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David gegen Goliath. Ein Kampf um die Würde

Es ist ein Drama. Still und leise, fern von der Weltöffentlichkeit spielt es sich in Paraguay ab: Der Kampf der Kleinbauern gegen die Expansion von Soja-Monokulturen kann die Schlagzeilen von den Krisen um Euro und Wirtschaft nicht bezwingen. Dabei hat das Drama auch mit uns zu tun.

MISEREOR-Partner Juan Báez und Regisseur David Bernet bei der Filmvorführung in Recklingausen.

MISEREOR-Partner Juan Báez und Regisseur David Bernet bei der Filmvorführung in Recklinghausen.

Von oben, von unten und auf Augenhöhe – die Kamera nimmt das gigantische Ausmaß der Sojafelder in den Blick. Überall wächst das Getreide. Es sind eindringliche Bilder, die der Dokumentarfilm „Raising Resistance“ aus Paraguay zeigt. Von idyllischer Natur keine Spur. Die Sojafelder in Südamerika entsprechen einer Größe der Europäischen Union. „Soja ist eine Bombe“, erklärt der Kleinbauer Gerónimo Arevalos im Film. Auch MISEREOR-Partner Juan Báez sieht die Gefahr: „Die Kleinbauern bei uns stecken in einer so ungerechten Lage, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis die Situation explodiert.“ Juan Báez sieht „Raising Resistance“ zum ersten Mal bei seinem Besuch in Deutschland anlässlich der MISEREOR-Fastenaktion.  Doch die Protagonisten im Film kennt er persönlich, ihre Situation und ihr Widerstand ist der seine. Báez arbeitet als Agraringenieur der Sozialpastoral in der Diözese Coronel Oviedo und ist für die Kleinbauern und Indigenas eine erste Anlaufstelle. Báez ist beeindruckt von dem Film von David Bernet und Bettina Borgfeld. „Genauso ist es“, sagt er besorgt. Mut ist, sich von den Mächtigen nicht ausgrenzen zu lassen Paraguay ist der viertgrößte Sojaexporteur weltweit. Das eiweißreiche Getreide für Futtermittel, Lebensmittel und Agrarkraftstoffe bringt Megagewinne für Großgrundbesitzer und große internationale Konzerne wie Cargill aber auch für Börsenspekulanten. Die Kleinbauern und indigenen Gemeinschaften gehen dabei nicht nur leer aus, sie werden überrollt! Ihre Ernte wird innerlich zersetzt durch aggressive Pflanzenschutzmittel, die von Traktoren auf die Sojafelder versprüht werden. Entrinnen unmöglich. Gesundheitsprobleme, Fehlgeburten oder Todgeburten sind weitere Folgen. Unsichtbares Gift für das viele mit ihrem Leben bezahlen. „Da es die Armen betrifft, zeigt niemand die Fälle an“ , so Báez. „Die Ärzte sprechen immer nur von den sekundären Konsequenzen. Niemand spricht davon, dass sie durch das Gift krank geworden sind.“ In seiner Stimme ist seine Entrüstung herauszuhören. „Sie haben Angst“, fügt er hinzu. Doch viele Kleinbauern und Indigenas haben Mut! Sie wehren sich gegen Goliath, gegen ein System von Landwirtschaft, dass für sie und ihre Lebensentwürfe keinen Platz lässt. Die Kirche von Coronel Oviedo kämpft mit ihnen für ihre Rechte. So zeigt Báez ihnen die Möglichkeiten einer nachhaltigen Landwirtschaft.  Vielfalt ist das Ziel. Während des ganzen Jahres kann eine Fülle von Nahrungsmitteln geerntet werden – Ernährungssicherheit für die Familie. „Die Sojaleute werfen uns vor, dass das nicht rentabel ist. Sie behaupten Soja und ihr System wäre das einzig wahre“, erklärt Báez,  „wir beweisen ihnen das Gegenteil!“  Das ist Widerstand! Ihr Widerstand kennt viele Formen

Das Gift ist überall. Foto:Kopp/MISEREOR

Das Gift ist überall. Foto:Kopp/MISEREOR

Der Traktor wirkt riesig im Film. Vielleicht auch, weil sich vor unsere Traktoren keine Menschen stellen und sie an der Weiterfahrt hindern. „Ich spüre eine innere Kraft wenn ich zusammen mit einer Gruppe von Campesinos einen Traktor anhalte, um das Versprühen von Pestiziden zu stoppen! Ich fühle eine Wut und man will unbedingt mehr erreichen“, erzählt Báez, „doch dann muss man sich besinnen und schauen bis wohin was möglich ist.“ Friedlich muss der Widerstand bleiben, nur so haben sie eine Chance. Den Stopp erlaube das Gesetz. Aber nur soweit. Dann muss die Polizei kommen, um zu vermitteln. Meistens schickt sie beide Parteien nachhause. Dann folgt das eigentliche Prozedere. Doch Staatsanwaltschaft, Richter und Polizei seien nicht auf ihrer Seite, sondern oft gekauft, so Báez. International: Politischen Druck ausüben Der Widerstand bleibt ein Wechselbad der Gefühle. Fortschritte und Rückschritte dicht beieinander. „Es geht um alles oder nichts“, sagt ein Campesino im Film. Auch das Team der Sozialpastoral lässt sich nicht unterkriegen und versucht das Bewusstsein in der Bevölkerung für den Konflikt zu schärfen: Theaterstücke, Versammlungen und öffentlichkeitswirksame Treffen. Denn es ist unmöglich aufzugeben! Denn was dann? Wohin gehen? Auch international könne Druck auf die paraguayische Regierung ausgeübt werden, glaubt Báez. Deutschland oder die Europäische Union könne zum Beispiel die Verletzung der Menschenrechte auf die Tagesordnung heben. „Es geht nicht nur um Land, sondern es geht auch um die Würde der Menschen“, meint Regisseur David Bernet. „Raising Resistance“ endet mit der Autofahrt von Gerónimo Arevalos und Juana Gonzalez nach Asunción, um dort erneut für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Hoffnung liegt in der Luft, aber eine bedrückende Stille bleibt. Der Trailer von „Raising Resistance“: YouTube Preview Image

Autor:

Annika Sophie Duhn arbeitet als Bildungsreferentin bei MISEREOR.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: movie in theater

  2. Der Film bewegt, macht wütend und unruhig! Die einzelnen Aussagen der Protagonistinnen und Protagonisten bleiben unkommentiert nebeneinander stehen. Und sagen doch alles! Nun ist der Film auch als DVD im Handel erhältlich und eignet sich super für die Bildungs-Arbeit; auch für ältere Schülerinnen und Schüler; vielleicht in Form eines Diskussions-Kinos?

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