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Timor-Leste: Das Ende einer Achterbahnfahrt

Eine lange Zeit im Ausland ist wie eine Achterbahnfahrt: Zuerst will man damit fahren, dann geht es schnell: einsteigen! Die ersten mulmigen Gefühle, es folgen Hochs und Tiefs. Am Ende ist man etwas traurig, dass es vorbei ist; stolz, dass man es gemeistert hat; froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und eigentlich… Würde man am liebsten noch einmal fahren!

Dieser Spruch hat mich durch die letzten zehn Monate begleitet und ich habe nie an seiner Wahrhaftigkeit gezweifelt.

Nun befinde ich mich auf der Zielgeraden, die Achterbahn bremst stark, ich sehe die Station zum Ausstieg kurz vor mir liegen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Vielleicht ein letzter Looping? Oder weiß ich es ganz genau? In den letzten Sekunden vor dem Ausstieg gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Diese lassen sich gar nicht in Worte fassen. Auf jeden Fall kann ich nicht glauben, dass ich gleich aussteigen muss.

Vor genau zehn Monaten bin ich eingestiegen und mir wurden ein paar Fragen gestellt. Jetzt, am Ende, beantworte ich manche anders:

Ich habe beim MISEREOR-Freiwilligendienst mitgemacht, weil…

… ich eine andere Einstellung zum Leben kennen lernen wollte. Das habe ich und bin sehr dankbar dafür.

Drei Dinge, die ich mit nach Hause bringen werde…

… Spontanität, ein noch größere Portion Humor, besonders wenn Dinge anders laufen, als sie geplant waren und eine Vorliebe zu Bergen von Reis mit irgendeiner Beilage, wie zum Beispiel grünen Blättern.

… und drei Dinge, die ich nur ungern in Timor-Leste zurück lassen werde…

… meine Loja Liras-Familie mit der schönen Veranda und unglaublich netten Mitbewohnerinnen, meine Arbeit als Lehrerin, von der ich nicht erwartet hätte, dass sie mir so viel Freude bereitet und der Stellenwert von Familie, Freundschaft, Geselligkeit und Hilfsbereitschaft, der einen sehr viel größeren in Anspruch nimmt, als persönlicher Erfolg, Individualität etc.

Wenn ich an Deutschland denke, dann freue ich mich ganz besonders auf…

… Maschinen, die verschmutzte Dinge sauber zaubern, ein gutes deutsches Käsebrot und ein Badezimmer, in welches sich außer Spinnen normalerweise keine Tiere verirren (oder vielleicht sogar zielstrebig ansteuern).

Das werden die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, vermissen, wenn ich in wenigen Tagen wieder nach Deutschland zurückkomme:

… meine Freundinnen und Mitbewohnerinnen meinen Humor und Einfallsreichtum, meine Schülerinnen die Verrückte, die sich nach dem Sportunterricht freut, wenn sie Muskelkater hat.

Mutig war…

… sich für 10 Monate in das ferne Land Timor-Leste aufzumachen. Die Achterbahn war zeitweise unberechenbar, es ging steil bergauf und bergab, manchmal wurde plötzlich die Richtung geändert, und jetzt, kurz vorm Aussteigen, den letzten Sekunden, die mir von dieser beeindruckenden Fahrt bleiben, würde ich sagen: „Es hat Spaß gemacht!“

Wahrscheinlich würde ich nach dem Aussteigen eigentlich … am liebsten noch einmal fahren.

Ich rolle glücklich, traurig…  nicht begreifend, dass es schon zu Ende ist und gespannt, ob noch ein Looping kommt, dem Ausstieg. dieser besonderen, einmaligen und unbezahlbaren Achterbahnfahrt entgegen.

 

Autor:

Maria

Meine Name ist Maria. Ich habe 2014/2015 einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im CTID (Centro Treinamento Integral no Desenvolvimento) geleistet. Dort habe ich junge Frauen in Englisch und Sport unterrichtet.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maria,
    leider bin ich gerade erst dazu gekommen, deinen „letzten“ Eintrag als Freiwillige zu lesen. Ein wirklich gelungener Abschluss. Es hat mir sehr gut gefallen, wie du die vergangenen zehn Monate reflektiert hast. Ich habe das Gefühl, dass der Freiwilligendienst dich richtig hat reifen lassen. Und Spaß gemacht hat. Die Mädels in Timor werden dich und deine offene, witzige und herzliche Art – die ich bestätigen kann – sicherlich sehr vermissen.

    Liebe Grüße aus Aachen, Uta

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