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Liveticker zur Weltklimakonferenz COP24

Vom 3. bis 14. Dezember findet in Polen die Weltklimakonferenz (COP24) statt. MISEREOR ist mit seinen Klima-Expertinnen und Partnern vor Ort und beobachtet, wie sich die Verhandlungen entwickeln. Im Live-Ticker halten wir Sie mit aktuellen Nachrichten von der Klimakonferenz auf dem Laufenden.

Für MISEREOR berichten von der Weltklimakonferenz COP24:

  • Anika Schroeder, Expertin für den Bereich Klimawandel und Entwicklung unter @anikaschroeder4
  • Kathrin Schroeder, Expertin für den Bereich Klimawandel und Energie unter @gokish
  • Almuth Schauber, Expertin für Städtische Armut und Urbane Klimapolitik unter @AlmuthSchauber
  • Clara-Luisa Weichelt, Expertin für Nachhaltige Stadtentwicklung unter @ClaraWeic
  • Eine Gruppe junger Engagierter, die für MISEREOR während der COP24 an einem internationalen Klima-Camp teilnehmen. Das Programm findet im Rahmen der Kampagne Change for the Planet – Care for the People“ statt und will junge Menschen vernetzen, die sich für den Klimaschutz engagieren.

 
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Brasilien: Rückschritt zur Diktatur?

Dreißig Jahre nach Beendigung der Militärdiktatur droht Brasilien ein Rückschlag in diktatorische Strukturen.

Demonstrantin in Porto Alegre mit dem Hashtag der Mobilisierung #EleNao. © Caco Argemi CPERS / Sindicato

Demonstrantin in Porto Alegre mit dem Hashtag der Mobilisierung #EleNao. © Caco Argemi CPERS / Sindicato

Noch vor wenigen Monaten hatte es kaum jemand in Brasilien für möglich gehalten, dass ein rechtsradikaler Politiker mit dem Namen Jair Bolsonaro neuer Staatspräsident des Landes werden könnte. Doch dies scheint jetzt Wirklichkeit zu werden. Wenige Tage vor den Stichwahlen liegt der ultrakonservative Politiker in den Umfragen mit 59 zu 41 Prozent vor seinem Widersacher, dem Linkspolitiker Fernando Haddad. Read more

Papier oder Praxis – Menschenrechte und Migrationspakt

In Marrakesch wird der Globale Migrationspakt am kommenden Montag formal angenommen. Im Vorfeld diskutieren Delegierte von Staaten und Zivilgesellschaft über das Dokument, über Migration als Entwicklungschance und was es braucht, um weltweit mehr Rechte für Migranten durchzusetzen.

ertreter deutscher Zivilgesellschaft in Marrakesch

Vertreter deutscher Zivilgesellschaft in Marrakesch

Mit großem Engagement und emotional aufgewühlt berichten Migrantenvertreter aus Mexiko, aus Honduras von der Situation in ihren Ländern derzeit. Sie begrüßen den kommenden Globalen Migrationspakt, aber angesichts der Lage vor Ort reicht ein Dokument auf UN-Ebenen allein nicht.

Auch aus Westafrika berichten Forscher und Organisationsvertreter von informellen Kontrollen entlang der Überlandstraßen und Behinderungen von Migranten an den Grenzen, obwohl dort das Protokoll der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Freizügigkeit über Grenzen hinweg schon seit Jahren garantiert.

Über 1.000 Vertreter von Regierungen, Wissenschaft, Menschenrechtsinstitutionen und Entwicklungsorganisationen debattieren in Marrakesch vor der Verabschiedung des Globalen Migrationspaktes kommenden Montag über das Dokument, seine Chancen und Schwächen und die notwendige Umsetzung, die folgen muss.

