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Was am Ende bleibt ist „Danke“ zu sagen….

Im Mai 2012 saß ich mit meinen zukünftigen Mitfreiwilligen bei unserem Vorbereitungsseminar in Köln zusammen und wir lasen berührt den Abschiedsblog von unserer Vorgängerin Laura. Soviel Gefühl, so viele Gedanken waren in diesem Text verpackt und wir konnten uns nur schwer vorstellen, wie es uns ein Jahr später ergehen würde, waren wir doch gerade erst dabei unsere Packliste aufzustellen.

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Wenn man Kindern erst einmal ausmalen beibringen muss….

Ein Jahr später heißt es wieder packen. Die Zeit ist gekommen Abschied von meinem Freiwilligendienst in Thailand zu nehmen. Es ist so schwer die richtigen Worte zu finden, dabei habe ich doch so viel, was ich noch gerne loswerden möchte. Wie sehr mich das letzte Jahr berührt hat, wie sehr ich die Erfahrungen wertschätze, wie sehr ich die Menschen hier vermissen werde. So sehr ich mich auch auf Deutschland, auf meine Familie und auf meine Freunde freue,  es fällt mir schwer Abschied zu nehmen. Es war nicht immer einfach und bestimmt kein Zucker schlecken und doch habe ich das Gefühl, gerne noch länger bleiben zu wollen.

Und jetzt? Was bleibt? Was hat mich verändert? Was konnte ich verändern? Was wird sich verändern? Wurden meine Erwartungen erfüllt? Fragen über Fragen, so schwer zu beantworten, so verwirrend die Gedanken, so leer der Kopf…

Ich kam nach Thailand, um nach meinem Studium politisches Interesse mit praktischem Handeln zu verbinden, um Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit zu sammeln. Ich kam auch nach Thailand, um die thailändische Kultur kennen zu lernen, um mit Thais in Kontakt zu kommen, um Thailändisch zu lernen. Das war eher nicht so einfach und ob ich dies, vor allem letzteres, wirklich geschafft habe, ist eher fraglich. Doch was auf jeden Fall übertroffen wurde, ist die Reaktion und Arbeit mit Flüchtlingen.

Für alles, für sehr lehrreiche zehn Monate, bleibt mir nur Danke zu sagen: 

Danke, dass ich die Chance hatte, zehn Monate ein Land zu erleben, dass andere nur aus dem Urlaub kennen und das so atemberaubend facettenreich ist. Von internationaler Großstadt über Bergdörfer, von Küste, Strand und Palmen, bis zu farbenprächtigen Tempelanlagen und Reisfeldern in den Bergen.

Danke, dass Misereor mir diese Chance ermöglicht hat, immer ein offenes Ohr hatte und ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe.

Danke, dass aus meinen drei Mitfreiwilligen gute Freunde wurden, die mit mir durch dick und dünn gegangen sind und die ich sehr lieb gewonnen habe.

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Das Bangkok Refugee Center überfüllt am World Refugee Day

Danke für eine Erfahrung, die zwischen Kleinstadt und Millionenmetropole, burmesischen Flüchtlingscamp und internationalen städtischen Flüchtlingen unterschiedlicher nicht hätte sein können.

Danke, an alle Geflüchteten:

Danke, dass ihr im burmesischen Camp nicht, wie befürchtet, direkt vor mir weg gerannt seid, sondern mir ein Lachen geschenkt habt.

Danke, dass ihr mir generell gezeigt habt, wie viele Türen ein Lächeln öffnen kann.

Danke, dass ihr mich in Bangkok so offen empfangen habt und mir ohne Vorurteile begegnet seid.

Danke, dass ihr Kinder mich als ‚Teacher Katha’ akzeptiert und mir gezeigt habt, dass Schule und Unterrichten jede Menge Spaß machen kann und wie wichtig eine Schulbildung ist. Nicht nur des Lernens willen, sondern auch für die soziale Entwicklung.

