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Die Realität hinter dem Fußballboom: WM in Mexiko

Wenn Fußballweltmeisterschaften stattfinden, dominieren Bilder von Euphorie, Gemeinschaft und sportlicher Leidenschaft. In etwas mehr als einem Monat beginnt die WM 2026 in Nordamerika. Für Misereor und seine Partnerorganisationen in Mexiko macht dieses Großereignis jedoch auch eine andere Realität sichtbar: den Alltag von Menschen, der von Gewalt, dem Verschwinden von Angehörigen und der Macht organisierter krimineller Netzwerke geprägt ist.

Trionda, der offizielle Spielball der FIFA-Weltmeisterschaft 2026, in Mexiko-Stadt. © Picture Alliance/NurPhoto/Solrac Santiago

Für viele Menschen in Mexiko ist Gewalt kein Ausnahmezustand, sondern Teil ihres Alltags. Über 133.000 Menschen gelten derzeit in Mexiko als gewaltsam verschwunden, landesweit wurden bereits mehr als 5.000 Massengräber entdeckt, auch in der Nähe von Austragungsorten der Weltmeisterschaft. So wurden rund um das WM‑Stadion „Akron“ in Guadalajara Massengräber mit über 500 Leichen gefunden, in einem Gebiet, das seit Jahren von organisierter Kriminalität geprägt ist und zuletzt durch die Tötung eines Kartellführers Schlagzeilen machte.

Nun wird befürchtet, dass genau solche organisierten kriminellen Netzwerke von dem Großereignis profitieren könnten. Beispielsweise durch die steigende Nachfrage nach Drogen und Sexarbeit der Fußball-Touristen. Die Sorge, dass Mädchen, Frauen und junge Menschen verstärkt in Menschenhandelsnetze geraten und Opfer sexueller Ausbeutung werden, wächst mit dieser Befürchtung. Eine weitere Gefahr lauert im Bausektor: Für die WM-Gäste wurden extra Hotels, Einkaufszentren und neue Verkehrswege gebaut und umgestaltet – gerade der Bausektor eröffnet zahlreiche Möglichkeiten zur Geldwäsche und wirtschaftlichen Ausbeutung aufgrund von prekären Arbeitsbedingungen wie unzureichenden Lohnzahlungen oder fehlenden Sicherheitsmaßnahmen.

Ein Schild mit Aufschrift „Hinter dem Pokal verbergen sie die Gräber und Truppen“ steht vor Bereitschaftspolizisten, während eines Anti-FIFA-Protest. © Picture Alliance/Jon Orbach

Sicherheit und Kontrolle während der WM

Rund um die Weltmeisterschaft setzt der mexikanische Staat auf kontroverse Sicherheitsmaßnahmen. Bis zu 100.000 Sicherheitskräfte – darunter zehntausend Militärangehörige – sollen die WM absichern. Unterstützt durch Drohnentechnologie riegelt Mexiko dabei in den Spielorten Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey spezielle „Sicherheitszonen“ ab, die vom restlichen Stadtgeschehen isoliert werden. Die Einrichtung dieser Zonen führt unter anderem dazu, dass Straßenverkäufer*innen und andere im informellen Sektor Beschäftigte aus diesen Zonen verbannt werden, was für viele den Verlust ihrer Existenzgrundlage bedeutet.

Es wird außerdem mit einer Zunahme willkürlicher Festnahmen gerechnet. Das heißt, für viele sozial marginalisierte Menschen vor Ort bedeutet diese starke militärische Präsenz weniger Schutz als vielmehr Angst vor Kontrolle, Übergriffen und Vertreibung. Kritiker*innen bemängeln, dass sich die staatlichen Sicherheitskonzepte vor allem am Schutz von Fans, Teams und Infrastruktur orientieren, nicht jedoch an den Rechten und der Sicherheit der eigenen Bevölkerung.

Die Weltmeisterschaft bringt globale Aufmerksamkeit nach Mexiko, doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gewalt, Unsicherheit und Menschenrechtsverletzungen für viele Menschen Alltag sind. Nachhaltiger Schutz entsteht nicht durch Überwachungskameras und „soziale Säuberungen” öffentlicher Räume, sondern durch die Stärkung von Menschenrechten, auch dann, wenn der Jubel verklungen ist.

Geschrieben von Pauline Doffiné

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Gast-Autorinnen und -Autoren im Misereor-Blog.

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