Symbolische Flüchtlingszelte

Symbolische Flüchtlingszelte

Marokko als Ort der Migrationskonferenz ist gut gewählt, es liegt an der Grenze zweier Kontinente, das Land ist alles drei – Herkunfts-, Transit und Aufnahmeland. Manche Volkswirtschaftler sehen in Marokko die wirtschaftliche Schwelle erreicht, die es nach ihren Berechnungen braucht, um Menschen eine längerfristige Perspektive im eigenen Land zu ermöglichen. Zudem hat Marokko seit 2013 seine Migrationsgesetzgebung verändert und es gibt nun die Möglichkeit der Regularisierung – zugleich sind Menschenrechtsverletzungen von Spanien und Marokko an den Grenzen zu den Exklaven Ceuta und Melilla dokumentiert.

In der überwiegenden Mehrheit begrüßen die Vertreter von Diaspora-Organisationen, Entwicklungsorganisationen und Menschenrechtsinstitutionen den Globalen Migrationspakt. Aber es darf nicht bei diesen abstrakten Zielen bleiben: Es braucht klare Überprüfungsmechanismen unter Einbindung der Zivilgesellschaft und eine ambitionierte Umsetzung in den einzelnen Ländern. Europa steht dabei gar nicht so im Mittelpunkt, wie es die deutsche Debatte zuletzt glauben machen wollte. Arbeitsmigration aus Süd-Ostasien in die Golfstaaten oder große Migrationsbewegungen in Lateinamerika verlangen dabei Antworten, die weniger wirtschaftsstarke Staaten schwieriger geben können. Daher braucht es für sie auch Unterstützung von außen.

Die Zivilgesellschaft pocht vor allem auf die Rechte der Migranten, auf faire Verfahren an den Grenzen, in Transit- und Aufnahmeländern, auf Zugang zu Gesundheitsleistungen und Bildung und rechtsstaatliche Verfahren, auf gerechte Mechanismen der Arbeitsmigration und Schutz vor Ausbeutung, Menschenhandel. Ein besonderer Schwerpunkt gilt dabei den Rechten von besonders Schutzbedürftigen wie unbegleitete Minderjährige.

Der Globale Migrationspakt setzt dafür einen guten Rahmen der Chancen, aber jetzt braucht es konkrete Umsetzungsvorschläge und das Engagement von Staaten und Zivilgesellschaft.

In allen Debatten scheint durch: Nur gemeinsames internationales Handeln kann zu guten Lösungen führen. In dieser Hinsicht macht Marrakesch Mut.

ZDF-Spendengala: Singen, spenden, Gutes tun

„Ich mache Ihnen heute Abend ein faires Angebot: Wir schenken Ihnen wunderschöne Musik und Sie helfen uns heute ein großes Jubiläums-Spendenergebnis zu erzielen“, eröffnete Carmen Nebel die ZDF-Spendengala zugunsten von MISEREOR und Brot für die Welt, die in diesem Jahr ihren sechzigsten Geburtstag feierten. Und das Angebot wurde angenommen. Mehr als 2.5 Millionen Euro wurden zur großen Freude der beiden Hilfswerke für ihre Projektarbeit gespendet.

"Der Paganini des neue Jahrtausends", so kündigte Carmen Nebel Stargeiger David Garrett an. Und sie hatte nicht zu viel versprochen. © Sascha Baumann

„Der Paganini des neue Jahrtausends“, so kündigte Carmen Nebel Stargeiger David Garrett an. Und sie hatte nicht zu viel versprochen. © Sascha Baumann

Für die musikalische Unterstützung  beim Spendensammeln lockte Carmen Nebel in diesem Jahr wieder einmal große Stars in die Bavaria Studios bei München: Stargeiger David Garrett, 80er-Jahre-Star Shakin‘ Stevens, der mit seinem Hit ‚Merry Christmas Everyone‘ ein Comeback feiert, Startenor Rolando Villazon, die bayrische Boyband VoXXClub und die „Deutschland sucht den Superstar“ Gewinnerin 2018 Marie Wegener.

