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Doppeltes Leid der Guarani-Mütter in Südbrasilien

In Brasilien hungern immer mehr Menschen, während die Regierung Lebens- und Futtermittel im großen Stil ins Ausland exportiert. Gleichzeitig nimmt die Agrarindustrie hektarweise Land ein und zerstört die Heimat der indigenen Stämme: Sie erleben Vertreibung, Gewalt, Hunger und Armut. Die Regierung verschließt die Augen vor diesen Problemen. Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien spricht Matías Rempel, Koordinator des indigenen Missionsrates CIMI in Mato Grosso do Sul, im Interview über die schwierige Situation der Indigenen und über das Land vor der Wahl.

Mann und zwei brasilianische Frauen auf einem Feld
Die Frauen aus Pyelito Kué berichten Matías Rempel (CIMI) von ihrem zerstörten Maisfeld. © Florian Kopp / Misereor
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Präsident Bolsonaro und der Hunger in Brasilien  

In Brasilien geht der Wahlkampf in seine heiße Phase. Mit Pauken, Trompeten und vielerlei leeren Versprechungen bewegt sich Brasiliens politische Elite in einem Marathonlauf kreuz und quer durchs Land. Sie befinden sich auf Stimmenfang. Dass sich dabei manch ein Politiker im Ton vergreift und Hasspredigten sowie Fake News mit Wahlpropaganda verwechselt, gehört bedauerlicherweise inzwischen zum brasilianischen Alltag.

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Frauen stärken und Hunger beenden

Misereor-Empfehlungen

Die Welt im Jahr 2030: Kein Mensch muss mehr Hunger leiden. Frauen und Mädchen weltweit erfahren Gleichstellung und können selbstbestimmt leben. Das sind zwei der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), auf die sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015 geeinigt hat. Sie sind eng miteinander verknüpft und liegen beide aktuell in weiter Ferne.

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Öl ins Feuer

Wegen der Petition „Kein Essen in Trog und Tank“ gerät Misereor ins Visier von Tierproduzenten. So werden Vorschläge zur Milderung der Hungerkrise schnell zum Kulturkampf.

Petition: Kein Essen in Trog und Tank

Zum G7 Treffen im Frühjahr verfasste Misereor gemeinsam mit Greenpeace ein Positionspapier zur sich zuspitzenden Ernährungskrise in Folge des Ukraine Kriegs und – ja immer noch – der Corona-Pandemie. Als ein Grund wurden darin die stark gestiegenen Getreidepreise ausgemacht.

Menschen hungern, weil Nahrung zu teuer ist

Um dies kurzfristig abzumildern und die überhitzten Märkte zu beruhigen formulierte das Papier als zwei von sechs Forderungen:

  • Maßnahmen zur Senkung des Verbrauchs von Getreide und Ölsaaten als Energieträger zu prüfen;
    und
  • den Einsatz von Brotgetreide als Futtermittel zur Erzeugung von Fleisch für die reichen Länder deutlich zu reduzieren.

Im Frühsommer folgte dazu die Petition: Kein Essen in Trog und Tank Die Petition konkretisiert die Forderungen. Und Sie wies erneut darauf hin, dass Hunger vor allem ein Problem ist, das durch Armut verursacht wird. Teil einer internationalen Antwort sollte sein, sowohl die Produktion von sogenanntem „Biosprit“ Agrotreibstoffen, als auch die Produktion von Fleisch und Eiern,- zu reduzieren um den Bedarf an Futtergetreide zu senken. Letzteres bedeutet ein Abbau der Tierzahlen in der deutschen und europäischen Landwirtschaft mit gleichzeitigen Konsumanreizen, für pflanzliche Nahrungsmittel.

IPC Karte Ernährungsunsicherheit 2022
Seit 2020 haben sich Hungerkrisen massiv ausgebreitet: In der Karte zeigen die orange bis dunkelrot gefärbten Gebiete, wo große Bevölkerungsanteile akut von Hunger bedroht sind; aber auch in anderen Teilen der Welt können große Teile der Bevölkerung sich keine ausreichende Versorgung mit dem Nötigsten leisten. (IPC / FAO)

Breit geteilte Forderungen

So weit, so erwartbar will man meinen. Denn all diese Forderungen sind zum einen bekannt. Zum anderen wurde insbesondere die Forderung nach dem Abbau der Tierzahlen von unterschiedlichen Seiten wie dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung oder der Zukunftskommission Landwirtschaft geteilt. Bei letzterer saß übrigens der Deutsche Bauernverband und der Industrieverband Agrar am Tisch. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit Jahrzehnten Fleisch in Maßen zu genießen.

