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“Die Fluten sind nicht für uns in Thailand gemacht”

Bei einer Klimakonferenz der asiatischen Bischofskonferenzen heute in Bangkok beklagt der thailändische Erzbischof Santisukniran: “The actual floods are not made for Thailand”. Obwohl es schon immer Überschwemmungen in Thailand gegeben hat, überfordern sie heute die Menschen und die Regierung schlichtweg. Vertreter der Katholischen Kirche in Asien diskutieren jetzt, was angesichts des Klimawandels zu tun ist.

In Thailand nimmt die Stärke der Überschwemmungen zu – bedingt durch den globalen Klimawandel. In den letzten Wochen haben die Fluten großen Schaden angerichtet: Menschen sind gestorben, andere haben ihre Häuser und Ernten verloren und viele Tausende ihren Job, da ihre Fabriken schließen mussten.

„Wie hier sind es auch sonst die Ärmsten ohne Stimme, die nicht ausreichend gegen Naturkatastrophen geschützt werden. Dabei ist gerade bei ihnen die Notwendigkeit am größten: sie haben kein Konto, keine Versicherungen und stehen nach einer Naturkatastrophe buchstäblich vor dem Nichts“, berichtet Schwester Mary, die seit Jahrzehnten in Bangkok lebt und nun sehr gespannt ist, ob die asiatische Kirche sich gemeinsam für mehr Klimaschutz stark machen möchte.

Und tatsächlich hat der Zusammenhang von Armut und Klimawandel die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen FABC heute zusammen gebracht:  Ziel der Tagung, die von MISEREOR unterstützt wird, ist es, gemeinsam mit internationalen Klimaexperten Verständnis für diese Zusammenhänge aufzubauen und mögliche Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Im Mittelpunkt steht dabei: Was kann die Katholische Kirche Asiens in der Klima- und Entwicklungskrise beitragen, um würdevolles Leben für alle zu ermöglichen?

Als Experte dabei: Saleemul Huq vom International Institute for Environment and Development (IIED).

Als Experte dabei: Saleemul Huq vom International Institute for Environment and Development (IIED).

Einen Beitrag zur Tagung leistet Saleemul Huq, Bangladeschi und führender Mitarbeiter des englischen Forschungsinstitut IIED. Er sieht den Klimawandel nicht mehr als Umweltproblem sondern als Gerechtigkeitsproblem an. Trotzdem und gerade deshalb will er die Betroffenen des Klimawandels  nicht als Opfer sehen, sondern betonen, welche Fähigkeiten sie und ihre Regierungen haben, im Klimawandel zu überleben.

Was ist, wenn nur die Migration bleibt?

Und was ist, wenn eine Anpassung an den Klimawandel nicht mehr möglich ist, und nur die Migration bleibt? Martin Eweri macht deutlich, dass Anpassung nicht immer und überall möglich ist. So wird zum Beispiel seine Heimat zu großen Teilen im Meer versinken. Viele Menschen sagen „lieber sterbe ich, als dass ich meine Heimat verlasse“. Dazu ergänzt MISEREOR-Geschäftsführer Josef Sayer, dass es ja nicht nur darum ginge, alle Menschen irgendwo anders unterzubringen, sondern dass sie gemeinsam umsiedeln sollten, um Sprache und Kultur zu erhalten. Bisher hat aber niemand Platz angeboten.

So schlägt der Pazifische Kirchenrat vor, dass höher gelegene Staaten wie Fidji Migranten aufnehmen könnten. An erster Stelle steht jedoch der Schutz der Inseln, zum Beispiel mit Dämmen und Mauern. Das Geld dafür ist aber nicht vorhanden in dem kleinen Inselstaat.  – Saleemul Huq meint aber, dass dazu nur der politische Wille vorhanden sein muss und erinnert, wie leicht Geld aufzutreiben ist, wenn es Banken und Finanzmärkte betrifft: mit einem einzigen Schriftstück wurden in den USA in wenigen Tagen Billionen zur Verfügung gestellt, allein zur Bankenrettung. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Diesen politischen Willen braucht man nun, um die Klimakrise zu lösen! „Und wenn Regierungen nicht von alleine wollen, dann müssen andere dafür sorgen, dass sie wollen.“, so Saleemul Huq. Im Saal herrscht große Zustimmung für diese These. Der Abend und nächste Tag sollen nun genutzt werden, um zu eruieren, welchen Beitrag die Katholische Kirche Asiens leisten kann, damit dieser große und notwendige Wille zum Wandel entsteht.

Die Bischöfe fordern sich selbst heraus

Per Video-Konferenz nach Bangkok zugeschaltet: Professor Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung verzichtete auf den Langstreckenflug.

Per Video-Konferenz nach Bangkok zugeschaltet: Professor Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung verzichtete auf den Langstreckenflug.

Eines wird schon jetzt deutlich: Die Bischöfe fordern nicht nur die Politik sondern ganz konkret sich selbst heraus: „Jede Tonne CO2 ist eine zu viel! Wir müssen mit gutem Beispiel voran gehen“. Wir persönlich aber auch unsere Regierungen. „Auch wenn die allerärmsten Länder Asiens nichts zum Klimawandel beitragen, so liefern sie vielleicht die Ressourcen, wie Kohle, die zu Klimawandel führen. Wir sollten auch überlegen, ob wir diese weiter exportieren wollen“ so eine Teilnehmerin.

Wie schwer ein Wandel ist, zeigt sich aber auch direkt im Kleinen: Niemand nimmt die Klimaanlage in den Blick, die unbedingt gedrosselt werden müsste. Wir deutschen Gäste frieren gewaltig im gefühlt 15°C kalten Seminarraum.

Dass ein Wandel aber möglich ist, zeigt Professor Edenhofer, Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der die Ergebnisse des Reports „Global, aber Gerecht“ zur Diskussion stellt. Dabei zeigt er auch die kleinen Schritte auf: Er ist via Videokonferenz zu uns geschaltet und konnte so auf einen Langstreckenflug verzichten.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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