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Im Zirkus namens Indien

Leitartikel in der Times of India, heute mit der Überschrift: „Chaos is our dharma.“ Erster Satz: „Indien. Wir können nur funktionieren, weil wir chaotisch sind.“  Das indischen Chaos: Die Einheimischen leben damit. Die Ausländer versuchen es zu überleben. Und die Times of India hebt es nun sogar als Notwendigkeit zum Funktionieren dieses Landes hervor.

circuscalledindia

An vielen Ecken der Stadt hängen momentan große bunte Plakate mit der Aufschrift: „A day in India.“  Oder “A circus called India.” Die indische Times ruft zu einem Wettbewerb auf: „A nationwide contest to celebrate the collective chaos that is India.“  Wer mag, kann Fotos, Filme, Podcasts, auch Witze und Cartoon einschicken, die das Chaos im Land dokumentieren.  Jeder Inder ist dazu eingeladen, an dieser Aktion mitzuwirken.  Es gibt attraktive Preise bis zu 500.000 Rupien (rund 8.000 Euro) Read more

Straßenkinder: Wie würdest du helfen?

Jahreszeitenwechsel in Delhi: Bevor in ein paar Wochen die Hitze diese Stadt in ihren Bann nehmen und in ein schwitzendes Moloch verwandeln wird, ist es jetzt erst einmal regnerisch und kühl. Wir fahren mit einer Kollegin vom Straßenkinderprojekt Butterflies durch die Stadt.  Auf den Straßen bilden sich große Wasserpfützen, ein bisschen Monsunfeeling im Februar. Das Wetter lässt uns ab und an vergessen, dass wir in Indien sind.

Ein Straßenkind ruht sich aus: Es fällt schwer, nicht sofort einige Rupien zuzustecken.

Ein Straßenkind ruht sich aus: Es fällt schwer, nicht sofort einige Rupien zuzustecken.

„Wie würdest du denn den Kindern, die hier auf der Straße leben, helfen?“ fragt mich Sriti, sie arbeitet für Butterflies an einer neuen Studie über Straßenkinder in Delhi.  Wir stehen im Stau an einer großen Kreuzung, vor meinem Fenster biegt sich ein hageres, kleines, unglaublich schönes Mädchen durch einen silbernen Reifen. Sie steht mit nackten Füßen in einer Pfütze, trägt einen dreckigen braunen Rock und eine kaputte rote Bluse. Sie vollführt ihr Kunststück immer und immer wieder und wird vom Trommelspiel eines kleinen Jungen begleitet. Ein drittes Kind klopft an unsere Scheibe und bitte um Geld.

Fünf, vielleicht ist sie auch sechs Jahre alt, aber ihr Gesichtsausdruck ist der eines Erwachsenen. Eines Menschen, der schon viel in seinem Leben gesehen und erlebt hat; vielleicht zu viel.  Read more

Rundreise zur Fastenaktion: Tag 2 in Lima

Gottfried Baumann von Misereor bloggt im Vorfeld der Fastenaktion von einer Reise in Peru. Er ist dort mit Vertretern des Bistums Regensburg unterwegs. In Regensburg findet in diesem Jahr die Eröffnung der Fastenaktion unter dem Leitwort „Menschenwürdig leben. Überall!“ statt.

Die andere Seite von Lima haben wir heute kennengelernt. Obwohl wir in der gleichen Stadt unterwegs sind, ist es, als sei man auf einem anderen Planeten, oder besser: Dem Mond. Aber der Reihe nach.

Nah bei den Menschen: Mit einer Delegation von Regensburgern in Lima unterwegs.

Nah bei den Menschen: Mit einer Delegation von Regensburgern in Lima unterwegs.

Schon früh am Morgen machen wir uns auf nach Cabayllo im äußersten Norden von Lima. Beim Generalvikar  des Stadtrandbistums erfahren wir – nach Morgenmesse und Frühstück – etwas über die Gefängnisarbeit. Denn dort ist eines der größten Gefängnisse des Landes, in dem auch viele Mitglieder der Terrorvereinigung „Leuchtender Pfad“ einsitzen.

Dieser gehörten auch viele Jugendliche an, die für schwere Massaker und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wurden. Wie geht man damit um, als Jugendlicher aus ideologischen Gründen andere gefoltert, verletzt, getötet zu haben? Die Kirche übernimmt in diesem Gefängnis eine wichtige Aufgabe für die  Menschen, um die sich sonst niemand kümmert.
Eine Dreiviertelstunde Autofahrt später sind wir dann in Lomas de Cabayllo, wo die Menschen am Rande des Mülls leben. CIDAP, der MISEREOR-Partner, erwartet uns mit einem umfangreichen Besichtigungsprogramm. Read more

Weltsozialforum in Dakar: Misereor-Partner verurteilen Landgrabbing

Wie ist es zu bewerten, wenn Investoren riesige landwirtschaftliche Flächen in Afrika aufkaufen, um dort Pflanzen für Agrartreibstoffe oder andere Exportprodukte anzubauen, und dabei gleichzeitig den dort lebenden Bauernfamilien ihre Lebensgrundlage rauben?

