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Was willst du mir eigentlich damit sagen?

Seit ich in Tansania bin sind nicht nur die Sprache, die Menschen und das Land, sondern auch die Bewegungen und die Gesten der Menschen anders. Das hat mich schon viele Male verwirrt und erstaunt. Und jeden Tag lerne ich Neues dazu.

Es fängt schon bei der Begrüßung an:

„Handschlag“

Tansanier haben eine sehr komplizierte Bewegungsabfolge für die Hände bei denen man am Ende die Daumen schnipst. Sie erinnert mich manchmal an die Vielfalt der Handschläge von verschiedenen Cliquen  von deutschen Jugendlichen; hier jedoch kennt jeder dieselbe. Am Anfang musste ich erst einmal lernen, wie man sich den jetzt die Hand gibt, denn das war echt ungewohnt für mich.

„geschnippst“

Wenn ein Jüngerer einen Älteren begrüßt, knickst er manchmal auch noch vor ihm, egal ob Mädchen oder Junge. Während der Gegenüber, der dich begrüßt hat, mit dir redet, hält er die ganze Zeit deine Hand fest, und lässt sie erst los, wenn er fertig ist mit reden. Das war am Anfang schon echt komisch.  Aber hier hat das nicht die Bedeutung von „Händchenhalten“, denn auch befreundete Männer, Frauen und manchmal auch Frauen und Männer halten sich an den Händen, einfach nur, weil sie Freunde sind.

Nach der Begrüßung kommt die nächste Hürde: „Ja“ oder „Nein“ sagen. Die ersten Tage mit den indischen Schwestern waren da äußerst verwirrend, denn Inder wackeln mit dem Kopf von rechts nach links, wenn sie Ja sagen. Das sah und sieht immer noch sehr komische aus und ich wusste wirklich nicht, was sie mir damit sagen wollten. Zum Glück sagt man bei ihnen und den Tansaniern auch „Nein“, indem man den Kopf schüttelt. Doch auch die Tansanier machen etwas anderes für „Ja“: Sie bewegen den Kopf zuerst nach oben und dann nach unten und nicht nach unten und dann nach oben, so wie wir. Die Abkürzung davon ist die Augenbrauenhochzuziehen und ein kurzes „Ehee“ dazu zu sagen.

„Komm her!“

Wenn ich möchte, dass jemand zu mir kommt, wedelt man in Deutschland mit der Hand. In Tansania macht man die Hand stattdessen auf und zu, so wie man manchmal kleinen Kindern winkt. Wenn Maleen oder ich in der Kirche kleinen Kindern gewunken haben, sind sie immerzu uns gekommen, obwohl wir das gar nicht wollten. Wenigstens ist „geh weg“ hier noch dasselbe.

Eine besondere Bedeutung hier hat, für Inder wie Tansanier, die rechte Hand, denn die Linke ist unrein. So essen Kinder wie Schwestern mit Rechts und begrüßen sich auch nur mit dieser Hand.Wenn die Kinder jedoch ein Geschenk bekommen, wie Kekse, halten sie beide Hände hin und knicksen auch manchmal.

Einige Unterschiede habe ich auch im Englischunterricht mit den Kindern festgestellt. Wenn sie aufzeigen und meine Aufmerksamkeit wollen, Schnipsen sie nicht, sondern schlagen irgendwie ihre Finger aneinander, was so ein ähnliche Geräusch wie Schnipsen macht. Die Kinder haben das mir versucht zu zeigen, aber ich habe es nicht hinbekommen.

Wenn man auf etwas zeigt, benutzt man bei uns den Zeigefinger. Nachdem ich das mehrmals gemacht habe, haben die Kinder mich gebeten, damit aufzuhören. Denn wenn man mit dem Zeigefinger vor einem Kind rumwedelt, bedeutet es, dass das Kind etwas Schlimmes gemacht hat, dass man wirklich sauer auf es ist und dass es wahrscheinlich dafür bestraft wird. Ich habe echt nicht gedacht, dass der Zeigefinger so eine starke Bedeutung hat und noch mehr ist als „man zeigt nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute“.

Die größte Verwirrung hat den ständigen Gebrauch der Kinder von der für uns obszönen  Geste „ die flache Hand auf die Faust schlagen“ hervorgerufen. Wir habe nicht verstehen können, warum die Kinder das ständig machen. Bis sie uns erklärt haben, dass diese Geste in Tansania „sehr“ bedeutet und man in einem Gespräch gebraucht, um etwas zu unterstreichen, und nicht so wie wir gedacht haben…

Tellerwaschen

Im Alltag habe ich auch viele typische Gesten beobachten können. Beim Essen zum Beispiel wird mit der rechten Hand gegessen. Dazu wird das Essen erst ein bisschen zusammengematscht

„Essensgeste“

und je nach Konsistenz zu einer Kugel geformt und dann in Soße getunkt (z.B. beim klebrigen Ugali) oder zusammengedrückt und zwischen Daumen und den restlichen Fingern möglichstschnell in den Mund befördert (z.B. bei Reis mit viel Soße). Wenn ich versuche, so zu essen, verliere ich meistens die Hälfte auf dem Weg und brauche insgesamt sowieso viel länger als die Kinder. Übung macht den Meister! Beim Abwasch dann wird Wasser aus einem Eimer mit einer zur Kule geformten Hand geholt und auf dem Teller ausgeleert. Auch das klappt noch nicht so gut, denn das Wasser will nicht so richtig in meiner Hand bleiben. Aber auch das werde ich noch lernen.

Das sind einige Gesten und Bewegungen, die mit bisher aufgefallen sind und die ich gelernt habe. Aber es kommen bestimmt noch welche dazu. Viele benutze ich schon täglich im Umgang mit Menschen, wie „Ja“ sagen auf Tansanisch. Dabei vermixe ich, was Tansanier und Inder machen. Nur das Kopfwackeln der Inder bekomme ich nicht hin, davon bekomme ich Nackenschmerzen. Wenn ich wieder in Deutschland bin, wird keiner mehr verstehen, was  ich ihm sagen will. Und ich glaube, ich werde dann auch verwirrt sein, weil die Kinder plötzlich nicht mehr kommen, wenn ich „winke“, sondern zurückwinken.

Autor:

Ich bin Dorothea, 18 Jahre alt, und habe in diesem Sommer mein Abitur gemacht. In den nächsten 10 Monaten werde ich in Dar es Salaam bei den indischen Schwestern der "Daughters of Mary Immaculate DMI“ leben und sie bei ihrer Arbeit begleiten. Sie leiten ein Kinderheim für Mädchen, mit denen ich ihre Freizeit gestalten werde.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Dorothea,
    das sind starke Erfahrungen, die dein Leben noch lange begleiten werden! So habe ich es auch bei mir gemerkt. Sogar in meinem Beruf als Fitnesslehrerin sind solche Erfahrungen viel wert, weil wir ja schon in einer multikulturellen Gesellschaft leben und ich so noch besser auf meine Schüler eingehen kann.
    Ich wünsche dir viele solch guter und Horizont-erweiternden Erlebnisse. Und auch viel Mut, den es sicherlich dazu braucht!

    Schöne Grüße aus Bielefeld
    Klara

  2. Liebe Doro,

    das ist interkulturelle Kommunikation pur!!! Viel Spaß beim weiteren Entschlüsseln der vielen verschiedenen Gesten …

    LG aus Aachen, Uta

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