. Eine tolle Sache! Die Debatte kam bei allen Beteiligten unheimlich gut an. Die Debatte wurde als Pilotprojekt angesehen – im nächsten Jahr soll das Ganze national durchgeführt werden.

Ein Talent zum Debattieren

Es ist unglaublich zu sehen, wie die sambischen Jugendlichen bei den Debatten aus sich herauskommen und mit welcher Überzeugung und Redekunst sie debattieren. Ich glaube, eine solche Debatte wäre mit deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in der Art kaum möglich gewesen. Sambische Jugendliche haben einfach andere Talente als deutsche, die ganz anders ausgeprägt sind, wie Tanzen, Singen, Theater spielen oder eben Debattieren. Dies hat etwas mit der Kultur und mit dem Aufwachsen zu tun.

Der November war auch ein Monat der Workshops für Youth Alive Zambia. Unter anderem wurden  innerhalb kürzester Zeit sieben Workshops mit Kindern bis 12 Jahren durchgeführt, eine Woche lang wurden rund 50 zukünftige jugendliche Moderatoren ausgebildet, es wurde ein Workshop mit Eltern durchgeführt und schließlich kamen alle Koordinatoren von den YAZ-Ablegern und anderen Organisationen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Mein Part bestand hier unter anderem darin, ein neues Planning, Monitoring und Evaluation System vorzustellen.
Weihnachtliche Stimmung kommt hier in Lusaka leider gar nicht auf. Daran ändert auch die Weihnachstmusik in Supermärkten oder Weihnachtsschmuck nichts. Bei Sonnenschein und bis zu 30 Grad habe ich hier immer noch Juli-Sommer-Gefühle. Trotzdem wünsche ich allen LeserInnen natürlich schon einmal ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Das soll’s für den Moment gewesen sein, beste Grüße aus dem Herzen Afrikas in die Kälte Deutschlands,
Martin Gottsacker
www.youthalivezambia.org

Autor:

Martin Gottsacker

Martin Gottsacker ist 32 Jahre alt und lebt seit März 2010 gemeinsam mit seiner Frau Constanze und der einjährigen Tochter Josephine in Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Er arbeitet als Programm- und Organisationsberater bei "Youth Alive Zambia", einem Programm für Kinder und Jugendliche. Fokus der Arbeit ist die HIV/AIDS-Prävention.

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