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Die Realität hinter dem Fußballboom: WM in Mexiko

Wenn Fußballweltmeisterschaften stattfinden, dominieren Bilder von Euphorie, Gemeinschaft und sportlicher Leidenschaft. In etwas mehr als einem Monat beginnt die WM 2026 in Nordamerika. Für Misereor und seine Partnerorganisationen in Mexiko macht dieses Großereignis jedoch auch eine andere Realität sichtbar: den Alltag von Menschen, der von Gewalt, dem Verschwinden von Angehörigen und der Macht organisierter krimineller Netzwerke geprägt ist.

Trionda, der offizielle Spielball der FIFA-Weltmeisterschaft 2026, in Mexiko-Stadt. © Picture Alliance/NurPhoto/Solrac Santiago
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Fossile Abhängigkeit als Hungerfaktor: Öl, Kunstdünger und steigende Lebensmittelpreise

Schon wieder dieses Szenario: Ein neuer Konflikt am Persischen Golf – aktuell mit Blick auf Iran –, steigende Öl- und Gaspreise, teurer Kunstdünger, höhere Lebensmittelkosten. Ein bekanntes Muster, das sich scheinbar alle paar Jahre wiederholt – das fossile Murmeltier grüßt. Doch das ist kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis eines Ernährungssystems, das tief in fossiler Energie verankert ist. Warum steigende Öl- und Gaspreise den Hunger befeuern, warum jede neue „Lebensmittelkrise“ im Kern auch eine fossile Energiekrise ist und wie wir aus dieser Logik herauskommen können, das zeichne ich im folgenden Beitrag nach.

Ein Kleinbauer bringt in einem Reisfeld mineralischen Stickstoffdünger aus, der überwiegend aus Erdgas hergestellt wird. (Foto: Gowtham AGM / Unsplash)
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„Wir sind das Meer“ – Warum Tiefseebergbau im Pazifik auf Widerstand stößt

International wird Tiefseebergbau zunehmend als Zukunftstechnologie diskutiert. Er gilt vielen als Antwort auf ein zunehmend rohstoffhungriges Wirtschaftssystem. Für sehr viele Gemeinschaften im Pazifik ist er jedoch eng mit kolonialen Erfahrungen, Risiken für Mensch und Umwelt sowie der Verletzung grundlegender Rechte verbunden. Der folgende Beitrag beleuchtet diese Perspektiven insbesondere im Hinblick auf kollektive Rechte, Selbstbestimmung und Umweltschutz. Ein Vorwort von Dr. Klaus Schilder, der die Dialog- und Verbindungsstelle von Misereor in Ozeanien in Suva (Fidschi) leitet, ordnet die Debatte aus regionaler Erfahrung ein.

Protect Our Ocean, Think Deeply – unter diesem Kampagnenslogan mahnt die Te Ipukarea Society (TIS) zur Vorsicht gegenüber dem kommerziellen Tiefseebergbau (Foto: Te Ipukarea Society)
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Schuldenreport 2026: Stimmen aus dem Globalen Süden

Der Schuldenreport 2026 zeigt: Viele Länder des Globalen Südens sind hoch verschuldet. Doch Schulden sind kein abstraktes Finanzthema – hinter den Zahlen stehen konkrete Lebensrealitäten. Wenn Staaten einen großen Teil ihrer Einnahmen für den Schuldendienst aufwenden müssen, sind Millionen Menschen betroffen – besonders die Ärmsten im Globalen Süden. Die Misereor-Partner*innen Michel Constantin von CNEWA Mission im Libanon, Claudia Handal von der Partnerorganisation FUNDASAL in El Salvador sowie Pamela Avusi von PNGEA in Papua-Neuguinea berichten, was es für die Menschen bedeutet, wenn Staaten finanziell kaum noch handlungsfähig sind.

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Kaffee‑Monokultur? Nein, danke.

Wie Agroforst in Süd‑Sumatra neue Perspektiven schafft

Intensiver Kaffeeanbau auf ausgelaugten Böden, sinkende Erträge und die schleichende Zerstörung eines Nationalparks: In Süd‑Sumatra schien dieser Weg lange wie vorgezeichnet. Doch ein Projekt der Hans R. Neumann Stiftung zeigt, dass es auch anders geht. Ein Besuch bei Bäuerinnen und Bauern, die mit Agroforst neue Perspektiven für Einkommen und Natur schaffen.

