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Im Schneckentempo rasant in die Katastrophe?

Haben Sie noch Hoffnung, dass wir es schaffen, das Klima zu schützen?“ Diese Frage wird mir häufig bei Vorträgen im Lande gestellt. Um ehrlich zu sein: Ich mag diese Frage nicht… Aber gerade vor Klimaverhandlungen stelle ich sie mir immer wieder selbst. Und die nächste Klimakonferenz beginnt Montag…

Grund zur Hoffnung gibt es: Neben den moralischen Gründen gibt es auch solche, die die Mächtigen interessieren: Technisch ist Klimaschutz machbar. Seit dem so genannten „Stern Report“ 2006 wissen wir, dass es sogar für Industrieländer billiger wird, auf Erneuerbare und Energiesparen zu setzen statt die Kosten von Hitzewellen oder mehr Küstenschutz zu tragen.

Realität überholt Prognosen

Grund zum Zweifeln auch: Denn trotzdem steht das Wohl der Kohle- und Erdölmulits über dem von Millionen von Menschen, denen der Klimawandel die Lebensgrundlage entziehen wird. Leider gibt es aber vor allem immer mehr Grund zu Bangen: Denn die Klimawissenschaft, der ja häufig Übertreibung vorgeworfen worden ist, wird von der Wirklichkeit überholt: Das Eis schmilzt schneller als erwartet, überall spielen die Jahreszeiten verrückter als erwartet, überall gibt es massive Unwetter. Die Weltbank hat gerade letzte Woche dargestellt, dass wir ohne weitere Klimaschutzzusagen und deren Einhaltung auf eine durchschnittlich um vier Grad wärmere Welt zusteuern. Für einige Regionen bedeutet dies einen Anstieg um bis zu 10° Celsius!

Frei übersetzt bedeuten diese Erkenntnisse: Selbst aus dem Weltraum würden die Veränderungen auf dem Erdball bereits 2100 sichtbar sein! Welche Gesellschaft soll sich so schnell an andere Klimazonen anpassen und ganze Städte ins Landesinnere verlegen?

Im Schneckentempo verlaufende Klimaverhandlungen führen im Schweinsgalopp in die Katastrophe. Aber manchmal sind Verhandlungen im Schneckentempo besser als ein Rennen in Sackgassen hinein. Noch haben wir die Chance, wenn in Doha ein  internationales Klimaschutzabkommen bis 2015 weiter entwickelt wird, die Klimaschutzzusagen aller Länder erhöht werden, die Emissionen ab 2015 weltweit endlich dauerhaft sinken, die Wälder geschützt werden und ausreichend Gelder bereit gestellt werden, damit die – auch bei mäßigem Klimawandel gravierenden – Klimaveränderungen bewältigt werden können. Es bleibt ein Fünkchen Hoffnung.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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