Die siebzehnjährige "Deutschland sucht den Superstar"-Gewinnerin Marie Wegener verzauberte die Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihrer Interpretation des Klassikers "All I want for christmas is you" von Mariah Carey. © Sascha Baumann

Die siebzehnjährige „Deutschland sucht den Superstar“-Gewinnerin Marie Wegener verzauberte die Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihrer Interpretation des Klassikers „All I want for christmas is you“ von Mariah Carey. © Sascha Baumann

Für Überraschung sorgte in diesem Jahr das „erste singende Spenden-Panel Deutschlands“. Gemeinsam mit der US-Band Naturally 7 ließen Claudia Jung, Patrick Lindner, Isabel Varell, Maren Gilzer, Daniela Ziegler und Regina Halmich mit „Feliz Navidad“ für einen Moment die Telefonhörer liegen und spanische Weihnachtsklänge erklingen.

 „Es ist ganz egal, wieviel Sie spenden können, denn auch kleine Beträge ergeben am Ende eine große Summe“, animierte Carmen Nebel die Zuschauerinnen und Zuschauer anzurufen und zu spenden. Und das taten sie auch.

Mit einem Angebot an das Publikum eröffnete Moderatorin Carmen Nebel in diesem Jahr die ZDF- Spendengala "Die schönsten Weihnachts-hits": "Ich mache Ihnen heute Abend ein faires Angebot: Wir schenken Ihnen wunderschöne Musik und Sie helfen uns heute ein großes Jubiläums-Spendenergebnis zu erzielen“. © Sascha Baumann

Mit einem Angebot an das Publikum eröffnete Moderatorin Carmen Nebel in diesem Jahr die ZDF- Spendengala „Die schönsten Weihnachts-Hits“: „Ich mache Ihnen heute Abend ein faires Angebot: Wir schenken Ihnen wunderschöne Musik und Sie helfen uns heute ein großes Jubiläums-Spendenergebnis zu erzielen“. © Sascha Baumann

Libanon: Endlich wieder Schule

Zum Beispiel für das MISEREOR-Projekt in Libanon: Über 1,5 Millionen Menschen sind mittlerweile vor dem Bürgerkrieg in Syrien in den angrenzenden Libanon geflüchtet, rund eine halbe Million der Geflüchteten sind Kinder. Da sie die einheimische Sprache nicht sprechen und die Schulen im Libanon völlig überlastet sind, können die meisten von ihnen nicht zum Unterricht gehen, und das oft schon seit mehreren Jahren. Aber ein Schulprojekt verspricht Hoffnung für die traumatisierten Kinder: Bis heute konnten bereits mehr als 1000 Kinder wieder zur Schule gehen. „Ich finde, dieses Schulprojekt zeigt einmal mehr, dass Bildung der Schlüssel ist, um der Armutsspirale zu entkommen“, fasste Moderatorin Carmen Nebel den Einspieler zusammen und animierte die Zuschauerinnen und Zuschauer zum Telefonhörer zu greifen, um dieses Projekt mit einer Spende zu unterstützen.

Südafrika: Pausenbrote gegen den Hunger

Der Auftritt der drei Finalisten der diesjährigen Staffel von „The Voice Kids“, Anisa, Santiago und Flavio mit dem John-Lennon-Weihnachtsklassiker „Happy Xmas“ stimmte im Nachhinein auch nachdenklich.

Santiago, Flavio und Anisa, Finalisten von "The Voice Kids 2018", sangen den wunderbaren John Lennon-Klassiker "Happy XMas". © Sascha Baumann Santiago, Flavio und Anisa, Finalisten von "The Voice Kids 2018", sangen den wunderbaren John Lennon-Klassiker "Happy XMas". © Sascha Baumann

Santiago, Flavio und Anisa, Finalisten von „The Voice Kids 2018“, sangen den wunderbaren John Lennon-Klassiker „Happy XMas“.
© Sascha Baumann

Denn „so glücklich, wie die Voice Kids in Deutschland aufwachsen können, so gut haben es nicht alle Kinder in dieser Welt. Wenn ich an die Projekte der letzten Jahre hier in unserer Sendung denke, dann weiß ich, dann wissen wir alle, wie wichtig es ist, zu helfen“,  resümierte Carmen Nebel. Bereits vor einigen Jahren hatte sie schon einmal das Projekt „Goedgedacht“ in der Nähe von Kapstadt besucht und ist in diesem Jahr noch einmal zurückgekehrt.

