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Cancun: Und sie bewegt sich doch…!

Es ist Halbzeit bei den internationalen Klimaverhandlungen in Cancún. Während in der letzten Woche ein großer Teil der Diskussionen eher verhalten und hinter verschlossenen Türen stattfand, gehen die Verhandlungen ab jetzt in die heiße Phase. Große Erwartungen an diesen Klimagipfel hatte bisher niemand, denn gerade die größten Treibhausgasemittenten wie China oder USA zeigten im Vorfeld keinerlei Ambition.

Wenig verwunderlich startete deshalb diese COP 16 auch mit allerlei unerfreulichen Nachrichten. Mehrere Länder verabschiedeten sich von einer zweiten Verpflichtungsperiode des Kioto Protokolls, das 2012 ausläuft. Zuerst Canada gefolgt von Japan und Russland. Wir erinnern uns: 1997 wurde das Kioto Protokoll beschlossen, mit dem sich alle Industrienationen – mit Ausnahme der USA – verpflichteten, ihre Treibhausgase zu senken. Das Kioto Protokoll ist demnach bisher das einzige internationale Instrument, das Klimaschutz für Industriestaaten rechtlich verbindlich festlegt.

„Warum kommen die Länder überhaupt nach Cancún, wenn sie doch letztendlich nicht bereit sind, sich für ambitionierten Klimaschutz einzusetzen?“ fragt mich Zoraya Vargas von einer unserer Partnerorganisationen in Bolivien, die ich hier in Cancún treffe. Wir alle sind letztendlich hier, weil wir daran glauben, dass ambitionierter Klimaschutz möglich und vor allem dringend notwendig ist. Read more

Im Land der Könige

Aufeinmal ist die Megastadt Delhi, sind die Commonwealth Games und der Trubel, der sie umgibt, weit weg.  Wir sind im Dschungel. Um uns herum dichte Wälder, volle Felder, Schmetterlingsschwärme, Seen und Wasserbüffel, die sich im Schlamm wälzen. Und wir staunen: Dies soll einmal eine der trockendsten Gegenden Rajasthans gewesen sein? Read more

Eine Nacht in Delhi

Die Nacht in Delhi ist lau. Die erste laue Nacht nach den endlos scheinenden Wochen der extremen Hitze und der stärksten Monsunregenfälle seit Jahren. Ich sitze im Minivan unserer Partnerorganisatione IGSSS zusammen mit Fotograf Daniel Etter und Indu Prakash Singh. Indu arbeitet seit über zehn Jahren mit und für die Rechte der Obdachlosen in Delhi, in ganz Indien. Er hat viel zu erzählen und man spürt, dass sein Wissen nicht aus Büchern stammt.

Indu arbeitet direkt mit den Menschen auf der Straße. Er kennt ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre Hoffnungen. Wir besuchen einige der Nightshelter, die IGSSS in Delhi unterstützt. 40 dieser Unterschlüpfe gibt es in der indischen Hauptstadt. 150 müssten es, gemessen an der Einwohnerzahl Delhis, eigentlich sein. „Die Regierung hat die Wichtigkeit dieser Unterkünfte lange verkannt“, so Indu. Im Januar diesen Jahres gab‘ es einen Beschluss des höchsten Gerichts in Delhi: jede indische Stadt muss ein Shelter je 100.000 Einwohner bereitstellen. Wir erreichen das einzige Shelter für Frauen, dass es in Delhi gibt. In einem großen Raum mit Etagenbetten übernachten 25 Frauen und ihre Kinder. Die meisten von ihnen wurden von ihren Männern verlassen, halten sich mit einer Anstellung als Putzfrau über Wasser. Tagsüber arbeiten sie in privaten Haushalten, abends kehren sie zum Schlafen in das Shelter zurück. Für ein eigenes Dach über dem Kopf reicht ihr Lohn nicht. Indu kennt viele dieser Frauen seit Jahren. Sie freuen sich über seinen Besuch, nehmen ihn direkt in Beschlag, erzählen ihm die Neuigkeiten aus ihrem bescheidenen Leben. Er hört geduldig zu. „Als ich mit meinen Kindern auf der Straße schlief, wurde ich jede Nacht von der Polizei verfolgt“ erzählt eine Frau. „Sie haben mich und meine Kinder geschlagen, sie wollten Geld von uns. Hier sind wir endlich in Sicherheit.“

Sportevent zu Lasten der Armen

Die harte Realität hinter den Commonwealth Games: Straßenkinder kämpfen ums Überleben

Nur noch ein paar Tage, dann ist es soweit: Die Commonwealth Games in Neu Delhi werden eröffnet. Es ist das größte Sportereignis, das jemals in der indischen Metropole ausgetragen wurde. Und das umstrittenste. MISEREOR-Partner kritisieren: Leidtragende des pompös angelegten Sportevents sind vor allem die Ärmsten der Armen.

