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Kommunikation, Klima und Kürbisgemüse: Workshopwochenende der ehemaligen Freiwilligen von MISEREOR

Sieben junge Menschen mitsamt ihres Gepäcks stehen an einem Freitagabend in der Bonner Innenstadt vor einem Riesenberg an Gemüse. 15 Stangen Lauch, 8 Köpfe Wirsing, 5 Kürbisse, 5 kg Kartoffeln und viele weitere Lebensmittel für 30 Leute und 2 Tage wurden soeben eingekauft und sollen nun zum Pützerhof irgendwo im Nirgendwo in der Nähe von Siegburg transportiert werden – ohne Plastiktüten natürlich. Die Leute in der Bahn schauen interessiert bis verwundert als wir kurze Zeit später selbige betreten, mit Lauch und Brot am Rucksack festgeschnallt und Kartons voller Kürbisse, Wirsing und Birnen auf den Armen. In Siegburg werden wir aber auf diese Weise sofort erkannt: „Die gehören zu uns!“

Ein Wochenende mit viel Gemüse: Freiwillige organisierten das Treffen selbst.

Ein Wochenende mit viel Gemüse: Freiwillige organisierten das Treffen selbst.

Nein, es handelt sich hierbei weder um eine Gegendarstellung zum dauerhaft tiefkühlpizzaessenden Studenten noch um Hamsterkäufe aufgrund befürchteter Nahrungsmittelverknappung angesichts der Flüchtlingsströme. Vielmehr treffen sich wie schon in den beiden letzten Jahren am letzten Oktoberwochenende die ehemaligen Freiwilligen von MISEREOR aus mittlerweile fünf „Generationen“ Freiwilligendienst. Diese Treffen sind aus dem Wunsch und dem Gefühl entstanden, dass der eigene Freiwilligendienst nicht mit dem Rückkehrer*innen-Seminar endet, sondern dass unser Engagement dank der vielen Lernerfahrungen, die wir in dieser Zeit machen durften, danach erst richtig anfängt. Umso schöner, dass aus diesem Wunsch Realität geworden ist, und wir ein- bis zweimal im Jahr die Möglichkeit haben, uns zu treffen, uns auszutauschen und uns mit entwicklungspolitischen Themen auseinanderzusetzen.

Im Pützerhof angekommen gibt es erstmal ein großes Hallo und viel Freude über ein Wiedersehen mit alten und neuen Gesichtern – schließlich wächst unsere Gruppe mit jedem Jahr. Für einen Teil der Gruppe hat der Tag schon viel früher begonnen. Um 11:30 Uhr haben sie sich vor dem Rathaus versammelt und sind einen Teil der 7. Etappe des Klimapilgerwegs mitgelaufen. Dabei haben sie auch einer Andacht vor dem UN-Klimasekretariat und einer Podiumsdiskussion bei der GIZ zu Klima und Entwicklung beigewohnt. Der Pilgerweg geht von Flensburg nach Paris und findet statt, um auf die vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris stattfindende UN-Klimakonferenz aufmerksam zu machen. Bei dieser Konferenz soll ein neues Klimaabkommen vereinbart werden, das als Nachfolger des Kyoto-Protokolls gilt.
Der Samstag geht spannend weiter. Wir hatten für dieses Wochenende entschieden, uns mit dem Thema Kommunikation auseinanderzusetzen. Genauer gesagt hatten wir dafür eine Trainerin eingeladen, die uns das Konzept der „Gewaltfreien Kommunikation“ näher bringen sollte. Dieses Thema schien uns wichtig, da Sprache und die Art, miteinander zu kommunizieren eine bedeutende Rolle bei Konflikt- und Friedensprozessen spielen. Kommunikation hat die Macht, Menschen miteinander in Verbindung treten zu lassen oder sie voneinander zu trennen. In unserer Gruppe haben wir dies nicht nur während unserer Freiwilligendienste im Ausland feststellen können, es zeigte sich auch daran, wie ein zum geflügelten Wort gewordener Insider aus dem Theaterworkshop in Herxheim 2013 diejenigen vereinte, die damals dabei gewesen waren und diejenigen ausschloss, die nicht teilgenommen hatten. Mithilfe der Trainerin Claudia Hauck lernten wir anhand kleiner Spiele und Übungen nonverbal miteinander zu kommunizieren, unser eigenes Kommunikationsverhalten zu reflektieren und achtsam miteinander umzugehen. Auf diese Weise näherten wir uns immer mehr dem Kern der Gewaltfreien Kommunikation. Dabei geht es darum, dass Menschen stets versuchen, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und Konflikte dann entstehen, wenn die Befriedigung unterschiedlicher Bedürfnisse aufeinanderprallt. Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es vor allem darum, die Gründe sowohl für die eigenen Verhaltensweisen als auch die des Gegenübers zu verstehen, und dementsprechend lösungsorientiert zu kommunizieren. Es war für alle eine interessante Erfahrung, sich mal auf eine ganz andere Art und Weise mit einer so alltäglichen Handlung wie der eigenen Rede zu befassen.
Der Sonntagvormittag ist geprägt von freiwilligendienstrelevanten Themen und von Aktivitäten, für die wir uns als ehemalige Freiwillige von MISEREOR engagieren möchten. So wird man uns beispielsweise auf dem Katholikentag 2016 in Leipzig und bei der Eröffnung der Fastenaktion 2016 in Würzburg treffen. Weitere Themen waren der Umgang mit den Vorgänger*innen bzw. Nachfolger*innen und der aktuelle Stand des Reverse-Freiwilligendienstes, den wir von Anfang an befürwortet und unterstützt haben, da uns allen während unseres Auslandsjahres die Bedeutung eines solchen Lerndienstes klar geworden ist und wir uns wünschen, dass diese Chance in alle Richtungen möglich ist.
Nach dem Mittagessen wurde dann auch schon wieder gepackt und aufgeräumt mit dem Gedanken, dass das Wochenende wieder mal viel zu schnell vergangen ist. Aber wir sehen uns ja wieder. Spätestens nächstes Jahr beim Workshop. Oder in Leipzig. Oder in Würzburg. Oder in Paris.

Geschrieben von:

Charlotte

Im Rahmen des MISEREOR-Freiwilligendienstes verbrachte ich 10 Monate in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, im Projekt "Seedling of Hope"-Projekt der MISEREOR-Partnerorganisation Maryknoll. Das Projekt betreut Kinder, deren Eltern an Aids erkrankt oder gestorben sind. Nach meiner Rückkehr habe ich begonnen, Psychologie an der Universität Trier zu studieren.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar-Foto

    Liebe Charlotte,
    daran, dass sich in diesem Jahr so viele ehemalige Freiwillige angemeldet haben, sieht man, dass es euch wichtig ist, in Kontakt zu bleiben und auch an wichtigen Themen miteinander zu arbeiten. Ich war ja nur am Freitag beim Pilgern mit dabei, aber ich habe mich sehr gefreut, dort einige von euch getroffen zu haben. Deinem Bericht zufolge war es ja ein wirklich schönes und ergebnisfreiches WE. Weiter so …

    LG, Uta

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