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Kalte Füße, warmes Herz– Sawasdee! Willkommen im Land des Lächelns

Thailand begrüßt uns Freiwillige mit einer rauschenden Metropole, exotischen Früchten und goldenen Pagoden – und mit allerhand Dingen, die man mit dem südostasiatischen Land erst einmal nicht verbinden würde: Flüchtlinge, kalte Füße und Barbecue. Ein erster Blick hinter die Kulissen einer fremden Kultur.

Bangkok – das pulsierende Herz Thailands

Bangkok

Chaos auf den Straßen Bangkoks

Es ist laut, heiß und stickig. Überall um uns herum stapeln sich Waren aller Art, es riecht nach Blumen, Obst, Fisch und Abgasen. Wir befinden uns in Pahurat, dem „kleinen Indien“ mitten in Bangkok. Durch die engen Gassen des riesigen Marktes schieben sich Menschen verschiedenster Herkunft, Händler preisen ihre Waren an, Frauen kochen in kleinen Suppenküchen fremdartige Gerichte. Dazwischen streuende Hunde und hupende Mopeds. Es gibt kaum ein Durchkommen und dennoch bewegen wir uns langsam voran bis wir eine große Straße erreichen. Auch hier Chaos: Überall rasende Autos, Lastwagen, pinke Taxis und „Tuktuks“ – die dreirädrigen motorisierten Gefährte, die überall in Südostasien herumflitzen und wohl das spaßigste Fortbewegungsmittel in der Metropole sind. Bangkok ist Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum des Königreiches Thailand und beherbergt rund acht Millionen Menschen. Hier verbringen meine Freiwilligen-Kolleginnen und ich die erste Woche unseres Aufenthaltes in Thailand. Die Stadt überrollt unsere Sinne mit der vollen Ladung Eindrücke, die man in einer neuen Kultur erfahren kann. So lassen wir uns entführen in die vielfältige Stadtlandschaft, die aus einer eigenartigen Mischung aus Alt und Neu besteht. Riesige Einkaufszentren überschatten die traditionellen Holzhäuser, Fast-Food-Restaurants findet man neben Garküchen, Klöster und Tempel liegen an mehrspurigen Schnellstraßen. Die Betonwüste wird durch die wuselnden Menschen lebendig und durch die in Gold leuchtenden Pagoden wunderschön. Bald schon aber lassen wir die Metropole hinter uns und reisen an drei verschiedene neue Orte, um unseren Freiwilligendienst aufzunehmen.

Schon ein bisschen ist zu viel

Für mich geht es rund 500 Kilometer in nördliche Richtung an die Grenze zu Myanmar/Birma. Hier liegt die kleine Stadt Mae Sot, mein neues zu Hause für die nächsten 10 Monate. Aus der kleinen Propellermaschine heraus sehe ich die umliegende Landschaft: Grüne Reisfelder, Bananenhaine, Zuckerrohr und Mais gedeihen auf den Hügeln. Im Hintergrund erkenne ich die Berge, die von Wolken verschleiert sind. Es freudiges Gefühl kommt auf: Hier werde ich leben, neue Eindrücke sammeln und versuchen, stets mit offenen Augen in die neue Kultur einzutauchen und zu erfahren, was die Menschen bewegt. In die Kultur eintauchen, das kann man in Thailand am besten mit dem Essen. Hungrig wird man hier nie, überall gibt es kleine Restaurants und Märkte, die Straßenränder sind gespickt mit Ständen, an denen alle möglichen Gerichte verkauft werden und der Tag wird immer begleitet von Fragen zu den Mahlzeiten. Was gab es zum Frühstück? Wie war dein Abendessen? Will man die thailändische Küche kennenlernen, so muss man sich auf viele kulinarische Experimente einlassen. Der beste Grundsatz dafür heißt „Probiere einfach alles!“.So erfahre ich in den ersten Wochen immer wieder gewaltige Geschmacksexplosionen.

Früchte auf dem Markt in Mae Sot

Unter anderem natürlich wegen der Schärfe, für die die thailändische Küche bekannt ist. Ich lerne Som Tam, Papayasalat zuzubereiten – und obwohl ich nur ein klein bisschen Chili hineingebe, spüre ich nach drei Gabeln meinen Mund nicht mehr. Dennoch esse ich tapfer meine Schüssel leer. An einem anderen Abend werde ich von den thailändischen Qualitäten des Barbecues überrascht. Die große Auswahl an Fleischsorten vom Hühnchengelenk bis zum Schweineohr stellt so manche deutsche Bratwurst in den Schatten. Begeistern tut auch die riesige Auswahl an exotischen Früchten, die sich an den bunten Marktständen präsentieren. Mangosteen, Lamyai, Rambutan – alleine die Namen klingen schon so interessant, dass man unbedingt probieren möchte. Auch Eisbecher sind in Thailand ganz besonders vielfältig und haben mich ganz schön staunen lassen: Auf Fruchteis kommen eine Art fester Wackelpudding, Maiskörner, Brotstücke, Reis sowie Erdnüsse. Die Mischung macht’s eben und man darf wirklich jeden Tag gespannt sein, welche kulinarischen Erfahrungen man als nächstes machen wird…