Danke, dass mir bewusst wurde, wie wichtig auch eine künstlerische Erziehung ist und wie selbstverständlich diese vorher für mich war.

Danke, dass ich durch euch lernen durfte, was Geduld ist. Dass man oftmals nichts weiter machen kann als abwarten und wie man dabei trotzdem nicht verrückt wird.

Danke, dass ihr mit mir euer Essen geteilt und mich jedes Mal vor Innereien und der Überdosis Chili gewarnt habt.

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Mittlerweile wohnen die Neu-Holländer schon einen Monat in ihrem neuen Zuhause

Danke, dass ich durch euch das Gefühl habe, nicht nur Thailand sondern auch Pakistan, Sri Lanka, Myanmar, Palästina, China, Vietnam, Laos, Somalia, Sudan, Afghanistan, Irak, Syrien, dem Kongo und vielen anderen Ländern dieser Welt näher gekommen zu sein.

Danke, dass ich in euren Augen nicht  nur die ‚Farang‘ war, die reiche Weiße aus dem Westen, sondern ihr mich als Person und nicht als Geldquelle wahrgenommen habt.

Danke, dass ihr mit mir über so manche Thaisitte gelacht habt, was mir zeigte, dass ich hier nicht die einzige Ausländerin bin.

Danke, dass ihr offen ward für Fragen und mir von eurem Leben, eurer Sprache und eurer Kultur berichtet habt.

Danke, für das Austauschen von Kartoffelsalat gegen Roti, für die Tanzstunden in traditionellen Panjabi und Sri-lankischem Tanz, für die spaßigen Unterrichtseinlagen in Urdu, Tamil und Arabisch.

Danke, dass auch ihr mal nach mir, nach Deutschland, nach meinem Leben gefragt habt und am fernen Europa interessiert ward.

Danke für all die Lieder, Karten und Geschenke zu meinem Geburtstag, über die ich mich sehr gefreut habe, obwohl ich nicht wusste, ob ich diese annehmen kann. Ihr habt mir gezeigt, dass es eine Wertschätzung ist und dass es von Herzen kam.

Danke für die Bilder und die Briefe zum Abschied, die ich nicht erwartet und mich wahnsinnig gerührt haben.

Danke, dass ihr mich so oft zum Lachen gebracht habt und gerade zum Weinen, wenn ich daran zurück denke.

 

Nandri, Es-thu-thi, shukria, shukran, mahadsanid, xie xie, merci, cè-zù tin-ba-deh, Ta-blut doe mah, Khop khun kha!

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Fünf Mitarbeiter, fünf verschiedene Nationen

 

 

Autor:

Ich bin Katharina Koller und habe 2012/13, im Rahmen des MISEREOR-Freiwilligendienstes, für COERR (Catholic Office for Emergency Relief and Refugees) in Bangkok und an der thailändisch-burmesischen Grenze mit Flüchtlingen zusammengearbeitet.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Katha,

    du findest genau die richtigen (Dankes9Worte. Ich bin so unglaublich dankbar für dieses Jahr, so sehr dass ich gar nicht ausdrücken oder erklären kann. Es war eine unglaubliche Chance für uns, und vor allem auch aus den schweren Momenten habe ich im Nachhinein sehr viel gelernt.

    Bis ganz bald, ich freue mich auf viel Gequatsche in Aachen!

    P.S. Ein bisschen Tamil habe ich auch in Tansania gelernt=)

  2. Liebe Katha,

    du hast deinen Freiwilligendienst ganz toll zusammen gefasst und es sehr schön beschrieben. Ich beneide dich um die ganzen Erfahrungen, die du gemacht hast und freue mich darauf, dich in ein paar Tagen wiederzusehen und dann persönlich mit dir darüber zu sprechen. Nach dem Abschied nehmen kommt ja jetzt auch wieder das Ankommen bzw. Zurückkommen nach Deutschland.

    Liebe Grüße, Uta

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