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Ein besonderes Abendessen in Thailand

Noch in Sportklamotten und mit einem Handtuch um die Schultern lief uns der Englischlehrer entgegen. Er käme gerade aus dem Kraftraum. Von der Arbeit kannten Barbara und ich den Pakistaner nur perfekt gekleidet im Anzug. Doch dies war eine private Einladung zum Abendessen. Wir sollten uns wie Zuhause fühlen.

Trotzdem war ich erst mal geschockt als ich seine Bleibe betrat. Der Englischlehrer lebt zusammen mit seinen zwei Freunden, die mit ihm aus Pakistan geflohen sind, in einem Zimmer. In dem Zimmer stehen nur ein Bett, ein Kühlschrank und ein Kleiderschrank, auf dem drei große Koffer, noch mit dem Flugkleber versehen, dicht nebeneinander liegen.

In meiner ersten Wochen in Thailand durfte ich schon eine Flüchtlingsfamilie, die unter denselben Verhältnissen wie unser pakistanischer Freund lebt, besuchen. Doch ich bin trotzdem davon ausgegangen, dass der Englischlehrer irgendwie anders, irgendwie besser wohnt. Umso beeindruckender fand ich es, mit welcher Offenheit er uns empfing.

Wir machten es uns auf dem einzigen Teppich in dem Raum gemütlich. Gekocht war noch nicht, wieso müssen Deutsche auch immer pünktlich sein? So hatte ich aber die Gelegenheit zu lernen, wie man indische Chapati zubereitet. Der Teig bestand nur aus Wasser und Mehl. Einer der drei Gastgeber, dessen Name übersetzt „Fisch“ bedeutet, zeigte mir, wie man die Chapati knetet und ausrollt. Anschließend wurden sie auf einem umgedrehten Stück Blech, das über eine Gasflamme gestülpt war, gebacken. Mit bloßen Händen drehte der „Fisch“ die Chapati um. Ich drückte mit einem Küchentuch die Luft aus dem Teich. Wir unterhielten uns kaum, da wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Es war trotzdem sehr schön und ich habe selten jemanden mit so viel Liebe und Geduld kochen sehen. Ein paar Worte „Wudu“ lernte ich auch.

Drei Stunden später war das Essen fertig. Hünchencurry, Chapati, Reis, Salat, Bohnen und Bier. Ein Festmahl für alle. Barbara und ich erfuhren viel über das Leben in Pakistan, die Flucht und das neue Leben in Bangkok. Was den dreien aber am wichtigsten wa: Das wir da waren und ihnen Gesellschaft leisteten. Schließlich sind wir ja auch nur Fremde in einem anderen Land.

Autor:

Meine Name ist Katrin und ich verbringe meinen Freiwilligendienst in Thailand. Dieses Jahr habe ich mein Abitur in Mannheim gemacht und freue mich jetzt schon sehr auf meinen Auslandseinsatz. Ich lebte bereits in Tansania und absolvierte ein Austauschjahr in Ungarn. Die asiatische Kultur konnte ich bisher allerdings noch nicht kennen lernen. Ich singe in einem Chor und spiele Klavier. Außerdem bin ich sehr sportbegeistert. Ich mache Leichtathletik bei der MTG Mannheim. "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." afrikanisches Sprichwort

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ganz liebe Grüße zurück aus Thailand,

    erstmal zu den Chapati. 🙂 Die Chapati schmecken anders als die Chapati, welche in Ostafrika verkauft werden. In Ostafrika werden sie mit Öl zubereitet, diese Art der Chapati nennen die Pakistaner „Parantha“ und werden meistens zum Frühstück gegessen. Unter dem Namen „Chapati“ wird in der pakistanischen Kultur eine Art Fladenbrot aus Mehl und Wasser verstanden, welches ohne jegliches Öl oder Gewürze meist auf einem flachen Blech bei sehr heißer Flamme gebraten wird.
    Auch wir haben schon Gäste zu uns eingeladen. Wobei ich dabei anfangs auch ein unsicheres Gefühl hatte, gerade weil man weiß, dass man besser wohnt als die eingeladenen Personen. Leider ist uns das Kochen unseres deutschen Gerichts mit etwas anderen Zutaten und ungewohnten Utensilien nicht ganz so gut gelungen. Umso bewundernswerter ist es, wie wenig andere Leute, zum Beispiel unsere pakistanischen Freunde, brauchen, um eine gute und leckere Mahlzeit zu kochen.

    Soviel vom Chefkoch aus Bangkok…. 🙂

  2. Liebe Katrin,

    da hilft im ersten Moment wohl nur die Sprache der Hände und Füße 🙂
    Es hört sich wirklich spannend an, wie viele verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen du kennen lernst. Habt ihr auch schon mal Leute zu euch nach Hause eingeladen? Als ich mal in Japan war erschienen mir die Menschen dort auch gastfreundlicher als in Deutschland.
    Und noch eine Frage: schmecken diese chapati so wie die in Ostafrika?
    Es ist wirklich ganz toll zu lesen, wie viele neue Erfahrungen du in Thailand sammeln kannst. Hoffentlich kannst du mir davon erzählen, wenn du wieder in Deutschland bist.

    Schöne Grüße!

    P.S.: Schön, dass von dir hier immer wieder neue Artikel erscheinen.

  3. Liebe Thai-Mädels,

    eine schöne Erfahrung. Chapatis backen ist gar nicht so einfach – aber es lohnt sich, oder? Pakistanisches Essen ist einfach so richtig gut! 🙂

    Ich wünsche Euch weiterhin viel Freude bei der Arbeit und viele tolle Erfahrungen. Esst für mich mit! 😉

    Liebe Grüße nach Thailand
    Annapia

  4. Liebe Kathrin,

    eine wirklich sehr schöne Erfahrung, die ihr da machen konntet. Hört sich nach einem tollen Abend an, auch wenn er für euch zunächst mit einem kleinen Schock begann. Wir vergessen eben einfach sehr schnell, wie gut im Leben wir es haben. Aber beeindruckend finde ich es immer wieder, dass die Menschen trotz allem so gastfreundlich sind. Als Deutsche hätten wir wahrscheinlich niemanden in die Einzimmerwohnung eingeladen. Zu peinlich. Aber so kommt Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis zustande. Toll!

    LG, Uta

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