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Der King Father ist tot

An einem gewöhnlichen Tag spaziere ich an der Riverside am Royal Palace vorbei. Es riecht nach Räucherstäbchen, überall stehen Straßenverkäufer mit Luftballons, Popcorn, Zuckerwatte. Es erinnert mich etwas an einen Jahrmarkt. Die sonst eher touristische Uferpromenade ist voller Kambodschaner, die weiße Hemden und schwarze Röcke bzw. Hosen tragen und man wird als „Barang“ – so wird man hier als Weißer bezeichnet – wieder angestarrt. Vom Tourismus fehlt derzeit jede Spur.

Es ist nun mittlerweile ein Monat her, seitdem der frühere König Kambodchas Sihanouk im Alter von 89 Jahren an Herzversagen gestorben ist. Ganz Kambodscha trauert, die Flaggen sind seitdem 15.10. auf Halbmast gesetzt. Der Royal Palace, in dem sich der König für drei Monate befindet, bevor er nach buddhistischer Tradition eingeäschert und in einer goldenen Urne im Königspalast aufbewahrt wird, ist mit Lichterketten und Blumen verziert.

Tausenende Kambodschaner „pilgern“ täglich zum Royal Palace. Die Menschen sitzen auf Matten vor dem Palast, beten und trauern um ihren alten König, der als schillernde Figur galt. Er griff immer wieder aktiv in die Politik ein und begleitete sein Land ein halbes Jahrhundert durch Kolonialherrschaft, Bürgerkrieg und Demokratisierungsversuche. Der Monarch galt als beliebt beim Volk und wurde als Vater der Nation verehrt. Allerdings war er nur selten in der Lage, für Stabilität in dem südostasiatischen Staat zu sorgen.

Der König wurde von seinem Sohn, dem jetzigen König Norodom Sihamoni, sowie dem Regierungschef Hun Sen aus Peking abgeholt und nach Phnom Penh gebracht. Sihanouk wurde aufgebahrt auf einem riesigen goldenen Wagen durch die Hauptstadt gefahren. Millionen Menschen standen am Staßenrand und trauerten um ihn.

Es war sehr emotional, zu sehen, wie viel der alte König den Menschen bedeutet und wie sehr er in ihr Herz geschlossen ist. Noch immer trauern die Kambodschaner und es ist schade, dass in den deutschen Medien nichts von den Zeremonien ausgestrahlt und nur wenig berichtet wurde.

Autor:

Ich bin Samira, 20 Jahre alt und komme aus Aachen. Nun habe ich mein Abitur in der Tasche und starte ab August mein bis jetzt größtes Projekt: 10 Monate Freiwilligendienst in Kambodscha! Das Projekt, in dem ich arbeiten werde, heißt "Maryknolls Seedling of Hope Project" und betreut HIV-positive Kinder und Jugendliche im Wai-senheim "Little Sprouts" in Phnom Penh.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Samira,

    schön, dass wir duch deinen Eintrag jetzt etwas mehr von diesem König erfahren und welche Bedeutung er für die Menschen in Kambodscha hatte. Es ist ja leider so, wie du selbst schon schreibst: Das interessiert die Presse hier leider null. Ist ja auch keine Sensation, bei der es krasse Bilder zum Senden gibt …

    LG, Uta

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