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Mein Jahreshighlight bei den Butterflies

Nach 4 Monaten bei den Butterflies kenne ich die Arbeit mit den Straßenkindern jetzt schon echt gut und habe mich gut in meine Aufgaben eingefunden. Das ist nach wie vor hauptsächlich Mathe und Englisch zu unterrichten und nach dem Unterricht mit den Kindern zu spielen oder Sport zu machen.

Der goldene Tempel von Amritsar und die Butterflies

Der goldene Tempel von Amritsar und die Butterflies

Das ist nach wie vor hauptsächlich Mathe und Englisch zu unterrichten und nach dem Unterricht mit den Kindern zu spielen oder Sport zu machen. Dieses Wochenende war aber noch einmal eine ganz besondere Erfahrung für mich. Wir sind nämlich mit knapp 200 Kindern und 20 Mitarbeitern auf das jährliche sogenannte „Picknick“ nach Amritsar, einer Stadt im indischen Bundesstaat Punjab gefahren.

Das Wort „Picknick“ bedeutet hier aber nicht, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, einen Tagesausflug mit Essen im Freien, sondern es war ein ganzer Wochenendtrip, mehr wie eine Klassen- oder eher der Anzahl der Leute entsprechend Stufenfahrt.

Schwere Wahl

Schon in der Vorbereitung habe ich gemerkt, dass es für die Kinder ganz besonders aber auch für die Mitarbeiter eines der Jahreshighlights ist. Ich kann das auch absolut nachvollziehen, da die Kinder auf Grund von Arbeit und mangelndem Geld nur sehr selten mal die Chance haben Delhi zu verlassen. Und selbst wenn sie es mal tun, sind es meist Familienbesuche und keine Freizeit- bzw. Sightseeingtrips.

In der Vorbereitung gab es aber leider nicht nur schöne Momente. Wir konnten nämlich von jedem unserer sogenannten Contact Points (die Orte, wo wir uns täglich mit den Kindern treffen, unterrichten, Spiele spielen, usw.) auf Grund von Budget und Platzgründen nur eine bestimme Anzahl Kinder mitnehmen. Wir hatten das den Kindern frühzeitig angekündigt und erklärt, dass unser Hauptauswahlkriterum die Anwesenheit an unserem Contact Point ist, wobei wir da natürlich Ausnahmen gemacht haben für die Kinder, die auf Grund von Arbeit nicht so häufig kommen können. Aber besonders an dem Contact Point, an dem ich Vormittags arbeite sind auch viele Kinder, die nur gelegentlich arbeiten und sonst die meiste Zeit rumhängen.

Von diesen Kindern hatten wir ein hohe Anwesenheit erwartet, da aber viele von denen lieber ihre Zeit mit Fernsehen, Klebstoffschnüffeln oder einfach nichts tun, verbracht haben, mussten wir da einige Namen streichen, was meist zu großer Enttäuschung geführt hat. Die Kinder , die wir mitnehmen wollten, hatten rechtzeitig ihren Kostenanteil (100 Rupien, ungefähr 1,40€) bezahlt und waren somit festgesetzt.

Trotzdem sind manche Kinder, denen wir gesagt hatten, dass sie dieses Jahr leider nicht dabei sind, mit gepackter Tasche zum Treffpunkt gekommen, weil sie gehofft hatten, dass doch noch ein Platz frei wäre.

Es hat mir innerlich sehr wehgetan diese Kinder dann wegschicken zu müssen, aber ich hoffe, dass sie es in Motivation umwandeln können, regelmäßig zu erscheinen und nächstes Jahr dabei zu sein. Leider hatten wir dann noch ein paar weitere Probleme mit ein paar Jungs, die probiert haben Zigaretten und Klebstoff mit zu schmuggeln. Da hat aber zum Glück ein klärendes Gespräch geholfen und die Jungs haben dann auch eingesehen, dass wir da so streng sind, weil wir auf keinen Fall wollen, dass die jüngeren Kinder von den älteren negativ beeinflusst werden.

Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt...

Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt…

Eine Busfahrt, die ist lustig

Nachdem wir das dann auch geregelt hatten, sind wir mit immer besser werdender Laune losgefahren. Wir waren aufgeteilt auf vier Reisebusse und ich kann nur von meinem Bus erzählen, aber in dem Bus war die Stimmung sehr gut. Es wurde viel gesungen und gelacht und die Vorfreude auf das Wochenende hätte kaum größer sein können.

Gegen 9 Uhr morgens sind wir dann in der Jugendherberge angekommen, haben gefrühstückt und sind dann auch schon zum ersten Programmpunkt aufgebrochen. Wir waren in einer Ausstellung über die Zeit der Maharadschas, wo viele der Schlachten mit teils echt großen Figuren nachgestellt waren. Die Kinder waren zwar eher daran interessiert, auf möglichst vielen Fotos zu sein, als an der Geschichte, aber ich fand es wieder mal sehr beeindruckend, was für für eine beeindruckende und vielseitige Vergangenheit dieses Land hat.