Viele Kinder und Jugendliche leben dort mit ihren Eltern, die meist so wenig verdienen, dass es selten für saubere Kleidung und regelmäßige Mahlzeiten ausreicht. Der Frust über die Lebenssituation äußert sich in Gewalt und Drogenmissbrauch. Ein Teufelskreis, der von Generation zu Generation weitergegeben wird.

nterstützen sie bei einem erfolgreichen Schulabschluss und zeigen auf, was es heißt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

nterstützen sie bei einem erfolgreichen Schulabschluss und zeigen auf, was es heißt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Das Projekt namens „Goedgedacht“, was auf Africaans „gute Idee“ bedeutet, hilft diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Und das beginnt schon früh morgens, wenn in einem der neun Projektzentren frisch geschmierte Sandwiches für die hungrigen Mägen bereit stehen. Neben Sport, Spiel und Musik begleiten Sozialarbeiter die Kinder und Jugendlichen in ihrem Alltag, unterstützen sie bei einem erfolgreichen Schulabschluss und zeigen auf, was es heißt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Im Talk mit Carmen Nebel betonte MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel im Rückblick auf 60 Jahre MISEREOR, welche zwei Dinge MISEREOR in seiner Arbeit wichtig sind: „Die eigenen Möglichkeiten der Menschen erkennen und sie dabei zu unterstützen, und die Verbindung herzustellen zwischen unserer Lebenshaltung und der Lebenshaltung der Menschen auf der anderen Seite der Erde.“

MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel überreicht Carmen Nebel während des Sofatalks eine Flasche südafrikanisches Olivenöl aus dem MISEREOR-Projekt "Goedgedacht". © Sascha Baumann MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel überreicht Carmen Nebel während des Sofatalks eine Flasche südafrikanisches Olivenöl aus dem MISEREOR-Projekt "Goedgedacht". © Sascha Baumann

MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel überreicht Carmen Nebel während des Sofatalks eine Flasche südafrikanisches Olivenöl aus dem MISEREOR-Projekt „Goedgedacht“. © Sascha Baumann

Ein gerngesehener Gast in Carmen Nebels weihnachtlicher Spendengala musste in diesem Jahr leider krankheitsbedingt passen: Johannes Zurnieden, Geschäftsführer von Phoenix-Reisen. Als jahrelanger Großspender zeigte er sich aus der Ferne dennoch auch in diesem Jahr wieder sehr großzügig und stockte das Spendenergebnis um sage und schreibe 1,6  Millionen Euro auf. Wir danken der großen Phoenix Familie mit ihren vielen Mitarbeiten, die weltweit unterwegs sind, für diese großzügige Unterstützung.

@ Sascha Baumann

Am Ende der Live-Sendung verkündeten die Prominenten aus dem Telefon-Panel auf Weihnachtskugeln die vorläufige Spendensumme von mehr als 2.5 Millionen Euro.


Weitere Informationen

Informationen zur ZDF-Spendengala und den vorgestellen Projekte >

Die ZDF Spendengala „Die schönsten Weihnachts-Hits“ in der ZDF-Mediathek nachschauen >

Ohne Kohleausstieg läuft nichts

Am Montag hat in Kattowitz die 24. Weltklimakonferenz begonnen. Seit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens sind nun drei Jahre vergangen. Dies bildet seither den Rahmen für die internationale Klimapolitik. Aber ein Rahmen ist noch kein Bild: hier in Kattowitz werden nun die konkreten Inhalte ausgemalt, damit das Abkommen in den Ländern, die es ratifiziert haben, lebendig werden kann. 

