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Warum die Kleinbauern in Paraguay für mich die Größten sind!

Bei vielen Campesinos und indigenen Gemeinschaften waren wir während der zehntägigen Projektreise in Paraguay zu Gast. In langen Gesprächen teilten die Kleinbauern mit uns ihre Zukunftsängste, die die Großgrundbesitzer mit ihren genmanipulierten Monokulturen und dem regelmäßigen Spritzen mit Pestiziden auslösen.

Dominga Valdez de Aquino wird traurig, wenn sie über die giftigen Anbaumethoden der Großgrundbesitzer nachdenkt! Das nächste besprühte Soja-Feld ist weniger als 1 Kilometer von ihrem Garten entfernt… Foto: Baumann/MISEREOR

Dominga Valdez de Aquino wird traurig, wenn sie über die giftigen Anbaumethoden der Großgrundbesitzer nachdenkt! Das nächste besprühte Soja-Feld ist weniger als 1 Kilometer von ihrem Garten entfernt… Foto: Baumann/MISEREOR

Dabei wirken ihre eigenen Gärten wie Paradiese und zeigen, wie fruchtbar dieses Land auch ohne chemische Bekämpfung sein kann. Aber für die Kleinbauern wird es eng: auch ihre letzten Gärten sind vom „Landgrabbing“ und den chemischen Vergiftungen existentiell bedroht!

Zwei Begegnungen haben mich während meines ersten Lateinamerika-Aufenthaltes besonders bewegt und still werden lassen:

Da sind zum einen Gil und Dominga aus dem Distrikt Simón bolívar: Weil ihre drei Kinder in der nahen Stadt Coronel Oviedo u.a. durch vergiftete Lebensmittel erkrankten, zogen sie bereits vor zehn Jahren aufs Land und begannen dort, sich eine neue Existenz aufzubauen. „Das war die beste Entscheidung, die wir jemals getroffen haben“, erzählt rückblickend die42-Jährige Mutter. Und ihre bis dahin traurigen Augen beginnen plötzlich zu strahlen: „Ja, unsere Kinder wurden hier wieder gesund – Gott sei Dank!“ Denn in ihrem kleinen Garten bauen sie bis heute alle Früchte, Gemüse und Heilpflanzen konsequent ökologisch an, so, wie sie es von den Mitarbeitern der MISEREOR-Projektpartner gelernt haben. Auch ihr 47-jähriger Mann Gil beeindruckt mich stark und strahlt wie seine Frau eine begründete Gelassenheit und einen inneren Frieden aus: „Früher wäre es vielleicht ein Traum gewesen, noch größere Flächen zu beackern und mehr Geld zu verdienen. Aber heute haben wir auch mit weniger all das, was wir für ein gutes Leben brauchen.“

Mut zu Taten in Paraguay: diMut zu Taten in Paraguay: die Campesinos gehen für ihre Rechte und ihr Heimatland auf die Straße. Foto: Baumann/MISEREOR

Mut zu Taten in Paraguay: die Campesinos gehen für ihre Rechte und ihr Heimatland auf die Straße. Foto: Baumann/MISEREOR

Zum anderen denke ich immer wieder an eine Demonstration von Campesino-Familien zurück, die für echte Demokratie und im Gedenken an die mindestens 17 Kleinbauern und Polizisten, die bei einer Landbesetzung im Juni ums Leben kamen, auf die Straße gingen. Etwa 250 Personen, Frauen und Männer, Alte und Junge, stehen am 29. Juni eng gedrängt beieinander. Aus den Lautsprechern ertönen entschlossene Reden und engagierte Aufrufe für ein besseres, gerechteres und demokratischeres Paraguay. Wir von MISEREOR werden als Freunde aus Deutschland begrüßt und dürfen uns der Rednerinnen-Liste anschließen. Da stehe ich nun – Seite an Seite voll Zorn und Zärtlichkeit – an der Seite dieser Armen, von denen ich so viel lernen darf. Und obwohl wir uns eine Stunde zuvor noch nie gesehen hatten, so verstehen sich unsere Blicke sofort und sagen: wir gehören zusammen! Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Massakers beten die Demonstranten auf Guarani das „Vater Unser“, ihre Hände sind erwartungsvoll und zuversichtlich dem Himmel geöffnet. Nach dem „Gegrüßet seist du, Maria“ in spanischer Sprache erklingt die Nationalhymne – und alle singen aus vollem Herzen mit. Beginnt die Hymne doch sehr getragen, fast traurig, so entwickelt sie sich im zweiten Teil zu einem entschlossenen Lied, das ihr eigentlich so schönes Land auch verdient hat. Christ-Sein heißt Politisch-Sein, auch in diesem Teil unserer Erde!

Jeden Tag denke ich seit unserer Rückkehr an die intensiven Begegnungen und Gespräche mit den Arm-Gemachten in Paraguay zurück. Und ich freue mich schon heute, dass sie in der nächsten MISEREOR-Fastenaktion im Mittelpunkt stehen werden!

Jörg Nottebaum war vom 25.6.-4.7.2012 auf Projektreise in Paraguay. Die Sozialpastoral der Diözese Coronel Oviedo begleitet dort engagiert und äußerst erfolgreich Kleinbauernfamilien und indigene Gemeinschaften in ihrem Kampf gegen die Großgrundbesitzer und die Monokulturen. Ausführliche Reportagen, Bildungsmaterialien, Rezepte und Gebete werden derzeit für die Fastenaktion 2013 erarbeitet und stehen ab Anfang des Jahres für Ihre MISEREOR-Arbeit zur Verfügung.

Autor:

Jörg Nottebaum

Jörg Nottebaum arbeitet bei MISEREOR in der Abteilung Bildung und Pastoralarbeit.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. hallo Jörg!
    gratulation zu deinem letzten projekt!
    viele Grüße von thomas

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