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Ein ganz normaler Tag im CTID

Ich weiß, es ist schon viel zu lange her, dass ich etwas geschrieben habe und so mancher hat wohl auch nicht mehr damit gerechnet. Aber ich habe es doch noch geschafft und werde noch etwas von meinem Leben hier, am anderen Ende der Welt, berichten. Zugegeben, es fällt mir sehr schwer, die Dinge die ich hier erlebe und die Erfahrungen, die ich sammle in Worte zu fassen. Aber ich werde es versuchen, indem ich über meinen Alltag schreibe.

Ein ganz normaler Tag im CTID

Es ist kurz vor sieben Uhr, als ich von bellenden Hunden und krähenden Hähnen aus dem Schlaf gerissen werde. Einen Wecker braucht man hier wirklich nicht. Ich begrüße die kleinen Echsen an meiner Zimmerdecke und gehe dann ins Bad zu meiner alltäglichen Eimerdusche. Obwohl ich mich schon längst daran gewöhnt habe, ist es jeden Morgen wieder ein kleiner Schock, wie kalt das Wasser ist. In der Küche treffe ich dann auf meine verschlafenen Mitbewohnerinnen, unter anderem auch meine Mitfreiwillige Lea. Wie fast jeden Morgen essen wir dann Brötchen mit (selbstgemachter!) Erdnussbutter und dann geht es auch schon los zum CTID. Normalerweise beginnt mein Unterricht um acht Uhr für die Hospitality Schüler und um 07:45 Uhr für die MC- Schüler, aber wie alles hier, beginnt es in der Realität erst viel später.

Es ist also schon kurz vor acht Uhr als Lea, unsere Mentorin Izah und ich gerade mal unser Haus verlassen und uns auf den Weg machen. Wir besteigen ein Microlet, das ist ein kleiner Bus, und mit dröhnend lauter Musik fahren wir durch unser wunderschönes Baucau. In der Ferne sieht man das Meer glitzern und ich muss mich manchmal immer noch kneifen, wie wunderschön es hier ist. Immer mehr Menschen quetschen sich in das eh schon viel zu volle Microlet, ein paar hängen sich noch außen an die Tür und plötzlich habe ich ein kleines Kind auf dem Schoss, das mich mit riesigen Augen anstarrt. Es kommt nicht selten vor, dass ganz kleine Kinder anfangen zu weinen, wenn sie uns große weiße Malaes sehen und ich bin erleichtert, als wir endlich aussteigen. „Bondia, Manasira!“, werden wir von allen Seiten begrüßt , als wir im CTID ankommen und wir winken fröhlich zurück. Jetzt muss ich mich schon fast beeilen, denn viele von meinen Schülern sind schon da. Schnell verabschiede ich mich von Lea und Izah, die beide im Follow-Up Programm arbeiten, und schließe das Englischlab auf, indem ich zusammen mit meiner Kollegin Merry arbeite. Merry ist natürlich zu spät, aber das macht nichts, denn morgens gebe ich normalerweise Musikunterricht, was vor allem Notenlesen lernen beinhaltet. Stolz stelle ich fest, dass meine Schülerinnen große Fortschritte gemacht haben, als die Melodie von „Hänschen klein, ging allein“ mehrfach durch das CTID tönt. Anschließend im Englischunterricht ist die Begeisterung schon nicht mehr so groß, als Merry und ich ihnen den Unterschied zwischen Subjekt und Objekt erklären. Doch mit kleinen Spielchen oder Liedern wir „Head, Shoulders, Knees and Toes“ kann man sie schnell wieder aufmuntern. Mittlerweise ist Mittagessenszeit, aber ich komme fast immer zu spät, weil ich mich nach dem Unterricht schwer von meinen Schülerinnen losreißen kann, die immer noch ein bisschen mit mir quatschen wollen und wirklich alles kommentieren, was ich heute trage oder wie meine Haare gemacht sind. Das war schon sehr gewöhnungsbedürftig, auch heute noch, obwohl ich mich schon daran gewöhnt habe. 
Irgendwann gehe ich dann doch und mache mich mit Lea und Izah zum Markt auf, um unseren alltäglichen Reis zu kaufen. Am Anfang war es wirklich hart immer mindestens zweimal am Tag Reis zu essen, aber mittlerweile ist es schon so normal und gehört einfach mit dazu. Die Frauen auf dem Markt kennen uns gut und so macht es nichts, dass ich mein Geld vergessen habe, um meinen Reis zu bezahlen. Ich soll es einfach morgen vorbeibringen, sagen sie. Bis vierzehn Uhr wird jetzt „deskanzert“, was bedeutet, dass fast das ganze CTID schläft. Auch ich mache ein kleines Nickerchen, ohne das ich mittlerweile gar nicht mehr kann. Um vierzehn Uhr allerdings geht’s wieder zum Unterrichten. Am Nachmittag unterrichte ich oft meine Kollegen, die Englisch lernen wollen. Das macht mir immer riesigen Spaß, weil es Kleingruppen sind und viel persönlicher, da man sich schon so gut kennt. Auch die Motivation ist oft größer als bei meinen anderen Schülern und wir kommen schneller voran. Um siebzehn Uhr ist Feierabend und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Dort angekommen, warten unsere Mitbewohnerinnen schon auf uns und wer will, macht ein bisschen Gymnastik oder wir gehen eine Runde Basketball spielen. Mittlerweile ist Abendessenszeit und während wir wieder über unseren Tellern Reis sitzen, wird wild geredet. Da wir zu sechst in einem Haus leben, kann das manchmal schon sehr durcheinander und laut werden während des Essens und bis jeder seine Neuheiten erzählt hat, wird es oft spät, bis wir gemeinsam abspülen. Es ist schon seltsam, wie schnell diese Frauen hier meine neue Familie geworden sind und bei dem Gedanken, sie bald verlassen zu müssen, kommen mir jetzt schon die Tränen. Oft singen und tanzen wir oder schauen noch einen Film gemeinsam, bevor wir schlafen gehen. Ich bin jedenfalls immer sehr erledigt, wenn ich abends unter mein Moskitonetz schlüpfe, den kleinen Echsen an der Wand „Gute Nacht“ sage und den Hunden und den Hähnen wieder beim Lärmmachen zuhöre.

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Autor:

Maren

Maren absolviert ihren Freiwilligendienst bei CTID in Timor-Leste.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Boa tarde Maren,
    wie schön, jedes Jahr einen Tagesbericht aus Timor zu lesen.
    Manche Dinge überschneiden sich und erkenne ich wieder, andere sind neu!
    Cool, dass ihr es (manchmal) auf den Basketballplatz schafft – ein bisschen Bewegung schadet ja nicht ;P!!!
    Liebe Grüße an die tekis, Maria

  2. Liebe Maren,
    schön, mal wieder etwas von dir zu lesen. Dein Tag hört sich wirklich gut ausgefüllt an und man muss sich ja auch an die Gepflogenheiten im Gastland anpassen. Also würde ich mir da jetzt von wegen Mittagsschläfchen und Unpünktlichkeit keinen Kopf machen :-))) Krass ist allerdings, dass ihr echt so mega groß seid im Gegensatz zu den Timoresinnen. Upps. Dieses Jahr sollten nur Freiwillige bis 1,50 m ausgesucht werden … ;-)))
    Alles Gute für die letzten beiden Monate. Jaaa, so schnell vergeht die Zeit …
    LG aus Aachen, Uta

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