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„The two sudans“ – ein Online-Filmprojekt

Junge Filmemacher aus Südsudan, Sudan und Deutschland begannen 2010 gemeinsam die Auswirkungen des politischen Umbruchs im Sudan zu dokumentieren. Vor und nach der Unabhängigkeit des Südsudan begleiteten sie Menschen im Norden und Süden des Landes mit der Kamera.

Am 9.Juli 2011 wurde der Südsudan nach einem Referendum unabhängig.

Zwei Jahre nach der gefeierten Unabhängigkeit des Südsudan bahnte sich im jüngsten Staat der Welt ein Bürgerkrieg an, der bis heute andauert. Kurze Video-Clips zeigen junge  Menschen mitten in diesen bewegten Zeiten.

„Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir dich beschützen, Sudan!“, skandieren die Teilnehmer einer von sudanesischen Studenten organisierten Großdemonstration in Khartoum am 30. Januar 2011. Eine der zehn jungen Filmemacher aus dem Sudan, Südsudan und Deutschland, die sich für das kollaborative und unter anderen von MISEREOR unterstützte Online-Filmprojekt „The Two Sudans“ zusammengeschlossen haben, gehört zu den Demonstranten und filmt das Geschehen. Friedlich und mit erhobenen Fäusten setzen sie sich für bessere Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven ein, die Polizei prügelt auf sie ein, viele werden verhaftet. Am selben Tag werden auch die Ergebnisse des Referendums veröffentlicht, in dem 99% der Südsudanesen für ihre Unabhängigkeit stimmen. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg wird die größte Nation Afrikas am 9. Juli 2011 in den Sudan und Südsudan geteilt.

Ein anderer der jeweils etwa 5-minütigen Clips, die auf der Website des Projekts www.thetwosudans.com zu finden sind, folgt der Protagonistin Grace am 9. Juli 2011 durch den Tag der Unabhängigkeit des Südsudans. „Free at last. Countdown to South Sudan Independence Day. Congratulations, thank you for freedom“, verkündet eine rot leuchtende LED-Laufschrift in den Straßen von Juba. „Dieser Tag ist wirklich ein Tag der Freude und des Glücks. Würde ich diesen Unabhängigkeitstag nicht feiern, dann wäre ich keine echte Südsudanesin“, sagt Grace. „Das wird ein Tag der Freude. Selbst wenn man nicht glücklich ist.“

Als der Filmemacher Christoph Lumpe im Sommer 2010 am Goethe Institut in Khartoum arbeitete, lernte er Filmemacher aus dem Norden und Süden des Sudans kennen. Gemeinsam entstand die Idee, ein Filmprojekt zum bevorstehenden Referendum und darüber hinaus zu entwickeln. Mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung fand im Dezember 2010 ein erster Workshop in Khartoum statt, weitere folgten.

Verbunden durch ihr gemeinsames Interesse an den Auswirkungen des politischen Umbruchs auf die Bevölkerung im Norden und Süden des Landes, begannen die Filmemacher ihre jeweiligen Protagonisten, darunter Familienmitglieder und Freunde, mit der Kamera zu begleiten und ihnen Fragen zu stellen: Was bedeutet Heimat für dich? Wofür setzt du dich ein? Wie definierst du Identität? Was sind deine persönlichen Ziele? Wie wird sich dein Leben in Zukunft ändern?

Die bisher entstandenen Kurzfilme sind bewegende Portraits von Menschen wie dem Hirten Magot, dem Sultan El-Sherif, dem ehemaligen Kindersoldaten Chol oder der Brautjungfer Wafa, die die Folgen der Teilung auf die Bevölkerung aus sehr persönlicher Sicht schildern.

Zu den Protagonisten der fortlaufenden Webdokumentation gehört auch bereits Agel Ring Machar, der Kapitän der ersten südsudanesischen Basketballmannschaft. Seine Geschichte – die eines ehemaligen Kindersoldaten, der in seine Heimat zurückkehrt, um das jüngste Land der Erde mit aufzubauen – erschien den Filmemachern wie ein Spiegelbild für die Geschichte des Landes. Sie entschieden sich, Agel Ring Machars Geschichte zu dokumentieren und begleiteten ihn über einen Zeitraum von zwei Jahren, von der Unabhängigkeit des Südsudan 2011 bis zum Ausbruch der Kämpfe im Dezember 2013. Das Ergebnis ist der Dokumentarfilm „Wir waren Rebellen“, der am 14.Juli 2014 im ZDF zu sehen sein wird.

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Autor:

Petra Kilian arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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