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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag!

Am 20. Juni ist UN Weltflüchtlingstag. Anlass für die größte Veranstaltung des Jahres am Bangkok Refugee Center. Es gibt Tanz, Gesang, Aktivitäten, Eis – sprich eine große Party. Doch warum einen Flüchtlingstag feiern? Tag des Friedens,Tag der Kulturen, Tag der Kinder, das leuchtet alles ein, doch was gibt es am Flüchtlings-Dasein zu feiern? Das habe zumindest ich mich gefragt, als ich zum ersten Mal davon hörte. Doch es macht Sinn:

Weltflüchlingstag 2013

Weltflüchlingstag 2013

Der Weltflüchtlingstag wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um den Mut, die Stärke und Entschlossenheit von Flüchtlingen, Asylsuchenden, Staatenlosen und Binnenvertriebenen, die gezwungen waren ihre Heimat unter der Angst von Verfolgung, Konflikt und Gewalt zu verlassen, anzuerkennen und würdigen.

Heute gibt es ca. 43.7 Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene auf der Welt. Menschen, die gezwungen waren, ihre Heimat wegen politischer Unruhen und Krieg zu verlassen, die verfolgt wurden auf Grund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Ethnie, ihres Geschlechts….es gibt viele Gründe.

Was sich für Flüchtlinge bekannt anhört, ist für die meisten von uns noch immer so unfassbar. Man stelle sich eine ganz einfache Geschichte vor, die so jeden Tag auf dieser Welt passiert und von der ich auch hier im Bangkok Refugee Center so oft höre:

Man hat Familie, Kinder, eine gute Arbeit, sprich ein ganz normales Leben. Doch man gehört zu einer nicht geduldeten Minderheit. Vielleicht ist man Moslem in einem buddhistischen Land, vielleicht Christ in einem Muslimischen. Vielleicht gehört man zu einer politischen Partei, die nun in der Opposition verfolgt wird. Vielleicht entsteht ein Bürgerkrieg. Das normale Leben gerät zunehmend in Schieflage. Der Vater verliert seine Arbeit, die Kinder dürfen nicht mehr zur Schule gehen, man ist nicht mehr Teil der Gesellschaft. Ein ganz normales Leben wendet sich um 180 Grad in einen alltäglichen Kampf, seinen Lebensstandard beizubehalten, Anerkennung zurück zu gewinnen, vielleicht auch einfach nur, um zu überleben. Du bist verängstigt, sorgst dich um deine Familie, bist unsicher, du verlierst die Hoffnung auf Besserung, du weißt nicht wie es weiter gehen soll. Du musst dich entscheiden, wie es weiter geht, was ist das Beste für dich und für deine Familie? Doch nicht immer ist die Flucht und die Ankunft in einem neuen Land ein Segen: kein Geld, keine Unterkunft, keine Schule. Man sollte sich keine Illusionen machen: Immer noch landen tausende Flüchtlinge weltweit im Gefängnis bei dem Versuch, in einem neuen Land Asyl zu beantragen. Auch hier bei uns in Europa. ( 1. Beispiel: Neue EU-Richtlinie zu Asylsuchenden -Flüchtlinge landen hinter Gittern, taz, 15.1.2013 –  2. Beispiel: Video: Keine Flüchtlinge in die Zelle (Sprache: NL/ENG)

1 family torn apart by war is too many - Estelle_Brandt

1 family torn apart by war is too many – Estelle_Brandt

Ich habe Geschichten gehört von Söhnen, die alleine fliehen mussten, um so ihre Familie zu Hause zu schützen, von Familien, die nicht flüchten wollten, bis der Vater ermordet wurde, von Familien, die auf dem Weg zum befreienden Flughafen getrennt wurden, von manchen Familien, die nicht genug Geld hatten, um zusammen fort zu gehen. Es gibt viele Gründe dafür, dass es hier nur wenige intakte Familien gibt. Ich habe vor allem viele allein erziehende Mütter in meiner Zeit in Bangkok kennengelernt. Manche verloren ihren Mann im Krieg, manche wurden inhaftiert, manche wissen gar nich, wo er heute lebt, wenn er denn noch am Leben ist.

Aus diesem Grunde handelt das diesjährige Thema zum Weltflüchtlingstag von Familie. „1 family torn apart by war is too many“ ist das weltweite Motto. In einer Minute kann eine Familie durch Krieg zerrissen werden, in einer Minute kann ein Kind von den Eltern getrennt werden, in einer Minute kann ein Lebenswerk zerstört werden.

Am Weltflüchtlingstag sollten auch wir in Deutschland nicht vergessen, dass irgendwann in der Zukunft einer von uns an die Tür von einem Fremden klopfen könnte, um eine sichere Unterkunft zu finden. Wir sollten Flüchtlingen also genau das entgegenbringen, was wir gerne erfahren würden, wenn wir einmal in dieser Position sein sollten: Würde und Respekt.

Was wir also am Weltflüchtlingstag hier im Bangkok Refugee Center genau feiern? Mut, Frieden, Würde, Stärke, die Vielfalt der Kulturen, die Heimat, die niemand vergessen sollte, die Hoffnung auf eine Zukunft. Und ich, ich feier mit und werde wiedereinmal erinnert, wie viel Glück ich habe.

‚No one chooses to be a refugee‘, niemand sucht es sich auch aus, aber treffen kann es jeden.

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Autor:

Ich bin Katharina Koller und habe 2012/13, im Rahmen des MISEREOR-Freiwilligendienstes, für COERR (Catholic Office for Emergency Relief and Refugees) in Bangkok und an der thailändisch-burmesischen Grenze mit Flüchtlingen zusammengearbeitet.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Katha,

    es ist so gut, dass du bzw. auch andere Freiwillige immer wieder auf solche Themen aufmerksam macht. Das geht ja in unserem schönen deutschen Alltag so was von unter. Klar, man hört viel im Radio, Fernsehen und so. Und im Grunde weiß es auch jeder. Aber: Wir sind keine Flüchtlinge und die Wahrscheinlichkeit, dass wir welche werden, ist für uns vollkommen absurd, also auch nicht interessant. Aber wer weiß. Vielleicht kommt ja irgendwann alles mal anders. Und dann erinnern wir uns daran, dass uns die 43,7 Millionen Menschen mehr oder weniger egal waren. Und wir wären es als Flüchtlinge dem Rest der Welt dann auch …

    LG und bis bald. Uta

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