Die Ergebnisse nach knapp zwei Jahren Agroforst sind beeindruckend: Die Bauern ernten deutlich mehr Kaffee von besserer Qualität und verfügen über mehr Produkte für den Verkauf. (Foto: Wolter / Misereor)
Die Ergebnisse nach knapp zwei Jahren Agroforst sind beeindruckend: Die Bauern ernten deutlich mehr Kaffee von besserer Qualität und verfügen über mehr Produkte für den Verkauf. (Foto: Wolter / Misereor)

Auf meiner Dienstreise in Indonesien war ich auch in Süd‑Sumatra, im Westen des Landes. Die Region ist nicht nur bekannt für ihren Kaffeeanbau, sondern zugleich für den Bukit Barisan Selatan. Ein riesiger Nationalpark, eine Art Hotspot der Artenvielfalt, in dem noch Tiger, Elefanten und Nashörner leben. Die Landschaft ist genau so, wie man sich die feuchten Tropen vorstellt: hügelig, dicht bewachsen, intensiv grün – atemberaubend schön.

Wenn intensive Landwirtschaft an ihre Grenzen stößt

Vor rund 30 Jahren begannen Bäuerinnen und Bauern hier mit dem Kaffeeanbau. Der Kaffee wurde zunächst intensiv bewirtschaftet – mit hohem Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger. Das ging auch einige Jahre gut, das System funktionierte, doch nach und nach wurden die Böden unfruchtbar. Selbst hohe Düngergaben reichten nicht mehr aus, um stabile Erträge zu erzielen. Die Ernten gingen weiter zurück. Aus Mangel an Alternativen taten viele Bauern das für sie Naheliegendste: Sie gingen in den angrenzenden Nationalpark, rodeten ihn und bauten dort weiter Kaffee an, um die immer schwächeren Erträge auszugleichen – mit gravierenden Folgen für Mensch und Natur. Genau hier setzt das Projektteam um Patrick Diaz von der Hanns R. Neumann Stiftung an. Deren zentrale Frage lautet: Wie kann man Bauern überzeugen, auf ihrem Land anders zu wirtschaften? Ein entscheidender Faktor ist der hohe Veränderungsdruck, der vor allem auf sinkende Erträge und steigende Kosten zurückzuführen ist. Und eine Umstellung zum Gebot der Stunde macht.

Landwirtschaft als Business denken

Der Ansatz der Stiftung beginnt beim Einkommen der Landwirte. Die Bauern arbeiten hart auf ihren Feldern, doch ihre Betriebe sind kaum profitabel. Das Projektteam ermutigt sie, ihre Landwirtschaft als wirtschaftliches Unternehmen zu begreifen – als Business, in das es sich zu investieren lohnt. Finanzielle Grundbildung ist wesentlicher Bestandteil ihres Ansatzes. Ein wichtiger Baustein, gerade weil etwa 90 Prozent der Bauern über geringe oder gar keine Lese- und Schreibkompetenzen verfügen. Ihnen wird einfache Finanzkompetenz vermittelt: Wie hoch sind meine Ausgaben? Wie viel nehme ich ein? Wie viel ernte ich? Viele wussten das zuvor nicht genau, hatten aber am Ende des Tages immer höhere Ausgaben und immer weniger Verdienst.

Von der Monokultur zum Agroforst-System: Ziel ist es, die Ausgaben zu senken, Kaffeeerträge zu steigern und zusätzliche Kulturen für den Verkauf oder den Eigenbedarf anzubauen. (Foto: Wolter / Misereor)
Von der Monokultur zum Agroforst-System: Ziel ist es, die Ausgaben zu senken, Kaffeeerträge zu steigern und zusätzliche Kulturen für den Verkauf oder den Eigenbedarf anzubauen. (Foto: Wolter / Misereor)

Der Weg zum Agroforst-System

Die Alternative, die den Bauern aufgezeigt wird, ist der Weg von der Monokultur zu einem diversifizierten Agroforst-System. Ziel ist es, die Ausgaben zu senken, die Kaffeeerträge zu steigern und zusätzliche Kulturen für den Verkauf oder den Eigenbedarf anzubauen. Der Einstieg erfolgt behutsam: Zunächst testen die Bäuerinnen und Bauern das neue System auf einem Viertel ihrer Fläche aus. Schritt für Schritt wird es dann ausgeweitet. Unterstützung erhalten sie von speziell geschulten Key Farmers – „Demobauern“, bei denen man sich abschauen kann, wie das System in der Praxis funktioniert.

