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Von Regensburg nach Lima

Gottfried Baumann von MISEREOR bloggt im Vorfeld der Fastenaktion von einer Reise in Peru. Er ist dort mit Vertretern des Bistums Regensburg unterwegs. In Regensburg findet in diesem Jahr die Eröffnung der Fastenaktion unter dem Leitwort „Menschenwürdig leben. Überall!“ statt.

Der erste Besuchstag in Lima: Eine steinerne Träne erinnert als Mahnmal an die Opfer des Bürgerkrieges.

Der erste Besuchstag in Lima: Eine steinerne Träne erinnert als Mahnmal an die Opfer des Bürgerkrieges.

Gewaltig – so waren die Eindrücke des ersten Besuchstages in Lima. Mit Bischof Müller, Dr. Walter Zahner und Clemens Neck vom Bistum Regensburg sowie mit Gottfried Bohl von der katholischen Nachrichtenagentur sind wir am Dienstag nach Lima gereist, um in Projekten im Bereich städtischer Armut etwas über die Arbeit von MISEREOR zu erfahren.

Erste Erfahrung: Lima ist gewaltig groß – mehr als 8 Millionen Einwohner drängen sich teils auf sehr engem Raum in der peruanischen Metropole am Pazifik. Aber ohne einen Blick zurück können wir die aktuellen Probleme gar nicht verstehen.

Also treffen wir uns mit Professor Solomon Lerner an einem wichtigen Ort in der Stadt, dem Denkmal für die Gefallenen des Bürgerkriegs. Der dauerte 20 Jahre lang und kostete 70.000 Menschen das Leben. Und weil der Krieg erst zehn Jahre vorbei ist, sind die Wunden noch längst nicht verheilt. Leider ist selbst das Mahnmal politisch umstritten, dabei ist es für Außenstehende sehr beeindruckend – ein aus Steinen errichtetes Labyrinth führt zu einer steinernen Träne. Die Steine tragen die Namen der Opfer dieses Krieges, der bis heute die Gesellschaft spaltet.

Im Nationalmuseum

Im Nationalmuseum

Gewaltig ist auch der riesige Betonbau des Nationalmuseums, in dem Prof. Lerner uns durch die Ausstellung zum Bürgerkrieg führt – Solomon Lerner hebt dabei auch die Unterstützung durch MISEREOR hervor. Lerner hat in der Wahrheits- und Versöhnungskommission am Abschlussbericht mitgeschrieben, der wiederum mit MISEREOR auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Lerner beklagt, dass die Aufarbeitung des Bürgerkriegs noch längst nicht abgeschlossen ist.

Samuel Yanez von CIDAP mit Bischof Müller in der Innenstadt Limas.

Samuel Yanez von CIDAP mit Bischof Müller in der Innenstadt Limas.

Vom Nationalmuseum ist es gar nicht weit in ein anderes Problemfeld – die Innenstadt. Hier gibt es alte verfallene Gebäude, die nicht saniert werden. In einigen Gebäuden, die aus dem 16. Jahrhundert stammen, wollen die Bewohner etwas machen – sie renovieren, verbessern. Zur Zeit wohnen über 60 Familien in den 53 Zimmern. Jedes Zimmer ist also mit mehr als einer Familie belegt – für uns unvorstellbar.

Aber statt diese Menschen darin zu unterstützen, ihre Wohnsituation zu verbessern, gibt es nur Ärger mit der Stadt. Samuel Yanez von CIDAP erklärt Bischof Müller, was die Bewohner als nächstes planen, um ihr Viertel zu verbessern.

Der Bischof überrascht mit seinem guten Spanisch.

Der Bischof überrascht mit seinem guten Spanisch.

Gewaltigen Eindruck macht Bischof Müller bei den Limanesen – oder heißt es Limaner, Limanowskys, Lima … Wer es weiß, schreibt mir bitte einen Kommentar hier im Blog! Jedenfalls spricht der Bischof fließend spanisch und überrascht damit nicht nur die Kinder!

Beim Treffen mit der Oberbürgermeisterin von Lima.

Beim Treffen mit der Oberbürgermeisterin von Lima.

Beeindruckend in jeder Hinsicht war dann unser Treffen mit der Oberbürgermeisterin von Lima, Suzanna Villaron. Sie redet schonungslos Klartext und will in ihrer Amtszeit dafür sorgen, dass die Bewohner im CIDAP-Projekt auch politische Unterstützung erhalten.

Damit soll die Aufwertung der katastrophalen Wohnverhältnisse dauerhaft möglich werden. Suzanna ist ein echter MISEREOR-Fan und meint, ohne diese deutsche Unterstützung wäre vieles nicht möglich. Wie beliebt die gerade ins Amt gewählte Politikerin ist , zeigt sich während des Interviews auf dem Balkon des städtischen Rathause. Passanten bleiben stehen, wenn sie sie erkennen, immer wieder brandet Jubel auf und Suzanna hat Mühe, sich bei derart viel Beifall auf das Mikrofon zu konzentrieren.

Wir treffen Gustavo Gutierrez, einen Mitbegründer der Befreiungstheologie.

Wir treffen Gustavo Gutierrez, einen Mitbegründer der Befreiungstheologie.

Gewaltig ist am Abend dann auch unser Treffen mit Gustavo Gutierrez , dem großen Mitbegründer der Befreiungstheologie. Körperlich nur grad mal 1,50 Meter messend, überragt ihn der Zweimetermann-Bischof Müller um ein Vielfaches. Aber so unterschiedlich ihre Physiognomie auch sein mag – inhaltlich liegen beide auf gleichem Kurs und schätzen die Meinung des jeweils Anderen. Drei Dinge seien die Herausforderung der Kirche, meint Gutierrez – die Moderne, die immer differenzierteren Religionen in einem Land und die Armut und ihre Bekämpfung. Vor diesem Hintergrund, so sein Appell, sei auch die Arbeit von MISEREOR so wichtig.

Spät abends erst machen wir uns auf dem Heimweg, ein spannender Tag liegt hinter uns!

Autor:

Gottfried Baumann

Gottfried Baumann arbeitet als Medienreferent bei MISEREOR.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Benjamin,
    danke für die Nachhilfe! Als Aachener ist es gar nicht so einfach, das abzuleiten (und ich wäre da auch nicht drauf gekommen).
    Viele Grüße aus dem frühlingshaften Westzipfel der Republik ins weitentfernte Lima !!!

  2. Hallo,

    die Bewohner von Lima nennen sich Limeños…

    Grüße aus Lima

    Benjamin

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