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Traditionelle Karen-Hochzeit in Thailand

Nachdem ich so lange schon nicht mehr geschrieben habe, möchte ich jetzt von einem besonderen Erlebnis erzählen, und zwar von einer Hochzeit in einem Dorf nahe Mae Sot, auf die mich meine Kollegin P’Ple (sprich „Pi Bpen“) mitgenommen hat. Ich kannte zwar weder Braut noch Bräutigam, aber eine traditionelle Karen-Hochzeit in einem Karen-Dorf wollte ich natürlich nicht verpassen!
Wir sind also morgens losgefahren und ich konnte nach vier Stunden Fahrt erst mal mit P’Ples kleiner Tochter ihre kleine Ziegenfarm bewundern. Am Abend sind wir auch schon gleich zum Haus der Braut gefahren (mit drei Erwachsenen und einem Kleinkind auf einem Roller ist das für sich auch schon ein Erlebnis), da bereits fleißig für alle Gäste gekocht wurde. Wie mir mehrere Leute stolz erzählt haben, wurden elf Schweine und eine Kuh geschlachtet und – so wie es aussah – komplett zerlegt und in riesigen Pfannen gekocht. Ein bisschen gab es auch schon für die Helfer zu essen.

Auch am nächsten Morgen sind wir wieder früh hingegangen und ich konnte beim Gemüseschälen und -stampfen helfen, auch wenn ich wahrscheinlich doppelt so lange für alles gebraucht habe. Während wir auf den Bräutigam gewartet haben, der erst mit seinen Verwandten von seinem Zuhause abgeholt wurde, wurde Eis gegessen und  – wie sollte es anders sein – wurden Fotos gemacht. Wie eine der Freiwilligen auf unserem Zwischenseminar gesagt hat, ist man als Weiße eine Art wandelnde Sehenswürdigkeit und deswegen mussten vor allem die Kinder ganz viele Fotos mit mir machen. Das bin ich eigentlich aber schon gewöhnt und außerdem mache ich ja auch Bilder von allem möglichen hier.

Hier sieht man die Braut (als vierte von links) mit einigen Freunden und mir

 

Aber dann kam auch endlich der Bräutigam mit einer ganzen Prozession von Verwandten. Ihm wurde ein Eimer Wasser über den Kopf geschüttet und ein neues Shirt von der Familie der Braut überreicht, bevor er ins Haus gehen konnte. Die richtige Trauung konnten wir leider nicht sehen, weil das Haus viel zu klein für alle Gäste war und kurz darauf sind wir auch schon wieder gegangen, aber es war trotzdem eine sehr schöne Hochzeit für mich. Noch viel mehr als in Deutschland ist solch eine Feier eine Gemeinschaftsaktion, bei der jeder mithilft und Essen mitbringt oder wenigstens Geld besteuert.

Wir sind dann zu einer ehemaligen Kollegin von P’Ple gefahren, die gerade meine Mitfreiwillige Ann zu Besuch hatte, das heißt wir hatten noch einen schönen Tag zusammen, der mit einem kleinen Kochkurs für Ann und mich endete. Da alle meine Kollegen super leckere Gerichte kochen können, die ich an den Abenden nach unserer Arbeit im Camp genießen darf, verdanke ich es ihnen, mittlerweile ein bisschen Thai kochen zu können.

Autor:

Anna

Anna absolviert ihren Freiwilligendienst bei COERR, einer Unterorganisation von Caritas Thailand. Das Projekt beschäftigt sich mit Geflüchteten aus Myanmar, die meist schon seit längerer Zeit in großen Lagern in Thailand leben.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Anna

    Liebe Uta, bitte entschuldige die späte Antwort!
    Meine Kollegin hat mir gesagt, dass diese Tradition Glück für das neue Leben mit der Braut bringen und den Bräutigam im Haus der Braut willkommen heißen soll. Wieso das ausgerechnet mit Wasser passiert, weiß ich aber auch nicht. Aber ich schätze, dass die Abkühlung auch ein angenehmer Nebeneffekt ist 🙂
    Liebe Grüße, Anna

  2. Anna

    Liebe Maria,
    das stimmt, ich habe mich sehr gefreut, bei der Hochzeit dabei gewesen zu sein!
    Ein großes Kochtalent bin ich zwar immer noch nicht, aber ich versuche gerne etwas, wenn ich wieder da bin 🙂
    Ganz liebe Grüße nach Deutschland!

  3. Liebe Anna, vielen Dank für diesen netten Bericht.
    Der Tag bleibt dir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung.
    Auch wenn du von der Zeremonie nichts mitbekommen hast, ist diese Erfahrung der Gemeinschaft schön.
    Auf die Kochkünste sind wir sehr gespannt 🙂
    Liebe Grüße, Maria

  4. Liebe Anna,
    eine tolle Erfahrung für dich. Das Bild mit der Braut ist sehr schön, vor allem auch die Dekoration. Am besten finde ich aber die Tradition, dass dem Bräutigam ein Eimer Wasser über den Kopf geschüttet wird. Ich stelle mir das gerade bildlich vor, wie das hier in Deutschland ankäme :-))) Naja, bei meiner Hochzeit waren es 36 Grad, vielleicht hätte man Mann sich ja gefreut … Weißt du zufällig, was diese Tradition bedeutet?
    LG aus Aachen, Uta

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