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Im Zirkus namens Indien

Leitartikel in der Times of India, heute mit der Überschrift: „Chaos is our dharma.“ Erster Satz: „Indien. Wir können nur funktionieren, weil wir chaotisch sind.“  Das indischen Chaos: Die Einheimischen leben damit. Die Ausländer versuchen es zu überleben. Und die Times of India hebt es nun sogar als Notwendigkeit zum Funktionieren dieses Landes hervor.

circuscalledindia

An vielen Ecken der Stadt hängen momentan große bunte Plakate mit der Aufschrift: „A day in India.“  Oder “A circus called India.” Die indische Times ruft zu einem Wettbewerb auf: „A nationwide contest to celebrate the collective chaos that is India.“  Wer mag, kann Fotos, Filme, Podcasts, auch Witze und Cartoon einschicken, die das Chaos im Land dokumentieren.  Jeder Inder ist dazu eingeladen, an dieser Aktion mitzuwirken.  Es gibt attraktive Preise bis zu 500.000 Rupien (rund 8.000 Euro)

Chaos ist auch ein Thema für Herrn P.N. Rai. Wir treffen ihn heute in einem der Butterflies-Shelter in Old Delhi. Butterflies unterhält insgesamt vier dieser Shelter in Delhi, 60 Kinder schlafen, essen, machen ihre Hausaufgaben hier.  Jedes Kind hat seinen eigenen Spint, einen Platz für Schultasche und Schuluniform, drei Mal am Tag bekommen die Kinder eine Mahlzeit. „Die Kinder kommen aus dem Chaos der Straße. Wir geben ihnen Struktur und helfen ihnen von einem unorganisierten, unsicheren zu einem organisierten Leben“, sagt Mr. Rai, der die Shelter seit über 20 Jahren leitet. Der 59-Jährige ist einer der ältesten Butterflies-Mitarbeiter. Irgendwann einmal war Mr. Rai, wie er selber sagt, ein bekannter Politiker, aber er verließ den politischen Zirkus um als Sozialarbeiter zu arbeiten. 35 Jahre ist das nun her. „In der indischen Politik bin ich niemand mehr, aber das ist egal. Dafür kann ich den Kindern zu ihren Rechten und einem besseren Leben verhelfen.“

Wir treffen jeden Tag neue engagierte Butterflies-Mitarbeiter:  viele junge Gesichter sind dabei. Zum Beispiel Sana, die mit einer Gruppe von Straßenkindern indische Tänze einübt. Es sind Menschen mit einer unglaublichen Energie, die sich vom Chaos auf Delhis Straßen nicht unterkriegen lassen und motiviert an der Seite der Kinder stehen.

Autor:

Daniela Singhal ist bei politischen Aktionen in der Hauptstadt vor Ort, trifft internationale Partner und ist im In- und Ausland für MISEREOR unterwegs.

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