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Schuldenreport 2026: Stimmen aus dem Globalen Süden

Der Schuldenreport 2026 zeigt: Viele Länder des Globalen Südens sind hoch verschuldet. Doch Schulden sind kein abstraktes Finanzthema – hinter den Zahlen stehen konkrete Lebensrealitäten. Wenn Staaten einen großen Teil ihrer Einnahmen für den Schuldendienst aufwenden müssen, sind Millionen Menschen betroffen – besonders die Ärmsten im Globalen Süden. Die Misereor-Partner*innen Michel Constantin von CNEWA Mission im Libanon, Claudia Handal von der Partnerorganisation FUNDASAL in El Salvador sowie Pamela Avusi von PNGEA in Papua-Neuguinea berichten, was es für die Menschen bedeutet, wenn Staaten finanziell kaum noch handlungsfähig sind.

Michel Constantin, CNEWA, Libanon

Besonders drastisch zeigt sich die soziale Dimension der globalen Schuldenkrise im Libanon. Seit dem Staatsbankrott im Jahr 2020 steckt das Land in einer der schwersten Wirtschaftskrisen weltweit. Michel Constantin ist der Regional-Direktor beim Misereor-Projektpartner CNEWA/Pontifical Mission in Beirut, Libanon. Er berichtet, wie Schuldenkrise, Währungsabwertung und politische Blockaden den Alltag von Millionen Menschen prägen – und soziale Sicherungssysteme kollabieren.

„Seit dem Staatsbankrott 2020 steckt der Libanon in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen unserer Zeit. Die libanesische Lira verlor rund 90 Prozent ihres Wertes, die Wirtschaft ist eingebrochen – und die Menschen zahlen den Preis. Über 80 Prozent der Menschen leben inzwischen unter der Armutsgrenze, viele haben ihre gesamten Ersparnisse verloren, weil sie bei den Banken nicht mehr an ihr eigenes Geld kommen. Gleichzeitig explodieren die Preise: Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff – für viele ist das kaum noch bezahlbar. Krankenhäuser und Schulen stehen vor dem Kollaps, wichtige Medikamente fehlen völlig. Immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit, besonders Frauen sind betroffen. Viele sehen keinen anderen Ausweg, als das Land zu verlassen, oft unter lebensgefährlichen Bedingungen. Der Alltag im Libanon ist für Millionen zu einem täglichen Kampf ums Überleben geworden. Durch den Krieg in Nahost könnte sich die Situation noch einmal dramatisch verschlechtern.“

Michel Constantin ist der Regional-Direktor beim Misereor-Projektpartner CNEWA/Pontifical Mission in Beirut, Libanon (Foto: Misereor/Klaus Mellenthin)

Projektinfo CNEWA

CNEWA steht für Catholic Near East Welfare Association – eine päpstliche Hilfsorganisation, zu der die Pontifical Mission gehört. Pontifical Mission (Beirut) ist das Regionalbüro von CNEWA und die regionale Einsatzstelle für Länder wie Libanon, Syrien, Jordanien. Das Team koordiniert humanitäre Nothilfe, Wiederaufbau, medizinische Versorgung, Notunterkünfte und Unterstützung kirchlicher und sozialer Partner. Pontifical Mission arbeitet eng mit lokalen Gemeinden zusammen.

Die Schuldensituation im Libanon

Der Libanon konnte im März 2020 zum ersten Mal in seiner Geschichte seine Staatsschulden nicht bedienen und hat eine fällige Eurobond-Anleihe in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar nicht zurückgezahlt, was einen wichtigen Wendepunkt in seiner anhaltenden schweren Finanzkrise darstellt. Das Land befindet sich derzeit in einem eingeschränkten Zahlungsausfall (RD) für Fremdwährungsschulden in Höhe von über 31 Milliarden US-Dollar, wobei die Schuldenrestrukturierung/ Umschuldung ins Stocken geraten ist, was zu einem Wertverlust der Währung um 99 Prozent und zum Zusammenbruch des Bankensektors geführt hat.

Der Schuldenreport 2026 zu Libanon

Der Libanon gehört laut Analyse im Schuldenreport 2026 zu den sehr hoch belasteten Staaten. Das Land in der SWANA-Region konnte im März 2020 zum ersten Mal in seiner Geschichte seine Staatsschulden nicht bedienen und hat eine fällige Eurobond-Anleihe in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar nicht zurückgezahlt. Das Land befindet sich derzeit in einem eingeschränkten Zahlungsausfall für Fremdwährungsschulden in Höhe von über 31 Milliarden US-Dollar.

Claudia Handal, FUNDASAL, El Salvador

So unterschiedlich die politischen und historischen Kontexte auch sind – die Erfahrungen aus dem Libanon stehen exemplarisch für das, was in vielen hoch verschuldeten Ländern geschieht. Auch in El Salvador zeigt sich: Wenn Staaten finanziell unter Druck geraten, werden soziale Rechte systematisch ausgehöhlt – mit langfristigen Folgen für ganze Gesellschaften. Das Land gehört laut Schuldenreport 2026 zu den hoch belasteten Staaten. Für Claudia Denisse Navas de Handal, die seit 36 Jahren bei der Partnerorganisation FUNDASAL arbeitet, sind das keine abstrakten Zahlen. In ihrer täglichen Arbeit bestätigt sich, was die Statistiken zeigen: Sie ist an der Konzeption, Umsetzung und Beratung sozialer Prozesse beteiligt, die auf eine ganzheitliche Verbesserung prekärer, informeller Siedlungen zielen – und erlebt unmittelbar, wie begrenzter finanzieller Handlungsspielraum soziale Entwicklung ausbremst.