Vier Schichten für mehr Vielfalt und Ertrag

Die Agroforstwirtschaft hat klare Vorzüge und ermöglicht den Bäuerinnen und Bauern, sich mit einer ausreichenden Ernte auf ihrem Stück Land gut versorgen zu können. In der praktischen Umsetzung ist das Agroforst-System klar strukturiert und besteht aus vier Höhenstufen oder Schichten:

  • bis zu einem Meter: Chili, Ingwer oder Kurkuma
  • ein bis drei Meter: Kaffee im Zentrum, ergänzt durch Kakao und Pfeffer
  • vier bis zehn Meter: Bananen, Avocado oder Betelnuss und schließlich die
  • oberste Schicht: Durian, Kokosnuss oder Zuckerpalme.

Insgesamt können die Bauern aus bis zu 40 Baumarten wählen. In den ersten vier Jahren, solange die Kaffeesträucher noch klein sind, wird zusätzlich Gemüse angebaut, etwa Bohnen, Gurken, Karotten oder Kürbis. Der Erfolg nach knapp zwei Jahren ist beeindruckend. Die Bauern haben die Angebote gut angenommen und umgesetzt, ernten deutlich mehr Kaffee, mit besserer Qualität und haben deutlich mehr zum Verkaufen oder für ihre Familien.

In der Umsetzung ist das Agroforst-System klar strukturiert und besteht aus vier Höhenstufen oder Schichten. (Foto: Wolter / Misereor)
In der Umsetzung ist das Agroforst-System klar strukturiert und besteht aus vier Höhenstufen oder Schichten. (Foto: Wolter / Misereor)

Spürbare Erfolge nach kurzer Zeit

Die Ergebnisse nach knapp zwei Jahren sind beeindruckend: Die Bauern haben das Angebot gut angenommen, sie ernten deutlich mehr Kaffee von besserer Qualität und verfügen über mehr Produkte für den Verkauf oder den Verbrauch durch die eigene Familie. Damit sind sie nicht mehr versucht, in den Nationalpark zu gehen, um weitere Flächen zu roden, sondern können sich bei ausreichender Ernte auf ihrem Stück Land gut versorgen und haben ausreichend – und sogar deutlich höheres – Einkommen als noch zu Zeiten der Monokultur.

Ein überzeugendes Modell der Entwicklungszusammenarbeit

Mich hat dieser Ansatz sehr beeindruckt, sowohl von der Herangehensweise wie man den Bäuerinnen und Bauern fachlich begegnet als auch in der konkreten Zusammenarbeit mit ihnen. Das Agroforstsystem ist einfach gehalten, klar strukturiert und gut umsetzbar. Niemand wird gezwungen, sogleich und vollständig auf Pestizide oder Kunstdünger zu verzichten. Doch die Demo-Betriebe machen vor, wie deren Einsatz reduziert werden kann.

Inspiriert und begeistert reise ich von Süd-Sumatra zu meiner nächsten Station auf Java und habe gesehen – so kann sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit aussehen. Mehr davon!

Krieg in Nahost: Reißt die Hisbollah den Libanon in den Abgrund?

Die Lage im Libanon spitzt sich durch die Angriffe der Hisbollah und Gegenschläge der israelischen Armee immer weiter zu. Längst hat sich hier eine eigene, gefährliche Dynamik entwickelt, die das gesamte Land zu destabilisieren droht. Wie sich diese schleichende Eskalation konkret anfühlt, erlebt man derzeit in den Straßen von Beirut.

In Beirut gestrandete Familien aus dem Südlibanon (Foto: Frank Wiegandt)
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