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Afojo! Ostergrüße aus Acholiland

Endlich Ferien! Nicht nur in Deutschland freuen sich die Schüler auf die schulfreie Zeit, sondern auch im Norden Ugandas.  Die meisten Kinder in dieser Region leiden immer noch unter den Folgen des vor sechs Jahren beendeten Bürgerkriegs.

Abschlussfest vor den Osterferien in der Laroo-Internatsschule in Gulu

Besuch in der Laroo-Internatsschule in der Provinz Gulu im Norden Ugandas: Es ist der letzte Schultag vor den Osterfeiertagen. Die rund 600 Schüler sitzen auf dem staubig-sandigen Boden vor dem Schulgebäude, die meisten von ihnen tragen leuchtend gelbe T-Shirts. Die Sonne brennt vom Himmel, Schatten gibt es wenig. Dennoch warten die Kinder geduldig auf das, was gleich kommen wird. Ein paar tuscheln aufgeregt und begutachten neugierig die Besucher aus Deutschland. Dann hallt der schrille Ton einer Trillerpfeife über den Platz, augenblicklich ist Ruhe, eine Gruppe älterer Schüler bewegt sich tanzend auf den Platz. Ein Mädchen in der ersten Reihe gibt mit lauten Rufen den Takt vor. Die Gruppe tanzt einen traditionellen Tanz der Acholi, der größten Volksgruppe der Region. Die Schüler bewegen sich ausgelassen, ekstatisch, einige haben die Augen geschlossen. Der Tanz dauert über eine halbe Stunde.

Es folgen noch Lieder und Gedichtvorträge, dann verabschiedet der Schulleiter die Kinder. Endlich Ferien! Doch die wenigsten der über 600 Jungs und Mädchen, welche die Laroo-Schule besuchen, fahren nach Hause. Denn: Gulu war viele Jahre eine der gefährlichsten Regionen Afrikas. Über 20 Jahre herrschte hier ein erbitterter Krieg zwischen der Regierungsarmee und der gefürchteten Guerillatruppe „Lord’s Resistance Army“.

Schüler der Laroo-Schule in Norduganda

Fast alle Kinder der Laroo-Schule sind vom Krieg in der einen oder anderen Weise betroffen: Die meisten haben Familienmitglieder verloren, sind Halbwaisen und wie ihre Angehörigen traumatisiert von den schrecklichen Erlebnissen während der Kriegsjahre. Würden sie ihre Dörfer, ihre Familien in den Ferien besuchen, kämen die Erinnerungen an diese Erlebnisse wieder hoch. Häusliche Gewalt ist in vielen Gemeinschaften der Region Normalität. In der Schule bleiben die Kinder von derlei Sorgen verschont. Hier können sie mit den Lehrern an ihren Problemen arbeiten.

Die Kinder bleiben, die Besucher gehen. Sie werden in der Sprache der Acholi mit  „Afojo“ verabschiedet.

Autor:

Daniela Singhal ist bei politischen Aktionen in der Hauptstadt vor Ort, trifft internationale Partner und ist im In- und Ausland für MISEREOR unterwegs.

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