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Feldbesuch

Wir besuchen ein Projekt für die Fastenaktion 2013 im Niger. Hier, in der Sahelzone, werden die Menschen immer wieder von Hungersnöten und Nahrungsmittelkrisen heimgesucht.

Dürre in der Sahelzone

Dürre in der Sahelzone

Der MISEREOR-Projektpartner CADEV hat im Projektgebiet, das sich rund um die Stadt Birni N´Konni an der nigerianischen Grenze erstreckt, seit der Dürre 2005 viele Bauernfamilien bei ihrer landwirtschaftlichen Produktion unterstützt. Zusammen mit MISEREOR hat CADEV ihnen mit dem Bau von Brunnen, motorbetriebenen Wasserpumpen, Bereitstellung von Eselskarren ein Stück Perspektive gegeben. Zusätzlich hat CADEV mit der Einrichtung eines Ladens für Saatgut, Dünger und weiteren landwirtschaftlichen Bedarfsmitteln die Menschen ermutigt, neben der Regenzeit auch die Trockenzeit für den Anbau zu nutzen. Mit Hilfe von Bewässerung und dem entsprechenden Saatgut können sie so Gemüseanbau betreiben, damit sie neben den Erträgen aus der Regenzeit ein zweites Standbein bei der Versorgung ihrer Familien und ihres kleinen Handels haben.

Eine dieser Familien ist die Familie Abdou. Sie haben durch die Maßnahmen CADEVs einen Esel und einen Wagen erhalten, auf den der Vater sehr stolz ist. Wir besuchen Ibrahim Abdou, genannt Ibro, an einem Morgen auf seinem Feld. Es ist Regenzeit und Ibro hofft auf gute Erträge im September, vor allem durch Hirse und Sorgho. Sein Feld liegt etwas vor dem Dorf Bazaga. Wenn Ibro zum Feld geht, nimmt er ein Stückchen der alten Teerstraße, läuft über die Felder und kreuzt dann die große neue Hauptstrasße nach Maradi im Osten bzw. Niamey im Westen.  Den Weg legt Ibro zu Fuß zurück. Der Marsch dauert ca. 30 Minuten.

Ibro mit seinen Kindern bei der Feldarbeit

Ibro mit seinen Kindern bei der Feldarbeit

Heute ist Ibro mit 4 Kindern auf dem Feld. Ein Junge ist sein ältester Sohn Halarou, der 9 Jahre alt ist, die anderen Jungen sind seine Neffen. Der Jüngste kann noch nicht mitarbeiten, er hockt im Sand und schaut aufmerksam bei der Feldarbeit zu. Unter einem Baum stehen ein Kanister mit Wasser, daneben die Flipflops der Kinder. In Ibros Flipflops liegen sein Handy und sein Ehering. Etwas abseits steht der Esel, auf dem die Kinder hergeritten sind. Er ist am Boden angebunden, damit er nicht in einem großen Radius beginnt zu grasen.

Normalerweise sind die Kinder in der Schule, aber da Ferien sind, helfen sie mit. Ibro bringt den Kindern die Landarbeit bei. Da sein Bruder Händler ist und sein Feld nebenher bestellt und dafür  Arbeiter bezahlen kann, hat er keine Zeit, die Kinder anzuleiten. Daher übernimmt Onkel Ibro die Aufgabe zu erklären, wie man den Boden zwischen der Hirse mit der Harke lockert und kleine Gräben hackt, damit der ersehnte Regen gut in den Boden eindringen und gespeichert werden kann. Das Hacken ist ein scharrendes rhythmisches Geräusch auf dem schon trockenen Sandboden.

Vor 14 Tagen haben sie nach dem letzten Regen gesät, es sprießt schon grün, aber jetzt muss es endlich regnen. Eigentlich sollte es möglichst schon nach 10 Tagen geregnet haben. In gebückter Haltung, barfuß, die etwa 1,5kg schwere Hackke mit beiden Händen fest umgriffen, arbeiten sie sich langsam durch das ca. 2ha groß Feld. Alleine braucht Ibro dafür mehr als eine Woche. Die Arbeit ist anstrengend, die Hüfte schmerzt nach einiger Zeit, man atmet den Staub ein. Zum Glück ist es heute nicht so heiß.

Ibro und sein Esel

Ibro und sein Esel

Der Himmel ist bedeckt und in der Ferne ziehen dunkle Wolken auf.  Ein Sandsturm, der zweite in den vergangenen 4 Tagen, kündigt sich an. Um sie vor dem heraufziehenden Wetter zu schützen, muss Ibro die Kinder nach Hause schicken. Er bereitet den Esel vor. Eine alte Decke, ein Mal gefaltet, dient als Sattel, darüber ein breiter weiter Plastiksack als Satteltaschen. Darin finden die Flipflops der Kinder, die Hacken und der Wasserkanister Platz. Ibro platziert die Kinder hintereinander auf dem Esel. Langsam setzt er sich in Bewegung. Der Esel kennt den Weg. Wir nehmen Ibro mit auf dem Pickup zusammen mit weiteren Arbeitern, die nun eilig ihre Felder verlassen. Es wird windig, der rote Staub und Sand kommen immer näher. Hoffentlich bringt der Sandsturm endlich Regen mit.

Kurz darauf sehen wir, dass die Kinder von jemandem aus dem Dorf auf dem Motorrad mitgenommen werden. Vom Esel ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Vielleicht ist er wegen des heraufziehenden Sturms durchgegangen. Nachmittags als wir Ibro wieder treffen, erfahren wir, dass der Esel, von dem Ibro sagt, er hätte nie gedacht, jemals einen zu besitzen, den Weg nach Hause allein gefunden hat. Und geregnet hat es endlich auch!

Autor:

Miriam Thiel

Als Referentin für Gemeindekommunikation berät und motiviert Miriam Thiel Gemeinden bei ihrem Engagement für MISEREOR. Sie begleitet immer wieder gerne Gruppen, die die Arbeit MISEREORS kennenlernen möchten.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Miriam, echt toller Artikel!!!

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