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„Keine weiteren Toten, das Land gehört uns!“

Mittwoch, der 10. Oktober 2012: Miguel Galván, Mitglied der Kleinbauernbewegung Santiago del Estero (MO.CA.S.E.), wird ermordet. Wenige Stunden später trifft die Nachricht in unserem lokalen Büro von INCUPO ein. Am folgenden Tag versammeln sich Mitglieder zahlreicher sozialer Organisationen vor dem argentinischen Kongress in Buenos Aires. Zusammen fordern sie die Aufklärung der Straftat sowie den Stopp der fortschreitenden Rodungen und Vertreibungen.

 

Keinen einzigen Meter weiter, das Land gehört uns!

Keinen einzigen Meter weiter, das Land gehört uns!

Jahrelang hat man sich nicht um das Land der Bevölkerung im Norden Argentiniens gekümmert. Mit der Gentechnik ist jedoch selbst ihr trockenes und abgelegenes Land rentabel für landwirtschaftliche Unternehmen und internationale Investitionsgeschäfte geworden. Das von dem amerikanischen Unternehmen genveränderte Soja-Saatgut „Roundup Ready“ wird zu dem neuen Hauptanbauprodukt.

 

Die Investoren erwerben ohne Beachtung der dort lebenden Kleinbauern und indigenen Völker für lange Zeit vergessene Landtitel. Das nationale Recht der Landbevölkerung auf Eigentum des Landes, das seit 20 Jahren in ihrem Besitz ist und landwirtschaftlich genutzt wird, ist für sie nur schwer geltend zu machen. Der Mord an Miguel Galván ist die grausame Konsequenz aus diesem Interessenkonflikt zwischen intensiver Landwirtschaft und Landleben. Selten endet es in solcher Brutalität – dennoch ist Miguel Galván kein Einzelfall.

Vor dem argentinischen Kongress kämpfen die Mitglieder sozialer Organisationen nun erneut für die Bewilligung des nach dem letzten Opfer benannten Gesetzesvorschlags „Cristian Ferreyra“. Cristian Ferreyra wurde am 16. November 2011 nur 60 Kilometer vom jetzigen Tatort entfernt ermordet. Mitunter werden vor allem politische Entscheidungsträger verantwortlich gemacht.

Miguel Galván habe vor verschiedenen staatlichen Instanzen Anzeige über Drohungen und gewalttätige Übergriffe erstattet – vergeblich. Der nationale Strategieplan der Agrar- und Ernährungswirtschaft (PEA) sieht bis 2020 ein weiteres starkes Wachstum der Sojaproduktion vor – Wachstum, das nicht im Einklang mit der Landbevölkerung sowie Gesetzen zum Naturschutz vorangetrieben werden kann und grausame Vorfälle wie die Morde an Cristian Ferreyra und Miguel Galván provoziert.

Aber Kritik fällt nicht ausschließlich auf politische Entscheidungsträger. Mit den Worten „Wir haben versagt.“ spricht Marta, eine beeindruckende Vertreterin und Schlüsselfigur in der Organisationsarbeit der Landbevölkerung Santiago del Esteros, das fehlende gemeinsame einheitliche politische Auftreten der ländlichen Bevölkerung an. Zu dieser schwierigen Kernaufgabe INCUPOs und, warum diese so schwierig ist, mehr in einem weiteren Blog-Eintrag.

Autor:

Ich bin 23 Jahre alt und habe vor kurzem den Bachelor in "Wirtschaftspädagogik" an der Universität Mannheim abgeschlossen. Im Rahmen des Freiwilligendienstes werde ich von meinen Erfahrungen in der Partnerorganisation, INCUPO, berichten. INCUPO setzt sich auf vielfältige Weise für benachteiligte Kleinbauern und indigene Völker sowie gegen den fortschreitenden Landraub in den nördlichen Provinzen Argentiniens ein.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Fabian, da wir nun einen argentinischen Papst haben, der den Namen Franziskus gewählt hat, des Heligen, der sich in besonderer Weise der armen und hilfsbedürftigen Menschen angenommen hat,könnt ihr sicher auch durch ihn und mit ihm die politisch Verantwortlichen in Argentinien zum Eionsatz für die arme Landbevölkerung veranlassen. Guten Erfolg für Euch wünscht Dein Opa Werner

  2. Lieber Fabian,
    es hat etwas Zeit gebraucht, bis ich dir antworte. Das hättest du dir sicher nicht vorstellen können, dass du auf eine solche Situation gleich zu Beginn deiner Zeit als Freiwilliger triffst. Gewalt als Lösung oder Ausdruck von Protest ist in diesen Ländern immer gegenwärtig. Ich hoffe, es bestärkt dich in deinem Engagement für die Organisation INCUPIO, damit sich vielleicht doch etwas ändert für die Situation der Kleinbauern.
    In Gedanken bin ich in diesem Jahr ganz besonders bei Euch Freiwilligen.
    Liebe Grüße
    Annette

  3. Lieber Fabian,
    ein erschütternder Bericht, der zeigt, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen in unserer globalen Welt verteilt sind. „Geld regiert die Welt“, das ist nur schwer zu ertragen und es passieren unmögliche Ungerechtigkeiten. Ich finde es großartig, wenn die Organisation INCUPIO etwas gegen diese Willkür erreichen kann und den armen Landbauern den Rücken stärken kann. Ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die sich dieser Ungerechtigkeit widersetzen und für die Rechte der benachteiligten Bevölkerung kämpfen.
    Liebe Grüße
    Stefan

  4. Lieber Fabian,

    das ist unglaublich, was da passiert. Man muss sich nur einmal vorstellen, so etwas würde hier bei uns passieren. Dein Land ist weg. Dein Nachbar tot. Und keine offizielle Stelle, die dir hilft. Für uns unvorstellbar. Für die Menschen dort traurige Wahrheit. Wenigstens hilft INCUPO und versucht zu einigen, zu vermitteln!

    LG, Uta

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