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Einkaufstour in Botswana

05:00
Trotz der Regentschaft von König Fußball, sitzt man auch noch nett mit Freunden zusammen. So war es nach dem Spiel vor der offenen Feuerstelle sehr gemütlich. Aber wir hätten doch früher zu Bett gehen sollen.

Wir sind auf der Strasse nach Plumtree unterwegs, der Grenzregion nach Botswana. In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 3 Millionen Simbabwer ihrem Heimatland den Rücken gekehrt. Die meisten nach Südafrika und in die umliegenden Länder der Region, so auch viele nach Botswana. Wir fahren nach Francistown. Dort wollen wir Dinge für das Misereorbüro kaufen, die man nicht oder nur sehr teuer in Simbabwe bekommt. Fancistown, noch vor einigen Jahrzehnten eine verschlafene Grenzstadt, liegt nur eine Stunde fahrt von Simbabwe entfernt. Die letzten zehn Jahre haben die Stadt wohlhabend gemacht. Das liegt einerseits durch die als billige Arbeitskräfte arbeitenden simbabwischen Flüchtlinge, aber vor allem an den Einkäufen simbabwischer Bürger. Vom Mehl, über Nägel bis hin zu Waschpulver … in Simbabwe gab es bis 2009 nichts mehr zu kaufen.

Botswana ist hingegen vergleichsweise dünn besiedelt: nur 1,6 Millionen Menschen und so groß wie Simbabwe oder Deutschland. Das Land gehört zu den wenigen Positivbeispielen in Afrika in Fragen von Entwicklung, die auch bei den Menschen ankommt. Die Erlöse aus den Diamantenminen des Landes gehen in den nationalen Haushalt ein. Es gibt gute Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Dienstleister. Natürlich gibt es auch hier Armut und Korruption. Doch spürt man deutlich, dass der Staat nicht gegen das eigene Volk arbeitet. Auf dem transparency international Index für Korruption nimmt das Land einen guten Platz im oberen Fünftel ein, besser als Italien, Südafrika und Ungarn. Die Menschen sind sehr ruhig, alles geht seinen geregelten Gang.

12:00

Die Einkäufe (Tintenpatronen, Druckerpapier, auch Butter und Käse, Hundeflohmittel) sind bis mittags erledigt. Dann geht es zurück nach Simbabwe zum Krankenhaus St Martin, das Unterstützung von Misereor erhält. Die Fahrt von Francistown zum Grenzübergang und dann weiter nach St Martin ist eigentlich eine Wüstenfahrt.  Das Klima gleicht dem der Kalahari. Die Gegend ist trockenes Buschland, manchmal sieht man Impalaantilopen, Paviane.

Immer, wenn wir hier sind, fragen wir uns, warum hier eigentlich noch Menschen leben können, so knochentrocken und arm ist es hier. Die Kolonialregierung hatte vor 70 Jahren Menschen in diese Gegend umgesiedelt, und bis heute sind sie geblieben. Eine der Antworten ist schlicht, dass viele der vor allem. jungen Menschen in Botswana arbeiten und das Geld an ihre Verwandten im armen Nachbarn Simbabwe versenden.

Je weiter wir Richtung St Martin kommen, umso schlechter wird die Piste. Wir können an manchen Stellen nur Schritt fahren. Am katastrophalsten wird die Strasse kurz vor dem Krankenhaus, und befahrener und besser wird sie wieder dahinter – wir sind wirklich am Ende der Welt angelangt.

In dem Ort gibt es eine Garküche, einen Friseur und drei Bierläden – die Architektur erinnert an (wer kennt noch die Serie „Rauchende Colts“?) Dodge City, nur Festus, Miss Kitty und Sheriff Matt Dillon fehlen.

High Noon im St Martin Krankenhaus. Die deutsche Entwicklungshelferin, die Leiterin des Krankenhauses ist, operiert gerade ein 6-jaehriges Mädchen, das an der „mango disesae“ leidet. Die „Krankheit“ steht für die Knochenbrüche der Kinder, die zu dieser Zeit in die Mangobäume klettern und unreife Mangos ernten.

20:00
Das Nonnenkloster am Ort hat ein gemütliches Gästehaus. Auch Schwester Luiea, die spanische Oberin, freut sich auf das Endspiel. Hier in der Einöde gibt es jedoch kein Fernsehen. Sie muss ins 200 km entfernte Bulawayo fahren, und das wird sie auch tun.

Geschrieben von:

Volker Riehl arbeitet als Leiter der MISEREOR-Verbindungsstelle in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.

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