Bauernorganisationen demonstrieren in Dakar gegen Landgrabbing

Von Montag bis Mittwoch haben 50 Teilnehmer/innen aus 25 Ländern auf Einladung von Misereor, FIAN, dem Netzwerk Afrika und lokalen Partnern am Rand des Weltsozialforums im Senegal dieses so genannte „Landgrabbing“ analysiert und diskutiert. Die Fakten und Fallbeispiele haben dabei deutlich werden lassen, dass diese Art der Investition in Land Menschen in Armut und Hunger treibt und darüber hinaus fast immer mit erheblichen und irreversiblen Schäden für Klima und Umwelt verbunden ist. Read more

Kolumbien: Maria Jara Gutierrez – Eine mutige Richterin

Die Liste der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation FASOL mit den Namen ermorderter Mitarbeiter der Justizbehörden ist lang. Sie ist eine Dokumentation des Schreckens mit einer klaren Botschaft insbesondere an Richter und Staatsanwälte: Je nachdem, mit welchem Angeklagten sie es vor Gericht zu tun haben, können Urteile nach Recht und Gesetz für die verantwortlichen Justizbeamten gefährlich werden. Diese Erfahrung musste auch Maria Stella Jara Gutierrez machen.

Maria Gutierrez

Maria Gutierrez

Sie ist Richterin der 3. Abteilung für Strafsachen am Oberlandesgericht der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Gutierrez hatte den pensionierten Militär-Oberst Luis Alfonso Plazas Vega zu 30 Jahren Haft verurteilt: Schuldig des gewaltsamen Verschwindenlassens von elf Zivilisten. Das Verbrechen geschah vor 25 Jahren bei der Erstürmung des Justizpalastes in Bogotá. Damals hatten linke Rebellen das zentrale Justizgebäude besetzt und etwa 350 Menschen als Geiseln genommen. Read more

Cancun: Die ganze Welt versammelt auf dem Mond

Die ganze Welt trifft sich beim Klimagipfel – und MISEREOR trifft Aktivisten, die auch für eine gerechte Klimapolitik streiten.

Nice to meet you! Mucho gusto! Ça va? Muito Prazer! Hey, Hallo! An allen Ecken tönen andere Sprachen durch die Hallen in Cancún – auch solche, von denen ich kein einziges Wort wiedergeben könnte, selbst wenn ich wollte. Im Bus, auf der Straße, in den Verhandlungsfluren trifft man auf die ganze Welt. Fidji, Tuvalu, Guinea Bissao, Kongo, Neuseeland, USA, Irland, Togo, Tokelau (Entschuldige, wo liegt das?).
Alle machen sich auf den Weg in den Moon Palace – den Mond Palast. Hier trifft sich die Welt zur Verhandlung und es ist schon spannend, in kürzester Zeit so viele unterschiedliche Menschen zu treffen. Die lange Anreise aus dem Zentrum – so anstrengend sie auch ist – macht es möglich, ins Gespräch zu kommen. Da in den Bussen laute Videos laufen und am Abend das Licht nicht an ist, kann man eh nicht arbeiten.
Hier ist die Welt ein Dorf, und mitten in diesem Dorf stehe ich im Mondpalast. Wenn die Welt wirklich ein Dorf mit 100 Einwohnern wäre, würden sechs Personen 60% des gesamten Weltreichtums besitzen und einen Großteil der Treibhausgasemissionen auf diesem Planeten produzieren.  Die Zunahme von extremen Wetterereignissen träfen hingegen jene 80 im Dorf, die in prekären Wohnungen leben, oft an Flussufern und Hängen und nichts zum Klimawandel beigetragen haben. Die Zeitungsberichte über die Klimakonferenz im Mondpalast könnten nur 68  lesen, da der Rest Analphabeten sind. Nur sieben würden verstehen können, was Treibhausgase sind und wie sie chemisch und physikalisch wirken. Denn sie haben keinen weiterführenden Schulabschluss. 13 würden schon heute hungern und der Klimawandel wird ihre Anzahl erhöhen.
Wenn die Welt wirklich ein Dorf mit 100 Einwohnern wäre, dann würden darunter 61 Asiaten,
12 Europäer  und 13 Süd- und Nordamerikaner leben.  Zudem 13 Afrikaner und 1 Australier.
In unserem Dorf auf dem Mond leben aber mindestens 50 in Europa und anderen Industrieländern. Entwicklungsländer können sich die hohen Kosten der Teilnahme für viele Mitarbeiter  gar nicht leisten und es gibt nur wenige, die sich Vollzeit mit der Klimapolitik beschäftigen können. Read more