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Frauen-Abteile in der Metro

Nach Vergewaltigung und Ermordung von Studentin in Delhi: MISEREOR-Partnerorganisation Jagori steht an der Spitze der indischen Protestbewegung.

Stiller Protest © Ramesh Lalwani via Wikimedia Commons/flickr

Stiller Protest © Ramesh Lalwani via Wikimedia Commons/flickr

Nach der weltweit mit Bestürzung aufgenommenen Vergewaltigung und Ermordung einer 23-jährigen Studentin  in einem Bus in Neu-Delhi gibt es in Indien zumindest Anzeichen dafür, dass Frauen künftig besser gegen Gewalt, sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Benachteiligung geschützt werden. Auch könnte nach diesem außergewöhnlich brutalen Verbrechen und den sich anschließenden Massenprotesten bei vielen Männern des Subkontinents – was ihren Umgang mit Frauen betrifft – ein Umdenken einsetzen.

MISEREOR-Partnerorganisation an der Spitze des Protests

Dass sich offenbar etwas bewegt, ist nicht zuletzt der Organisation Jagori mit ihrem Trainings-, Dokumentations- und Kommunikations-Zentrum für  Frauen zu verdanken. Jagori ist seit vielen Jahren Partnerorganisation von MISEREOR und steht mit anderen Akteuren an der Spitze des Protests, der nach der Gewalttat im Bus rasch und in ungeahntem Ausmaß auf den Straßen Neu-Delhis einsetzte.  Jagori setzt sich für die Rechte von Frauen ein, ermöglicht ihnen Bildung, bietet Gewaltopfern Schutz und Beratung und kämpft auf politischer Ebene gegen Gewalt und Benachteiligung.

Die Pressesprecherin der Organisation, Kalpana Viswanath,  hat registriert, dass viele indische Frauen sich mittlerweile stärker zur Wehr setzen. „Sie sind sich ihrer Rechte mehr bewusst und wollen deshalb die Gewalt nicht mehr einfach ertragen.“ Schließlich sind elementare Frauenrechte seit langem in der indischen Verfassung verankert. Tatsächlich werden sie aber erschreckend häufig und in mitunter grotesker Weise missachtet. So geschieht es nicht selten, dass Frauen, die etwa eine Vergewaltigung angezeigt haben, von Polizei und Justiz entweder nicht ernst genommen oder so lange ohne Gerichtsverfahren hingehalten werden, bis das Verbrechen verjährt ist. Auch gibt es immer noch indische Politiker, die allen Ernstes behaupten, Frauen würden sexuelle Gewalt durch das Tragen bestimmter Kleidungsstücke oder Verhaltensweisen provozieren. Anna Dirksmeier, Länderreferentin von MISEREOR, berichtet, dass trotz anderslautender Gesetze indische „Frauen in der Realität vor häuslicher Gewalt und vor Übergriffen von fremden Männern im öffentlichen Raum nicht geschützt“ würden.

Proteste in Bangalore © JimAnkan Deka via Wikimedia Commons

Proteste in Bangalore © JimAnkan Deka via Wikimedia Commons

Es bleibt noch viel zu tun

Jagori hat sich 1984 als indische Frauenbewegung gegründet und beteiligt sich unter anderem an der Kampagne „Making cities safer“ , in deren Rahmen zum Beispiel Notrufnummern verteilt , Polizeibeamte und Sozialämter sensibilisiert und Medien über die Gewaltproblematik informiert werden. Auch hat Jagori eine Hotline für geschlagene oder vergewaltigte Frauen eingerichtet, begleitet Betroffene zur Polizei und setzt sich für deren Sicherheit im eigenen Lebensumfeld ein, damit zum Beispiel misshandelnde Männer per einstweiliger Verfügung am Zutritt der Wohnung gehindert werden können.

Die Organisation kämpft momentan auch für öffentliche Frauen-Toiletten und hat bereits erreicht, dass in Metro-Zügen bestimmte Abteile Frauen vorbehalten bleiben.

Indien steht vor einem noch sehr langen Weg, bis die Frauenrechte insgesamt deutlich verbessert werden. Denn die Diskriminierung zieht sich durch viele Lebensbereiche. So verdienen Frauen in der Regel deutlich weniger als Männer, und es gibt für sie weit weniger Jobangebote, so dass sie oft gezwungen sind, Jobs unter ausbeuterischen Bedingungen anzunehmen. Auch würden frauenspezifische Bedürfnisse und Interessen bei der Planung von öffentlichen Einrichtungen und der Infrastruktur sowie bei staatlichen Entwicklungsprogrammen kaum berücksichtigt, beklagt MISEREOR-Referentin Anna Dirksmeier.

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Die Unterstützung der Frauenrechtsorganisation kann man nur begrüßen.Es darf nicht sein, dass solche Taten weiterhin geschehen, sondern es müssen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene Lösungen gefunden werden. Ich kannte Jagori zuvor noch nicht, aber finde die Aktionen toll und mutmachend. Leider sind die Verhältnisse für Frauen traditionsbedingt immer noch sehr schlecht, auch wenn ihnen auf der gesetzlichen Ebene Gleichheit zugesichert wird. Man muss diese überholten Denkweisen aus den Köpfen der Männer bekommen und dabei helfen Aufklärungskampagnen und Solidaritätsaktionen unter Frauen, um Signale zu setzen. Auch die Sensibilisierung der Bevölkerung zum Beispiel mit Hilfe von Medien ist vielversprechend und ein wichtiger Schritt, um eine Diskussionen über diese Denkmuster in Gang zu bringen.

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