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Tränen lügen nicht!

Acht Tage unterwegs in den Armenvierteln Kolkatas – acht Tage voller Leid und Hoffnung, acht Tage voller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:

 

In der Vorbereitung auf diese Reise habe ich über diese Metropole Indiens viele Fotos gesehen, informative Projektberichte über die erfolgreiche Arbeit der MISEREOR-Partnerorganisation „Tiljala Shed“ studiert, in dem gerade erst erschienenen Buch „people without history – india’s muslim ghettos“ gelesen (sehr empfehlenswert!!!) und dachte, ich hätte mir hieraus ein annähernd realistisches Bild machen können. Weit gefehlt.

Mädchen in den Slums von Topsia“, © Nottebaum/MISEREOR

Mädchen in den Slums von Topsia“, © Nottebaum/MISEREOR

Niemals hätte ich gedacht, dass meine Vorbereitung eben nur eine kleine Ahnung von dem sein konnte, was mich hier erwarten würde:
Gerade auch für die muslimische Minderheit findet hier das ÜberLeben Tag und Nacht auf offener Straße, in 6m² einfachster und ungeschützter Hütte oder aber in gefährlichster Umgebung statt.

Gefährlich heißt dann konkret im Topsia-Viertel, dass ein enormer Drogenkonsum das Leben vieler Väter oder junger Männer betäubt, dass das Gemüse für den Verkauf oder den eigenen Gebrauch an giftigen Gewässern angebaut und geerntet werden muss, dass für die Atemwege gefährlichste Gase die monotone Produktion tausender Sandalen oder Schuhe begleitet.
Gefährlich oder vielmehr Unrecht heißt auch, dass nicht überall der Zugang zu sauberem Trinkwasser gegeben ist, dass Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Durchfall oder fieberhafte Infektionen ohne die notwendigen Medikamente über Leben und Tod entscheiden können, dass Kinder nicht Kinder und Jugendliche nicht  Jugendliche sein dürfen.

Gott sei Dank habe ich aber auch unendlich viele positive, für mich persönlich Mut-machende Beispiele entdecken  dürfen: Mut macht mit der Tanzunterricht, bei dem die Kinder für ein paar Minuten ihre Sorgen vergessen und von einem besseren Leben träumen dürfen; Mut macht das Gesundheits-Camp, das kostenfreie Untersuchungen und Medikamente anbietet; Mut machen mir die Streetworker der Partnerorganisation, die mit den Bewohnern gemeinsam und auf Augenhöhe Lösungen suchen und umsetzen; Mut vermittelt die Kinder- und Familien-Sparkasse, bei der die betreuten Familien ihr Erspartes für Notfälle oder Notwendigkeiten sicher anlegen können; Mut machen mir die Frauen, die in einem  türkisfarbenen Raum Gewürze mahlen und verpacken, um sie anschließend an die Haushalte oder kleinen Läden der Umgebung zu verkaufen; Mut macht mir die kleine Schneiderwerkstatt, die Frauen und Männer in die berufliche Selbstständigkeit führt; Mut macht mir an so vielen Orten der Schulunterricht, den die Mädchen und Jungen in ihren weiß-blauen Schuluniformen so sehr genießen.

Das ist nur eine kleine, doch starke  Auswahl aus der vielfältigen, für mich absolut überzeugenden Arbeit des MISEREOR-Projektpartners. Das gesamte „Tiljala-Shed“-Team verbindet der unbedingte Wille, gemeinsam mit den Menschen hier an einem Leben in Würde mitzubauen.
„Tomorrow is too late – morgen, ja sogar heute ist zu spät!“, meint der Projektleiter Md. Alamgir und bedankt sich für die große Unterstützung, die seine Nichtregierungsorganisation durch die finanzielle und beratende Unterstützung durch MISEREOR seit Jahren erfährt. Er selbst ist vor mehr als 50 Jahren in Tiljala-Road aufgewachsen, einem Viertel, das zu 90 % von Muslimen bewohnt und wo die Armut, als auch die Stigmatisierung der Bevölkerung besonders eindrücklich ist. Mr. Md. Alamgir weiß, wovon er spricht.

Wenn wir morgen nach Deutschland zurückfahren, sind unsere Koffer (und Herzen!) gefüllt mit Bildern und Geschichten von Menschen, denen wir in der Fastenzeit 2012 gemeinsam nachspüren und für die wir uns – verbunden in der welt- und religionsübergreifenden Vision von einer gerechteren Welt – motiviert einbringen dürfen.

Darauf freue ich mich heute schon!!!

Autor:

Jörg Nottebaum

Jörg Nottebaum arbeitet bei MISEREOR in der Abteilung Bildung und Pastoralarbeit.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. nice to know you have observed poverty with so much possibilities Hope things change for better

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