Die äthiopische Hauptstadt wird für drei Tage zum Zentrum der afrikanischen Klimapolitik. Vom 8. bis 10. September findet hier der Africa Climate Summit statt – ein Gipfel, der hochrangige Politiker*innen, internationale Partner und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammenbringt. Das Ziel: Antworten auf die sich verschärfende Klimakrise finden, die in Afrika schon längst schmerzhafte Realität ist. Gleichzeitig kann der afrikanische Kontinent eine Vorreiterrolle in der Energiewende und nachhaltiger Entwicklung einnehmen – vorausgesetzt, Afrikas enorme Potentiale für den Ausbau von Wind-Solar und Wasserkraft werden anerkannt und die richtigen Weichen gestellt.

„Unsere Region steht vor der Wahl: fossile Vergangenheit oder erneuerbare Zukunft“
Damit bringt Justin Mutabesha, Klimaaktivist und Koordinator der Misereor-Partnerorganisation Climate Actions Congo, die Dringlichkeit und Bedeutung des Gipfels, der führende Politiker*innen, internationale Partner und die Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt, auf den Punkt.
Im Vorfeld des Gipfels mahnen Akteure der afrikanischen Zivilgesellschaft eindringlich, dass der Weg zu einer gerechten Energiewende kein Selbstläufer ist. Mutabesha kritisiert aktuelle Pläne der kongolesischen Regierung, 52 neue Ölvorkommen in der DR Kongo zu erschließen – eine Entscheidung, die nicht nur den zweitgrößten Regenwald der Erde bedrohe, sondern auch die Abhängigkeit von fossilen Energien zementieren könne.
Doch es ist auch anders möglich: In Kenia zum Beispiel zeigt das Lake Turkana Wind Power Project, wie saubere Energie Arbeitsplätze schafft und Gemeinden stärkt. Samira Ally von Power Shift Africa betont: „Nur wenn alle Menschen Zugang zu sauberer Energie haben, kann die Energiewende nachhaltig und inklusiv gelingen.“ Es geht um technischen Fortschritt – aber ebenso um Gerechtigkeit, Teilhabe und Resilienz.

Sonne, Wind und Wasser: Afrikas Vorreiter-Potenzial
Mit über 60 % der globalen Sonnenstunden und enormen Möglichkeiten der Nutzung von Wind- und Wasserkraft könnte Afrika nicht nur die eigene Energieversorgung auf dem Kontinent nachhaltig sichern, sondern auch Vorreiter klimafreundlicher Entwicklung für andere Weltregionen werden. Dafür müssen jetzt die richtigen politischen und finanziellen Weichen gestellt werden.
Was Deutschland jetzt tun muss
Beim Africa Climate Summit geht Deutschlands Rolle über Symbolpolitik hinaus: Wer als verlässliche*r Partner*in wahrgenommen werden will, muss die eigenen Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen ernst nehmen und Verpflichtungen einhalten. Germanwatch und Misereor fordern daher konkret von der deutschen Politik:
- Die finanzielle Unterstützung für erneuerbare Energien in Afrika nicht zu kürzen, sondern ambitioniert auszubauen – auch in herausfordernden (Haushalts-)Zeiten.
- Investitionen in Projekte voranzutreiben, die lokale Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen.
- Dem politischen Druck von Öl- und Gaslobbys entgegenzutreten, damit afrikanische Staaten nicht in neue fossile Abhängigkeiten gedrängt werden.

Herbst der Gipfel-Entscheidungen
Der Africa Climate Summit markiert den Auftakt einer Reihe entscheidender politischer Ereignisse, die das Potenzial haben, echte Veränderungen anzustoßen. Im November folgt die UN-Klimakonferenz COP 30 im brasilianischen Belém, bei der zentrale Themen wie gerechte Klimafinanzierung, der Ausbau erneuerbarer Energien und soziale Gerechtigkeit erneut im Fokus stehen werden. Doch auch beim EU-AU-Gipfel im November in Luanda werden strategische Entscheidungen getroffen, was die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union angeht. Gerade dort ist es von großer Bedeutung, dass die afrikanische Zivilgesellschaft mit einer starken Botschaft für den Schutz von Natur und Klima auftritt. Ein klares Bekenntnis zu nachhaltigen Energiesystemen und einer gerechten Transformation – unterstützt durch Länder wie Deutschland – kann entscheidend dazu beitragen, dass aus politischen Absichtserklärungen konkrete Fortschritte werden.
Gemeinsam für eine gerechte Zukunft
Die Herausforderungen sind groß – doch ebenso die Chancen für eine erfolgreiche Energiewende in Afrika. Voraussetzung dafür ist, dass Verantwortung global gedacht und übernommen wird, über nationale Grenzen hinweg. Jede*r Einzelne kann dazu beitragen: indem Unterstützung eingefordert, Initiativen gestärkt und der Dialog weitergeführt wird. So wird persönliche Verantwortung zum Teil einer gemeinsamen, globalen Anstrengung. Stellen wir gemeinsam die Weichen – für eine nachhaltige und gerechte Energiezukunft.
Autorinnen:
Kerstin Opfer, Referentin Energiepolitik & Zivilgesellschaft – Afrika, Germanwatch
Selina Wiredu, Referentin für afrikapolitische Lobbyarbeit, Misereor