Organisierter Gegenwind als Ablenkungsstrategie?

Zuerst kamen vereinzelte E-Mails von Landwirten, sie warfen uns Unkenntnis in landwirtschaftlichen Fragen vor. Aber auch insgesamt „gegen Bauern“ zu sein oder gar „unsere christlichen Wurzeln“ zu verraten, weil wir bei dieser Petition mit Greenpeace zusammenarbeiten. Bei den Mails fiel uns auf, dass sie sich teilweise im Wortlaut ähnelten. Offenbar folgten sie dem Aufruf zum Spendenboykott eines bayerischen Landwirts, der auf seinem Hof mehrere hundert Schweine hält und eine Biogasanlage betreibt. Der Bayerische Rundfunk berichtete regional. In diesem Bericht inszeniert sich der Landwirt als gläubiger Katholik und wirft Misereor „Diffamierung“ vor. Ins gleiche Horn stößt später eine Pressemeldung des Verbands „Freie Bauern“.

Leider bleibt sowohl der Bericht wie auch die „Freien Bauern“ die Antwort schuldig, was Tierfutter denn eigentlich mit christlichem Glauben zu tun hat. Und die Diskussionen bleiben auch schuldig, wie denn die Hungerkrise stattdessen angegangen werden sollte? Ganz zu schweigen von Klimakrise und Artensterben.

Getreidefeld
Getreidefeld in der Ukraine: Fast 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte stammen aus Russland und der Ukraine. © Ihor Uaina / Unsplash

Facebook-Schlacht und Schelte

Auch unter unseren Facebook-Posts wächst die Kommentarflut. Es fallen Begriffe wie „Hetze“ „Vernichtung“ und „Diffamierung“. Man wird auch schon mal persönlich und beleidigend. Dann gab es einen Artikel von „Land & Forst. Die Stimme der Landwirtschaft. Seit Generationen.“ über die Aussprache von Misereor mit dem bayerischen Landwirt. Dort blendet die Autorin, trotz vorherigem ausführlichem Interview mit unserem Landwirtschaftsexperten, die Misereor-Position komplett aus.

Ausgewogene Berichterstattung stelle ich mir anders vor. Ehrliche Gesprächsangebote auch. Was soll das Ganze also? Warum organisieren bestimmte Bauern Schelte für Misereor?

Lobby für die Rolle rückwärts?

Ich habe den Eindruck, dass in den letzten beiden Jahren in Deutschland viele in Politik und Wirtschaft die Zeichen der Zeit verstanden haben. Es wurden Weichen gestellt hin zu mehr Klimaschutz, Ökologie und vielleicht auch weltweiter Gerechtigkeit. Dagegen organisiert sich immer stärker der Widerstand, derer, die das Rad wieder zurückdrehen wollen. Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, warum uns Tierproduzenten so hart angehen.
Dabei wird wie so oft in diesen Tagen ein „Wir gegen die“ aufgebaut, was die gemeinsame Suche nach Lösungen immer schwerer macht.
Alles nach dem Motto, lieber auf den Boten der vermeintlich schlechten Nachricht schießen, als sich mit dieser zu beschäftigen: Das weltweite Ernährungssystem führt dazu, dass über 800 Millionen Menschen hungern, es verschärft die Klimakrise und setzt dabei auch Europas Landwirtschaft immer mehr unter Druck.

Der hoffnungsvolle Teil der Debatte

Zum Glück finden auch sehr differenziertere Gespräche statt, wie zum Beispiel im Video-Blog von Bauer Willi oder Diskussion in öffentlichen Veranstaltungen und Arbeitskreisen. Außerdem gab es viele nachdenkliche Stimmen und Unterstützung für eine andere Landwirtschaft – und Solidarität mit den Menschen, die gerade am meisten leiden: den 811 Millionen Menschen auf unser Welt, die hungern.

Denn genau dazu sehen wir uns Christen aufgefordert: Uns an die Seite der Menschen zu stellen, dort wo Hunger und Armut herrschen. Ohne Wenn und Aber.


Wenn auch Sie wie schon fast 25.000 Menschen die Petition unterschrieben haben, teilen Sie sie doch in den sozialen Medien, per E-Mail oder sammeln sie per Liste Unterschriften:
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