Kathrin Schroeder ist MISEREOR-Referentin für Klimawandel und Energie. Foto: MISEREOR,

Das Pariser Abkommen wird lebendig, wenn die Weltgemeinschaft regelmäßig ihre Klimapolitik überprüft und verbessert. Schon vor der Pariser Klimakonferenz war klar, dass die eingereichten Klimaschutzpläne der Länder nicht ausreichen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seither mehrmals überprüft und festgestellt.

Im Oktober hat der Weltklimarat (IPCC) einen Sonderbericht zu der neu im Pariser Abkommen eingeführten Obergrenze von 1,5 Grad Celsius für die globale Erwärmung veröffentlicht. Er ist viele hundert Seiten lang, aber eine Botschaft wird klar: Wir können es auf jeden Fall schaffen, wenn wir jetzt viele Dinge in unseren Ländern verändern! Seit der Klimakonferenz im letzten Jahr hat dazu eine Reihe von Gesprächsrunden unter dem sogenannten „Talanoa Dialog“ stattgefunden.

Nächste Woche wird dieser Austausch zu Ende gehen. Ein Jahr lang haben sich Präsidenten, Minister, Menschen aus Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft, Unternehmen auf internationaler Ebene, aber auch in vielen Ländern und Regionen Vorschläge gemacht, wie eine bessere Klimapolitik aussehen kann. Nächste Woche erwarten wir eine Aufforderung an alle Staaten, ihre Klimaschutzpläne nachzubessern! Vor allem die Industrieländer, aber auch die Schwellenländer sollten diese bis spätestens 2020 mit deutlich höheren Reduktionszielen einreichen.

Paris wird lebendig, wenn alle Staaten ihre eigenen Klimaziele auf die Notwendigkeit ausrichten, die globale Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Und dafür braucht es konkrete Pläne und Maßnahmen, die in jedem Land dazu führen, dass Schritt für Schritt weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Alle fünf Jahre muss überprüft werden, ob es in der nötigen Zielstrebigkeit voran geht.

Aber das Pariser Abkommen wird auch nur dann lebendig, wenn reiche Länder armen Ländern das notwendige Geld für die Umsetzung guter Klimaschutzstrategien zur Verfügung stellen. Wir wissen von unseren Partnern, dass es viele Synergieeffekte zwischen Armutsbekämpfung und Klimaschutz gibt.

Damit Energiesysteme auch im Globalen Süden mittelfristig ohne Kohle, Öl und Gas auskommen und arme Bevölkerungsgruppen einen Zugang zu nachhaltiger, zuverlässiger Energieversorgung bekommen, müssen viele Milliarden von Fossil zu Erneuerbar umgeleitet werden. Dass Deutschland schon direkt zu Beginn der Konferenz zugesagt hat, seinen Beitrag, also 1,5 Milliarden, zum Green Climate Fond, einem wichtigen Förderinstrument für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern, zu verdoppeln, war ein wichtiges Zeichen und dient hoffentlich vielen anderen Ländern, die dazu in der Lage sind, als Beispiel.

Kohleausstieg ist ein zentraler Hebel

Ohne Kohleausstieg ist alles nichts. Das ist natürlich auch in Deutschland eine unserer zentralen Hausaufgaben. Peinlich genug, dass die Bundesregierung in Sachen Klimaschutz mit leeren Händen nach Kattowitz fahren muss. Die Kohlekommission ist nicht rechtzeitig fertig geworden und daher kann Bundesumweltministerin Schulze keinen konkreten Beitrag Deutschlands zur Klimakonferenz mitbringen.