Nach der Ausstellung sind wir dann zur Indisch-Pakistanischen Grenze gefahren. Dort findet jeden Tag um 4 Uhr eine Schließungszeremonie statt, die von beiden Seiten mit Paraden und Sprechchören gefeiert wird. Auch wenn ich es ein bisschen seltsam fand, wie dort gefeiert wird, obwohl die Teilung der beiden Länder ein sehr trauriges Ereignis war, das viele Leben gekostet hat, war ich von der Stimmung sehr beeindruckend und vor allem den Kindern hat es sehr gut gefallen ihren Nationalstolz zeigen zu können.

Ein paar Mädchen aus unserer Tanzgruppe haben dann sogar vor den schätzungsweise 2.000-3.000 Anwesenden getanzt und dem Applaus und dem Jubeln nachgehend, hat es den Zuschauern sehr gut gefallen. Nach diesem Erlebnis war die Stimmung bei allen Beteiligten sehr gut und als wir zurück im Hotel waren, wurde erst schnell gegessen, um dann mit dem „Cultural Evening“ anfangen zu können. Das ist ein buntes Programm, entworfen von den Kindern mit verschiedenen Sketchen, Gedichten und viel Tanz.

Mein persönliches Highlight war da der spontane Auftritt eines elfjährigen Jungen, der ohne auch nur ein bisschen nervös zu wirken vor allen Leuten aufgetreten ist und seine beeindruckenden Tanzfähigkeiten präsentiert hat.

Der kulturelle Abend

Der kulturelle Abend

Der „Cultural Evening“ ist dann fließend in eine Art Disco übergegangen. Es liefen die großen Filmmusikhits der letzten Jahre und die Stimmung war so ansteckend, dass die Tanzfläche blitzschnell voll war. Auch ich habe mir die Chance nicht entgehen lassen und habe ausgiebig mitgetanzt.

Der goldene Tempel von Amritsar

Am nächsten morgen hieß es dann früh aufstehen, weil auf dem Programm der Besuch des Goldenen Tempels stand. Der Goldene Tempel ist der wichtigste Ort des Sikhismus. Der Sikhismus ist eine Abspaltung des Hinduismus und vor allem in Nordindien sehr verbreitet. Vor allem die männlichen Sikhs fallen mir in Delhi immer wieder durch ihren Turban auf.

Ich habe in den letzten 4 Monaten schon recht viele Sehenswürdigkeiten in Indien gesehen, aber wenige haben mir so gut gefallen wie der Goldene Tempel. Wie auf dem Foto oben in der Galerie zu sehen ist, ist der Tempel von einem kleinen See umrundet, in dem trotz kalter Temperaturen viele gläubige Sikhs ein das Karma verbesserndes  Bad genommen haben.

Die Kinder waren von dem Ort auch sehr beeindruckt. Für die jüngeren Kinder, die ich auf dem Rundweg um den Tempel begleitet habe, waren vor allem die Fische in dem See eine riesen Attraktion und ich war am Ende schon erleichtert, dass kein Kind ins Wasser gefallen ist. Direkt neben dem Tempel befindet sich eine riesen Küche (mir wurde gesagt, es sei die größte Küche der Welt, ich bin aber nicht sicher ob das stimmt), in der umsonst an jeden einfaches aber sehr leckeres Essen ausgegeben wird.

Es war eine tolle Erfahrung dort zu essen und ich finde es eine tolle und sehr großzügige Idee, jeden der möchte, egal woher er kommt oder welcher Religion er angehört, zum Essen einzuladen.

Gesprächsthema Nr. 1

Nach dem Mittagessen haben wir den Kindern noch Zeit gegeben, um ein bisschen die Stadt zu erkunden, Souvenirs zu kaufen oder ein Eis zu essen. Die Chance wurde begeistert genutzt und viele Kinder haben sich ein kleines Andenken oder ein Geschenk für Eltern oder Geschwister mitgenommen.

Als wir dann wieder im Bus saßen, merkte man, dass so langsam doch auch alle sehr platt und müde waren. Wir sind dann zum Abendessen nochmal in die Jugendherberge gefahren und sind danach dann wieder Richtung Delhi aufgebrochen. Es hat keine 15 Minuten gedauert bis der ganze Bus geschlafen hat.

Am frühen Morgen waren wir dann wieder in Delhi und haben noch sehr verschlafende aber auch sehr glückliche Kinder wieder zuhause abgesetzt. Heute der Tag ist dann sowohl für die Kinder als auch für uns frei gegeben worden, damit sich alle gut ausschlafen und erholen können. Ich bin aber schon sehr gespannt morgen zum Arbeiten zu gehen und bin ziemlich sicher, was morgen Gesprächsthema Nummer 1 sein wird.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Philipp,

    ein tolles Erlebnis, sowohl für die Kinder als auch für dich!

    Liebe Grüße aus Aachen, Uta

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