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Solibrot und Gebäck global

Direkt nach dem Gottesdienst am Aschermittwoch ging es für Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Fastenaktionsgast Bischof Juan Bautista Gavilan aus Paraguay in eine Filiale der Aachener Traditions-Bäckerei Moss. Gemeinsam mit Inhaberin Silvia Moss gaben sie den (Foto)-Startschuss für die diesjährige Solibrot-Aktion.

Silvia Moss überreicht Misereor-Chef Spiegel und Fastenaktionsgast Bischof Gavilán die ersten Aacherner Solibrote.

In den kommenden Wochen wird Silvia Moss gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  die Kunden auf die Aktion aufmerksam machen. Dass dadurch das Bewusstsein für das Thema Hunger in der Welt geschaffen wird, davon ist sie überzeugt. In über 40 Filialen in und um Aachen wird Moss bis Ostern das Solibrot verkaufen. 50 Cent pro verkauftem Brot gehen in MISEREOR-Projekte gegen den Hunger.

Seit 2007 gibt es die bundesweite Solibrot-Aktion, die in vielen anderen Diözesen Deutschlands  vom Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. (KDFB) unterstützt wird.

Bischof Juan Bautista Gavilan aus Paraguay  ist beeindruckt vom Engagement der Bäckerei. „Ich schätze es sehr,  dass die Bäckerei Moss  in der heutigen Zeit des Überflusses nicht auf Quantität, sondern auf Qualität setzt,  wozu  auch die Verwendung von Getreide aus der Region für die Herstellung der  zahlreichen Backwaren gehört.“

Romantik war gestern

In der Großbäckerei wird deutlich, dass in der hochmodernen Produktionshalle auch heute noch viel Handarbeit stattfindet.

In der Großbäckerei wird deutlich, dass in der hochmodernen Produktionshalle auch heute noch viel Handarbeit stattfindet.

Zwei Tage später heißt es früh aufstehen. Mit den internationalen Gästen der diesjährigen Fastenaktion besuchen wir die „Backstube“ der Aachener Bäckerei.

 

Unser romantisches Bild vom Brotbacken finden wir jedoch nur auf dem historischen Foto der ersten Backstube von 1925 wieder (die Romantik war übrigens vor allem Knochenarbeit). In der 2011 gebauten Großbäckerei wird erst auf den zweiten Blick deutlich,  dass in der hochmodernen Produktionshalle viel Handarbeit stattfindet: vom frisch angesetzten Sauerteig, über das Formen der Kastenbrote bis zum Glasieren von Gebäck.

„Damit unterscheiden wir uns von industriellen Discountbäckern“, erklärt uns Geschäftsführer Hans-Bernd Schwienhorst die Philosophie des Unternehmens.  „Wir arbeiten mit natürlichen Ausgangsstoffen und handwerklicher Technik.“ Außerdem achtet die Geschäftsführung  auf Nachhaltigkeit und setzt zum Teil fair gehandelte Produkte ein.

Ambition trifft Weltmarkt

Aber auch in einem ambitionierten Familienbetrieb, der  die „typisch“ deutschen Nahrungsmittel Brot und Kuchen herstellt, begegnet man auf Schritt und Tritt der Weltwirtschaft.  Die Aprikosen für den  Obstfladen kommen aus Südafrika, die Rosinen  für’s Brötchen aus der Türkei , die Leinsamen für’s Brot aus Bangladesch, Fortsetzung beliebig….

Und es geht noch weiter. „Im Moment werden bestimmte Zutaten knapp und damit teuer“, erläutert uns Schwienhorst bei der Betriebsbesichtigung.  Der Grund: die Nachfrage in China nach Produkten wie Mandeln oder Sonnenblumenkernen wächst im Moment rasant.

Was wollen wir essen?

 

Die Gäste sind Bischof Juan Bautista Gavilan (hinten) und Bischof Theotonius Gomes (hinten).

Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon mit Bischof Juan Bautista Gavilan und Bischof Theotonius Gomes.

Aber wir lernen auch, was unsere Vorlieben mit der Globalisierung zu tun haben. Für Palmölplantagen werden riesige Flächen Regenwald gerodet. Und worin werden in Deutschland Berliner, Krapfen und Co. gebacken? Genau. Und warum? „In Palmöl nimmt das Gebäck nicht so viel Fett auf, wie zum Beispiel in Sonnenblumenöl. Und die Kunden mögen es eben lieber nicht so fett,“ zeigt uns der Geschäftsführer die Grenzen, nachhaltiger Unternehmenspolitik auf.  Denn auch engagierte Unternehmer  sind gnadenlos vom Kundenwunsch abhängig, wenn sie jenseits von Nischenmärkten existieren wollen.

Die Traditionsbäckerei von  nebenan steht heute in einem mörderischen Konkurrenzdruck. Die meisten Bäckereifilialen werden mittlerweile von einem großen Einzelhandelskonzern betrieben,  Backregale in Discountern und Backshops expandieren. „Und die verfolgen zum Beispiel die Linie, dass auch kurz vor Ladenschluss noch das komplette Sortiment verfügbar ist,“ erfahren wir. Das bindet Kunden. Und kostenmäßig fällt es bei industrieller Fertigung kaum ins Gewicht, wenn am Abend komplette Regale in den Müll wandern. Letztlich geht es also schon beim Brot um die Frage: Wie wollen wir leben?

Sie möchten auch eine Solibrot-Aktion durchführen oder sich näher informieren? Hier geht es zur Solibrot-Aktion auf unserer Website.

Autor:

Marianne Pötter-J.

Marianne Pötter-J. arbeitet als Referentin für Kommunikation und Politik bei MISEREOR. Sie bloggt über interessante Begegnungen und Kampagnen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wir vom Diözesanverband Augsburg freuen uns, dass der Gedanke von 2007, die Solibrotaktion während der Fastenzeit im Verband einzuführen, inzwischen sehr erfolgreich in der Diözese Augsburg durchgeführt wird und nun die deutschlandweite Beachtung erfahren hat.
    Wir freuen uns über die große Resonanz und hoffen weiterhin auf einen guten Verlauf der ersten bundesweiten Frauenbundssolibrotaktion.

    Sabine Slawik, Vorsitzende im Diözesanverband Augsburg

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