Die Klimaziele bis 2020 werden wahrscheinlich deutlich verfehlt werden. Helfen könnte noch ein Klimaschutz-Sofortprogramm, das direkt nach der Klimakonferenz, wenn die Kohlekommission ihre Arbeit beendet hat, ins Werk gesetzt werden muss. Wenn der Kohleausstieg mutig angegangen wird und die älteste und klimaschädlichste Hälfte der Kraftwerke zügig vom Netz genommen wird, könnte die Lücke zu den geplanten 40 Prozent Emissionsminderungen gegenüber 1990 noch geschlossen werden. Das gilt übrigens für Braun- und Steinkohlekraftwerke! Sollte das gelingen, könnte Deutschland auch seine Blockade gegen ein höheres Klimaziel der EU aufgeben, was hier in Kattowitz dringend erwartet wird.

Die Delegation der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) mit Kathrin Schroeder in Kattowitz. Foto: KLJB

Aufgrund der vielen Teilnehmer wird es eng auf den Gängen

Einige dachten vielleicht, nach dem glamourösen Abschluss des Pariser Abkommens gäbe es nur noch dröge Klimakonferenzen über technische Details. Aber dass es hier ans Eingemachte geht, beweisen nicht nur die ständig zeitlich verlängerten Sitzungen der Verhandlungsdelegationen, sondern auch die Menge an Teilnehmenden, die sich auf den Gängen des Konferenzzentrums versammelt. Polen hat wohl nicht mit so viel Interesse gerechnet, deswegen wird es dauernd eng bei der Suche nach Besprechungsräumen, Computerarbeitsplätzen, Steckdosen oder Wasserspendern.

Andererseits ist es aber auch leichter, wichtige Ansprechpersonen oder Bekannte zu treffen. Direkt am ersten Tag ist mir die Delegation der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands über den Weg gelaufen. Seit einigen Jahren schon engagieren sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der KLJB im Rahmen des „Jugendbündnis Zukunftsenergie“, aber seit diesem Jahr haben sie einen eigenen Beobachterstatus und begleiten die Verhandlungen, die ja stark über ihre eigene Zukunft entscheiden werden.

Wir wissen schon länger, dass die Welt sich mitten in epochalen Veränderungen der Umwelt befindet. Die Klimakrise ist sichtbar und spürbar und angesichts der heutigen und zukünftigen Betroffenen ist es dringend geboten, das Pariser Klimaabkommen durch ein ambitioniertes Regelbuch und dessen Umsetzung vom Hoffnungsträger zum Lebensretter zu machen!

Vom 3. bis 14. Dezember 2018 findet im polnischen Kattowitz die 24. Weltklimakonferenz statt ( COP24 ). Misereor nimmt als Beobachter teil und setzt sich gemeinsam mit Partnern aus aller Welt dafür ein, dass Klimapolitik den Ärmsten der Armen dient, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, aber am wenigsten dazu beigetragen haben. Mehr Infos im Dossier zum Weltklimagipfel 2018.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst am 05.12.2018 im Blog des Internetportal Weltkirche.


Mehr zum Thema Klimawandel

Zum Online-Dossier „Was der Klimawandel mit Gerechtigkeit zu tun hat“

Zur Kampagne „Kohlestopp global!“

Liveticker zur Weltklimakonferenz COP24

Gebt dem Kuh-Horn eine Chance!

Warum Kühe mit Hörnern in Afrika normal sind und ein Schweizer Bauer über Kuhhörner eine Volksabstimmung abhält

© Schwarzbach | MISEREOR

Stolz zeigt diese Bäuerin in Kampala, Uganda, ihre Kühe . Die Hörner gehören für sie dazu. Je größer und schmucker das Horn, desto besser. In Deutschland ist das Tragen der Hörner meist keine Normalität mehr – über 90 % der Kühe in Deutschland sind „oben ohne“.

Ein Landwirt aus der Schweiz, wo es einen ähnlichen Trend gibt wie in Deutschland, wollte dies vergangenen Sonntag per Volksentscheid ändern und eine Prämie dafür erhalten, dass seine Kühe behornt bleiben. Read more