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Rettungsaktion in der Wüste

Sitzen 10 Menschen in der Wüste. Ein Großteil der Wasservorräte ist aufgebraucht – Getrunken vor allen von Zweien aus der Gruppe, die nun auch weniger unter der sengenden Sonne leiden als die anderen. Die nächste Oase ist weit. Wie können sich diese Menschen durch eine sinnvolle Verteilung der knappen Wasservorräte zur nächsten Oase retten?

der lange Weg zur Oase...

der lange Weg zur Oase...

Sollen nun die, die wenig getrunken haben am meisten Wasser oder alle von jetzt an gleich viel Wasser erhalten? Oder sollen diejenigen mehr Wasser bekommen, die am meisten getrunken haben, weil sie sich einmal daran gewöhnt haben?

Option 1 scheint am gerechtesten, könnte aber dazu führen, dass alle drauf gehen, weil niemand die Oase erreicht und die Zeit zu knapp wird, um auf Hilfe zu warten. Option 2 könnte den jetzt schon Starken eine kleine Chance bieten, die Oase zu erreichen. Die anderen könnten verdursten. Option 3, die so gar nicht gerecht wirkt, könnte am besten wirken: Die heute starken dürfen noch ein bisschen mehr trinken, damit sie die rettende Oase erreichen.

Das ist allerdings nur gerecht, wenn die beiden dann nicht im Wasser planschen, sondern rechtzeitig Hilfe holen und alle vor dem Ertrinken bewahren. Aber nur so lange, wie es gelingt, die neuen Wasservorräte gerecht aufzuteilen, damit diesmal alle ohne Zwischenfälle den Weg aus der Wüste finden. Das wäre gerecht, weil es am Ende allen hilft.

Dieses Gedankenspiel aus dem Buch „Global, aber Gerecht“, passt einfach wie die Faust auf´s Auge zu den Klimaverhandlungen im Wüstenstaat Katar. Stellen wir uns vor, die Oase ist ein Zeitalter, in dem die Gefahren des Klimawandels gebannt sind.

Stellen wir uns vor, dass das Wasser, das getrunken worden ist, ausgestoßenen Treibhausgasen entspricht. Stellen wir uns vor, dass es viel Kraft bedarf, um die Oase einer kohlenstoffarmen Welt zu erreichen, da neue Technologien und viel Geld nötig sind. Gerechtigkeit im Klimaschutz bedeutet demnach, dass Industrieländer pro Kopf erst einmal noch mehr Treibhausgase als alle anderen Länder produzieren dürfen, wenn sie die Einnahmen und Kraft daraus für die Rettung aller einsetzen – also Technologien und know how entwickeln und mit allen anderen teilen, damit die ganze Welt zum Ende des Jahrhunderts klimafreundlich leben kann. Am Ende steht aber, dass alle Menschen nur sehr wenige Treibhausgase produzieren (oder nur so viel Wasser trinken, wie sie unbedingt brauchen) und jeder die gleiche Menge ausstoßen darf. Außerdem müssen die Verursacher des Klimawandels denen helfen, die unter den Folgen des nicht ganz begrenzbaren Klimawandels leiden.

Genau dies ist der Kern der Klimarahmenkonvention, die 1992 verabschiedet worden ist. Genau dies auszugestalten, ist seitdem Aufgabe der Klimakonferenzen. 2015 soll vereinbart werden, dass und wie diese Oase endlich erreicht werden kann. Die Planung der Rettungsaktion läuft in Doha. Ob sie Erfolg haben wird, wird de facto erst 2015 klar sein, wenn die Emissionen endlich sinken oder eben weiter steigen…

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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