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Auf einmal ist die Straße weg…

Es ist 8 Uhr morgens, ich warte auf meine Kollegen, um mit ihnen in unserem Allradpickup in das 1 1/2 Stunden entfernte Flüchtlingslager zu fahren. Doch um mich herum ist ein für Thais untypisches, hektisches Treiben. „We cannot go to Camp, the street collapsed.“

Die Zufahrtsstraße in der Regenzeit

Die Zufahrtsstraße in der Regenzeit

Die Zufahrtsstraßen zu den Flüchtlingslagern sind aus deutscher Sichtweise eine Katastrophe. Solche ‚Straßen‘ habe ich in Deutschland nie gesehen. Zur Regenzeit verwandelt sich die unbefestigte Dreck- und Geröllstraße in eine absolute Matschpiste. Ohne Allrad gibt es hier kein Durchkommen.

Das Dilemma: Was wir Flüchtlingscamps nennen sind offiziell „Temporary Shelter Areas“, obwohl sie schon fast 20 Jahre existieren. Aus diesem Grunde dürfen die Häuser in den Camps nur aus Holz anstatt aus Stein gebaut werden und die Zufahrtsstraße ist nicht befestigt, dies würde dem „temporary“ widersprechen. Wir müssen  nun also Farbeimer, Sandsäcke und alles, was wir für unsere Aktion heute brauchen, abladen und zu Fuß weiter. 

Jedoch sind die schlechten Straßen nicht nur ein Problem für die NGO Mitarbeiter, sondern natürlich auch für die Bewohner selber. In den letzten zwei Monaten sind keine Nahrungsmittellieferungen ins Camp gekommen, um die Straße nicht weiter in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Vorräte sind aber nun aufgebraucht und die Zeit drängt. Am Montag muss eine neue Straße her, ansonsten können keine Lebensmittelrationen an die Flüchtlinge ausgegeben werden. Man stelle sich auch vor ein Feuer bricht aus oder schwer Kranke müssten nachts in das örtliche Krankenhaus gebracht werden. Nein, eigentlich möchte man sich das gar nicht vorstellen.

Die Straße wurde komplett weggerissen

Die Straße wurde komplett weggerissen

Was „the street collapsed“ wirklich bedeutet, sehe ich ein paar Tage später. Andauernde Regenfälle haben den kleinen Bach zu einem reißenden Fluss anschwellen lassen, der sich seinen eigenen Weg durch den Wald gesucht hat. Bäume liegen entwurzelt am Wegesrand, die Straße hat es förmlich weggerissen.  In den vergangenen Tagen haben Camp und NGO-Mitarbeiter eine Bambusbrücke gebaut, um so wenigstens zu Fuß das Camp zu erreichen. Wir können froh sein, dass die Straße hinter der Brücke noch befahrbar ist, sodass alle Materialien nur auf ein anderes Auto verladen und nicht komplett getragen werden müssen.

Ich stelle mir wieder vor was in Deutschland los wäre, wenn so etwas passieren würde. Wer ist Schuld? Die Baufirma, der Architekt oder die Gemeinde? Welche Versicherung wird das übernehmen?

Die Campbewohner nehmen es einigermaßen gelassen: Es ist halt Regenzeit, da kann man nichts machen. Es wird sich schon eine Lösung finden. Die Kinder freuen sich sogar, denn pünktlich zu den Schulferien gibt es einen neuen Swimmingpool mit Bambussprungturm. Eine willkommene Abwechslung.

Flüchtlingskinder genießen ihren neuen 'Swimmingpool'

Flüchtlingskinder genießen ihren neuen ‚Swimmingpool‘

Autor:

Ich bin Katharina Koller und habe 2012/13, im Rahmen des MISEREOR-Freiwilligendienstes, für COERR (Catholic Office for Emergency Relief and Refugees) in Bangkok und an der thailändisch-burmesischen Grenze mit Flüchtlingen zusammengearbeitet.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Katha,

    wenn ich deinen Artikel so lese, dann wird mir wieder bewusst, wie gut wir es hier doch wirklich haben. Und uns oft über nichtige Kleinigkeiten aufregen. Aber allem auch mal etwas Positives abzugewinnen, wie z. B. ein neuer Swimmingpool, diese Fähigkeit ist uns leider abhanden gekommen …

    Liebe Grüße aus Aachen, Uta

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