„Eigentlich müssten wir jetzt noch auf die Straße gehen und versuchen die Spiele zu boykottieren“, so Indu Prakash Singh. „Es ist unglaublich, wie viel Geld für die Common Wealth Games ausgegeben wurde. Mit einem Bruchteil des Geldes hätte so viel für die Obdachlosen bewirkt werden können.“ Indu Prakash Singh weiß, wovon er spricht. Er arbeitet für den Misereor-Partner IGSSS. Seit über zehn Jahren setzt er sich für die Armen der Stadt, für die Obdachlosen ein, versucht ihnen einen Stimme zu geben, ihnen zu ihren Rechten zu verhelfen. 150 000 Menschen leben in Delhi auf der Straße. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. „Indien hat die höchste Anzahl an Straßenkindern auf der Welt“, so Prakash Singh. „Aber das kehrt man an offizieller Stelle einfach unter den Tisch.“ Read more

„Ich wünsche mir eine Nacht in der ich nicht verfolgt werde“

Straßenbau findet in Delhi oft nachts statt. Während der Rest der Stadt schläft, tragen Arbeiter schwere Kiessäcke auf ihren Köpfen umher, hacken Wege auf, verlegen Straßenrohre mit der Hand. Nun, kurz  vor dem Beginn der Commonwealth Games sieht man noch mehr Arbeiter auf den Straßen. Die Zeit drängt. Nur noch ein paar Tage bis Prinz Charles die Commonwealth Spiele im Jawarhal Nehru Stadium eröffnen wird. Die letzten Verschönerungen werden vorgenommen. Deshalb sitzen hier nachts die Maler am Straßenrand und pinseln die schwarz-weißen Bordsteinkanten an. Über ihnen wehen die bunten Fahnen der Spiele. „Bring the games to India.“ Alles soll frisch und sauber aussehen für die Commonwealth Games. Keine leichte Aufgabe nach den Monsunregenfällen, die in diesem Jahr besonders heftig waren und die Straßen Delhis stark beschädigt haben. Die Schlaglöcher auf den Straßen sind größer denn je. Dabei bemüht sich die Stadt seit Jahren darum gerade diese zu beheben, die Stadt nach außen hin gut funktionieren und schön aussehen zu lassen. „Sie wollen die Armut in der Stadt verstecken und das geschieht auf Kosten der Armen“ so MISEREOR-Partner Prakash Singh. „Im Schatten der Spiele  missachtet unsere Regierung die Menschenrechte.“ Dabei seien die Wünsche der Armen so bescheiden und leicht zu erfüllen. Eine Frau, die zusammen mit ihren zwei Kinder in der Nähe von Delhis bekanntem Connaught place auf dem Gehweg lebt, erzählte dem Sozialarbeiter kürzlich: „Alles, was ich mir wünsche, ist eine Nacht in der ich tief und fest schlafen kann. Eine Nacht, in der ich  nicht von der Polizei verfolgt werde.“

„Das ganze Ausmaß ist schwer zu fassen“

In Pakistan unterwegs mit MISEREOR-Partnern: Hermann Rupp kehrte am 31.August zurück und schildert seine Eindrücke von den Zerstörungen und Hilfeleistungen im Swat-Tal.

Hermann Rupp arbeitet als Referent für Pakistan bei MISEREOR.

Besuch des Swat-Tals

Von Islamabad aus fahren wir gut 100 Kilometern auf der Autobahn nach Nordenwesten. Nach weiteren 1 ½ Stunden auf der Landstraße erreichen wir das untere Ende des Swat-Tals. Wunderschön ist es hier. Über kurvige Straßen und Serpentinen gelangen wir immer tiefer in die Berge. Noch weist nichts auf eine Katastrophe hin. Nur die vielen Militärposten lassen erahnen, was sich vor gut einem Jahr hier ereignet hat. Anfang Mai 2009 flohen Hunderttausende vor der Militäroffensive gegen die Taliban aus dem Swat Tal. Noch immer ist das Leben nicht vollends zur Normalität zurückgekehrt.

Früher einmal war die Region ein beliebtes Urlaubsziel. Davon zeugen die vielen Hotels, die heute allerdings, wie ich erfahre, überwiegend als Unterkunft für die vielen Militärs genutzt werden. Die Militärpräsenz zeigt sich beispielsweise an den vielen Kontrollposten entlang der Straße. Auch wir müssen uns immer wieder ausweisen und erklären, warum wir unterwegs sind. Mit der Genehmigung, die wir beim ersten Militärposten erhalten haben, stellt das allerdings kein Problem dar. Die Menschen sind uns gegenüber sehr freundlich und aufgeschlossen.

 

Das Ausmaß der Katastrophe wird uns langsam klar

Straßen enden im Nichts: Der Indus hat Brücken, Häuser und Land fortgerissen.

Dann erreichen wir den Fluß Swat. Für mich sieht alles ganz normal aus, die Gegend erinnert mich an die Alpen. Gut, das Flussbett ist sehr breit und die Wassermassen zwängen sich durch vergleichsweise kleine Rinnen. Der Rest des Tals besteht aus Schotter und Geröll. Dann jedoch passieren wir eine etwa einen Kilometer lange Brücke. Zwischen der Fahrbahn und dem Schotterbett ist nur wenig Platz und einige Teile der Brücke fehlen ganz. Wir halten an und finden die fehlenden Pfeiler sowie die Fahrbahn einige hundert Meter flussabwärts. Das Wasser hat die mehrere hundert Tonnen schweren Betonteile einfach fortgerissen. Damit ist die Hauptverbindungsader zwischen den beiden Ufern zerstört. Read more