Claudia Denisse Navas de Handal engagiert sich seit 36 Jahren bei der Partnerorganisation FUNDASAL in El Salvador (Foto: FUNDASAL)

„Die Auslandsverschuldung von El Salvador trifft besonders sozial schwache Gruppen, weil sie grundlegende Rechte wie den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum einschränkt. Die staatlichen Wohnungsbauprogramme richten sich in erster Linie an Personen, deren formelles Einkommen mehr als das Vierfache des Mindestlohns beträgt oder deren Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit diesem Betrag entsprechen. Familien mit sehr geringem Einkommen bleiben ausgeschlossen. Viele Wohnungs- und Infrastrukturprojekte sind von ausländischen Spenden oder Krediten abhängig. Dies erhöht die Staatsverschuldung. Ohne angemessene Wohnungsbauprogramme leben zahlreiche Familien unter prekären Bedingungen, was ihrer Gesundheit schadet. Auch Investitionen in die Bildung fehlen: Schulen in schlechtem Zustand, eine unzureichende Lehrerausbildung und die wenigen Stipendien schränken die Chancen der Kinder ein. Langfristig verschlechtert dies ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und hindert sie daran, ein würdiges und stabiles Leben zu führen.“

Projektinfo FUNDASAL

FUNDASAL ist eine private, nichtstaatliche und gemeinnützige Organisation. Als Projektpartner von Misereor setzt sie sich dafür ein, die Schaffung und soziale Verwaltung von Wohnraum zu fördern, um die schwierigen Lebensbedingungen der ärmsten Familien in El Salvador zu verbessern, damit diese in Würde, Sicherheit, Hoffnung und Gemeinschaft leben können.

Pamela Avusi, PNEGA, Papua-Neuguinea

Was sich in El Salvador beobachten lässt, ist Teil eines globalen Musters. Und trifft auch Länder wie Papua-Neuguinea. Darauf verweist auch Pamela Avusi aus Sicht der dortigen Zivilgesellschaft. Pamela ist Koordinatorin der „Papua New Guinea Environmental Alliance“, einem Zusammenschluss von 12 Organisationen, die die Anliegen zivilgesellschaftlicher Organisationen zu Umweltfragen in Papua-Neuguinea vertreten.

Pamela Avusi ist Koordinatorin der „Papua New Guinea Environmental Alliance“, einem Zusammenschluss von 12 Organisationen in Papua-Neuguinea (Foto: privat)

„Papua-Neuguinea befindet sich seit Jahren in einer ernsten Schuldenkrise. Aus entwicklungspolitischer Sicht ist die Situation besorgniserregend: Die Pläne zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auf den verschiedenen Regierungsebenen werden nicht ausreichend durch finanzielle Zuweisungen aus dem Haushalt unterstützt. Es besteht eine enorme Finanzierungslücke bei den staatlichen Ausgaben für die Bereitstellung grundlegender sozialer Dienstleistungen. Besonders ländliche Gemeinden sind betroffen. Als zivilgesellschaftliches Bündnis engagieren wir uns in Initiativen zur Überwachung der kommunalen Haushalte. Wir setzen uns für die Anliegen der Bevölkerung sowie für Transparenz und Rechenschaftspflicht der Regierung ein. So können wir beispielsweise durch eine Transparenzinitiative die Steuereinnahmen aus der Forstwirtschaft und dem Bergbau überwachen, damit künftig mehr Geld in die Staatskasse fließt.“

Projektinfo PNEGA

Die „Papua New Guinea Environmental Alliance“ (PNGEA) ist ein Zusammenschluss von 12 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, der 2021 gegründet wurde, um sich gemeinsam für Umweltschutz, nachhaltige Lebensgrundlagen und Klimaschutz in Papua-Neuguinea einzusetzen. Das Bündnis fungiert als nationale Interessenvertretung für die Stärkung der Umweltpolitik und die Unterstützung lokaler Gemeinschaften, wobei der Schwerpunkt auf Biodiversität und Klimaresilienz liegt. Die PNGEA ist Mitglied in der künftig von Misereor geförderten Allianz gegen Tiefseebergbau in Papua-Neuguinea.

Die Schuldensituation in Papua-Neuguinea

Papua-Neuguinea gehört laut Analyse im Schuldenreport 2026 zu den sehr hoch belasteten Staaten. Das südostasiatische Land ist stark durch den Schuldendienst belastet. Die Kosten für die Bedienung der Schulden sind in den vergangenen Jahren zwar gesunken, aber die Möglichkeiten der Regierung, Einnahmen aus der Rohstoffgewinnung zu erzielen, sind nach wie vor recht begrenzt. Dies schränkt den finanziellen Spielraum für die Finanzierung nationaler und regionaler Entwicklungspläne ein.

Die Berichte aus unterschiedlichen Weltregionen machen klar: Schuldenkrisen sind soziale Krisen. Der Schuldenreport 2026 unterstreicht, dass faire und verbindliche Lösungen dringend nötig sind – damit Staaten wieder in das Leben und die Rechte ihrer Bevölkerung investieren können.

Geschrieben von: und

Tobias Bader

Tobias Bader ist Referent für Kommunikation bei Misereor.

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Nina Brodbeck ist Referentin für Kommunikation bei Misereor.

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