Im November 2025 trafen sich in Luanda die Afrikanische Union (AU) und die Europäische Union (EU) zum AU-EU-Gipfel, um die Weichen für ihre zukünftige Zusammenarbeit zu stellen. Seit dem Jahr 2000 finden diese Treffen alle drei Jahre statt. Stabilität und Governance, die Stärkung multilateraler Institutionen, wirtschaftlicher Wohlstand sowie die Steuerung von Migration – das sind die großen Themen, die diese Partnerschaft aktuell prägen.

Doch trotz der ambitionierten Ziele bleibt die Kritik nicht aus: die Zivilgesellschaften beider Kontinente beklagen schon seit Jahren Machtasymmetrien, die Priorisierung wirtschaftlicher Interessen vor Menschenrechten, die Reproduktion kolonialer Ausbeutung sowie schrumpfende zivilgesellschaftliche Räume.
Warum Zivilgesellschaft unverzichtbar ist
Aus dem Bedürfnis heraus, eigene Perspektiven sichtbar zu machen und Einfluss auf die Agenda zu nehmen, entstand der Parallelgipfel „AU-EU-Parallel Peoples Summit“. Der Peoples Summit brachte soziale Bewegungen, NGOs, Kirchen und Umweltinitiativen aus Afrika und Europa zusammen. In thematischen Sessions zu Frieden und Governance, nachhaltiger Entwicklung, Agrarökologie, Rohstoffpolitik und Schuldenfragen wurden gemeinsame Prioritäten und Forderungen formuliert. Ziel war es, eine Partnerschaft zu diskutieren, die auf Würde, Gerechtigkeit und echter demokratischer Teilhabe basiert.
Die Beiträge machten deutlich: Zivilgesellschaftliche Akteure kennen die lokalen Realitäten – von politischer Instabilität und Korruption über eingeschränkte Meinungsfreiheit bis hin zu ungleichen Entwicklungschancen. Ohne ihre Expertise und kritische Perspektive drohen die AU-EU-Verhandlungen, bestehende Ungleichheiten zu zementieren statt sie zu überwinden. Besonders die Forderung nach Schutz des zivilen Raums, unabhängiger Medien und echter Mitbestimmung wurde immer wieder betont.
Warum es einen dekolonialen Perspektivwechsel braucht
Die aktuelle Beziehung zwischen AU und EU ist noch immer von strukturellen Ungleichheiten und kolonialen Mustern geprägt. Afrika exportiert Rohstoffe, importiert teure Fertigprodukte – ein System, das lokale Wertschöpfung verhindert und Abhängigkeiten verstärkt. Großprojekte und Handelsabkommen orientieren sich oft an den Interessen von Konzernen und politischen Eliten, nicht an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort.
Die Forderung der Zivilgesellschaft ist klar: Partnerschaften müssen auf Solidarität, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung beruhen – nicht auf Ausbeutung und wirtschaftlicher Dominanz.
Forderungen & Ausblick: Was muss sich ändern?
Die wichtigsten Forderungen des Summits:
- Schutz des zivilgesellschaftlichen Raums und unabhängiger Medien
- Dezentralisierung und Stärkung lokaler Strukturen
- Faire Handelsbeziehungen und regionale Kooperation
- Transparente und gerechte Rohstoffpolitik
- Aktive Beschäftigungsstrategien für Frauen und Jugendliche
- Förderung von Ernährungssouveränität und ökologischer Landwirtschaft
Die Zivilgesellschaft ist bereit, gemeinsam für eine dekoloniale und gerechte AU-EU-Partnerschaft zu kämpfen. Jetzt liegt es an den politischen Entscheidungsträgern, diese Stimmen endlich ernst zu nehmen und die Weichen für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit zu stellen.