Viele kleine Träume

Zum Einleben in meinen neuen Alltag in Thailand gehört natürlich auch meine Arbeit als Freiwillige. Dabei unterstütze ich meine Kollegen und Kolleginnen der Organisation COERR in verschiedenen Projekten in den Flüchtlingscamps entlang der Grenze zu Myanmar/Birma. In der Region Mae Sot gibt es drei Camps: Mae La, Umpiem und Nupo. Eines Morgens brechen meine

Verregneter Platz im Umpiem Camp

COERR-Kollegen und Kolleginnen und ich schon früh auf, um die fast zweistündige Fahrt ins Umpiem Camp zurückzulegen. Schon nach einiger Zeit beginnt sich die Straße in engen Kurven durch die Berglandschaft zu schlängeln, es wird nebelig und fängt an zu regnen. Häuser werden weniger, die Straße enger und der Wald dichter. Schließlich erreichen wir das Flüchtlingslager und melden uns am Kontrollpunkt des thailändischen Militärs an. An die Hänge des kleinen Talkessels klammern sich hunderte Hütten aus Bambusholz und Blätterdächern. In den Camps leben vor allem Karen, eine ethnische Minderheit, die seit Jahrzehnten aufgrund politischer Verfolgung aus ihrer Heimat Myanmar/Birma flieht. Über unbefestigte Wege, die vom Regen schlammig sind, erreichen wir das Camp-Büro von COERR. Hier treffen wir heute Jugendgruppen, die ihre eigenen kleinen Projekte durchführen möchten. Fische züchten, in einem kleinen Orchester musizieren, Mützen stricken, Nachhilfe geben – im Laufe des Tages lerne ich viele kleine Träume kennen. Die Feuchtigkeit kriecht immer weiter in meine Kleider und mit eiskalten Füßen sitze ich den jungen

Wovon träumen diese beiden wohl? Jungs in Mae La Camp

Flüchtlingen gegenüber und denke darüber nach, wie viel Lebensmut sie aufbringen, obwohl sie wie Gefangene im Camp leben. Wie viel ist doch Freiheit wert, denke ich mir dieser Tage immer wieder, wenn ich Flüchtlingen begegne oder über ihre Schicksale höre und lese. So merke ich schon nach einigen Wochen in Thailand, wie viel ich lernen kann, wie viele Privilegien mir bewusst werden und welcher Wert doch eigentlich dahinter verborgen ist. Am späten Nachmittag verlassen wir das Camp und machen uns auf dem Weg zurück durch die nebelverhangene Berglandschaft – mit kalten Füßen, aber einem warmen Herz.

Autor:

Annapia Debarry studiert Geographie an der Universität Bonn. Im Rahmen ihrer Masterarbeit forscht sie derzeit in Kooperation mit der NGO METTA Development Foundation zum Thema Ernährungssicherung, Landzugang und kommerzielle Landwirtschaft im südlichen Shan Staat in Myanmar.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Annapia, zum zweiten mal lese ich Deinen spannenden Bericht. Es hört sich schön an, das alles erleben zu können, aber man kann auch erspüren, dass es viele Dinge gibt, die man nur mit viel Optimismus überstehen kann. Du bist so ein Optimist und wirst Dich hoffentlich auch in schwierigen Situationen zu erklären wissen.
    Hoffentlich bekommst Du auch Aufgaben, bei denen Du nicht unterfordert bist.
    Deine Marianna

  2. Liebe Annapia,
    Dank für den guten ersten Einblick in Dein neues Leben. Nach unserem Gespräch hier in Aachen: Welchen guten Tipp würdest Du den Thailand-Reisenden nun mit auf den Weg geben? Ich bin gespannt.
    Viele liebe Grüße und Grüße auch an Martina,
    Corinna

  3. Liebe Annapia,

    danke für diesen schönen Eintrag. Du hast alles ganz toll beschrieben. Ich konnte es mir hier im herbstlichen Aachen alles richtig gut vorstellen, den Markt, die Stadt, aber auch das Camp. Mach weiterhin so vielfältige Erfahrungen, saug alles auf, lass es an dich ran, aber gib auch auf dich Acht!

    Liebe Grüße, Uta

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