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Bio-Landwirtschaft at its best – ökologischer Garten- und Ackerbau in Java

Zwei sehr beeindruckende Betriebe konnte ich auf meiner Dienstreise in West-Java, Indonesien besuchen. Gärtner und Bauern, die fachlich top sind und zeigen, wie gute ökologische gärtnerische und ackerbauliche Praxis aussehen kann.

Auf meiner letzten Station meiner Dienstreise in Ost-Timor und Indonesien habe ich die Gelegenheit zwei Pioniere der ökologischen Landwirtschaft in Java zu besuchen.

Bio-Gärtnerei in Indonesien © Wolter

Ökologischer Gartenbau BSB Agatho

1984 führte der Schweizer Priester Adolf Elsener, der sich nach Eintritt in den Kapuzinerorden Agatho nannte (den ersten Papst der Geschichte), den ökologischen Landbau in Indonesien ein und war damit ein Pionier dieser Bewegung in diesem Land.

Er kaufte nach und nach 13 Hektar Land in der Kleinstadt Cisarua, und begann dort eine Bio-Gärtnerei aufzubauen. Die auch heute noch, über 40 Jahre später dort aktiv ist. Über 30 Mitarbeiter betreuen die Flächen. Der Betriebsleiter Apri führt mich und meine Kollegin vom Bio-Anbauverband AOI (Aliansi Organis Indonesia) über den Betrieb.

Es ist so beindruckend – über 130 verschiedenen Kulturen werden angebaut, vieles auch nur in kleinen Mengen, aber mit viel Liebe und gärtnerischem Geschick.

BSB Agatho Bio-Gärtnerei in Westjava ©Wolter

Und hier sehe ich zum ersten Mal auf meiner Reise, die Umsetzung der guten ökologischen gärtnerischen Praxis – und zwar in einem Betrieb. Dazu gehören Gemengeanbau und Gründüngung.

Gemengeanbau (Companion planting) und Mulchen © Wolter

Und eine sehr ausgeklügelte Fruchtfolge und Anbauplan, der höchstes gärtnerisches und planerisches Können benötigt.

Die angebauten Kulturen sehen wunderbar aus, der Boden riecht frisch und ist fast überall bedeckt – so wie es sich gehört. Boden ist nicht braun, Boden ist grün! Denn der sollte immer von Pflanzen bedeckt sein. Ein toller Betrieb, der zeigt, dass richtig gut gemachter Bio-Gartenbau in den Tropen wunderbar funktioniert.

BSP Farm

Auf ca. 1.000 Meter Höhe befindet sich die BSP Farm. Ein 42 Hektar großer Bio Betrieb am Fuße des Berges Salak.

Dort nehme ich mir zwei Tage Zeit, diesen Betrieb besser kennenzulernen. Sein Betriebsleiter ist ein Schüler von Agatho und das sieht man auch. Die gute ökologische landwirtschaftliche Praxis wird auch hier umgesetzt. Aber es ist nicht nur eine Gärtnerei, sondern auch ein Ackerbau- und Obstbaubetrieb. Hier werden als Bäume auch Drachenfrucht (Salak), Durian aber auch Baumwolle angebaut, um damit die Kissen und Decken des Hotelbetriebes zu stopfen. Es wird Mais, Reis, Hirse angebaut und an jeder Ecke des extrem vielfältigen Betriebes findet sich eine kleine, sehr akkurate Ecke mit einer weiteren Anbaukultur. Alles ist dabei eingebettet in die das wellige, zum Teil sehr hügelige Gelände – als ob es dort hingehörte, Landwirtschaft in der Natur perfekt integriert. Wichtige Kulturen auf dem Betrieb sind noch Kaffee und Tee, die auch im mehrstöckigen Agroforst System mit zum Beispiel Durian oder Jengkol, einem Dünger gebenden Baum, dessen Früchte in Indonesien gern gegessen werden.

Vermarktet wird in die Hauptstadt Jakarta, wo direkt an Haushalte Gemüsekisten zweimal wöchentlich geliefert werden und an drei ihrer eigenen Bio-Läden. Und natürlich an die Gäste ihres angegliederten Hotels.

Selten habe ich einen so schönen und mit der Natur und den natürlichen Gegebenheiten arbeitenden Betrieb gesehen. Er war Teil des Naturraumes und kein Fremdkörper. Ein 42 Hektar großes Bio-Paradies hier auf Erden, das zeigt was möglich ist, wenn Bauern mit und nicht gegen die Natur arbeiten.

Geschrieben von:

Ansprechpartner Portrait

Markus Wolter war Experte für Landwirtschaft und Welternährung bei Misereor.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar-Foto

    Vielen Dank lieber Markus! Tolle Einblicke und Fotos!

  2. Avatar-Foto

    Wunderbar und sehr interessant geschrieben, vielen Dank!

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