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„Bald vermieten wir unsere Jeans“ – Ein Besuch auf der Fairtrade-Messe Dortmund

Die Fairtrade-Messe räumt mit dem eingestaubtem „Öko-Image“ auf und zeigt, wie viele innovative Ideen auf dem fairen Marktplatz zu finden sind. Gleichzeitig wird klar, wo aktuelle Probleme und Grenzen liegen.

Körbe, vegane Schokolade und „affige“ T-Shirts

“Öko-Image”  war gestern. Die Fairtrade-Messe  zeigt, wie viele innovative Ideen auf dem fairen Marktplatz zu finden sind.

“Öko-Image” war gestern. Die Fairtrade-Messe zeigt, wie viele innovative Ideen auf dem fairen Marktplatz zu finden sind. © Annapia Debarry

Zwischen dem 5. und 7. September fand in Dortmund die größte Messe rund um den fairen Handel „Fa!rtrade – Fairtrade&Friends“ statt. Hier konnte man zahlreiche Produkte aus den Bereichen Kunsthandwerk, Lebensmittel und Textil bestaunen und erwerben. Auch kulinarisch gab es etwas zu erleben: Bio-Currywurst, vegetarische Gerichte aus verschiedenen Ländern Afrikas oder komplett vegane Schokolade machte die Messebesucher satt und neugierig. Die Schwerpunktländer der diesjährigen Messe verteilten sich auf dem Süd- und Südostasiatischen Kontinent. Korbwaren aus Bangladesch, Strickwaren aus Nepal oder gewebte Taschen aus Thailand sind nur einige Objekte, die als klassische Produkte des fairen Handels vertreten waren. Daneben präsentierten sich auch Aussteller, für die sich sicherlich auch viele junge Besucher der Messe begeistert haben dürften. Bei so einigen Jungunternehmern war ein neuer Geist zu spüren, der sich nach innovativen Ideen zu sehnen scheint. Faire Mode stand dabei im Mittelpunkt. So zeigte beispielsweise „ajoofa“, wie nachhaltige Mode aussehen kann: Die fair und bio zertifizierten T-Shirts der Firma werden von Orang-Utans in deutschen Zoos designt. So entstehen Beschäftigungsmaßnahmen für die Tiere in Deutschland. Gleichzeitig werden Tierschutzprojekte in den Heimatländern der Orang-Utans unterstützt. Andere junge Unternehmen verbinden den Gedanken der fairen und nachhaltigen Produktion auch mit gesunder Ernährung. Das Mainzer Team der Firma „AiLaike“ produziert Eistee mit fairen und biologischen Produkten, der durch rein pflanzliche Süße überzeugen soll.

Bio gleich fair? – Differenzen aufzeigen

Bio und fair liegt im Trend, auch im Bereich Stoffe und Mode. © Annapia Debarry

Bio und fair liegt im Trend, auch im Bereich Stoffe und Mode. © Annapia Debarry

Um an faire und nachhaltig produzierte Produkte zu gelangen, muss der Konsument heute nicht mehr in den Eine-Welt-Laden gehen. Es reicht der örtliche Supermarkt oder Discounter. Selbst große Modeketten sind längst auf den Zug aufgesprungen und präsentieren regelmäßig nachhaltige Kollektionen in den Läden. Bio und fair liegt im Trend. Daraus ist auch ein Dschungel aus verschiedenen Labeln entstanden, die anzeigen sollen, wie fair und bio Produkte sind. Dass der Kunde dabei oft in die Irre geführt wird, zeigte die Verbraucherzentrale NRW. Hier konnte man herausfinden, welche Zertifizierung hinter den einzelnen Gütesiegeln steckt. Wie hoch ist der Anteil an fair gehandelten Inhaltsstoffen eines Schokokekses? Was bedeutet das Kleingedruckte auf den Packungen? Schnell wird auch klar, dass viele Verbraucher nicht zwischen Bio- und Fairsiegeln unterscheiden, es gravierende Unterschiede bei den vielen Gütesiegeln gibt und das Wissen um faire und biologische Produkte noch mehr Aufklärung braucht.

Tauschen, Teilen, Leihen – Der „virtuelle Flohmarkt“

Der Besuch der Fairtrade-Messe hat aber gezeigt, dass der Weg zu einer fairen, ressourcen- und umweltschonenden Konsumkultur noch weit ist.  © Annapia Debarry

Der Besuch der Fairtrade-Messe hat aber gezeigt, dass der Weg zu einer fairen, ressourcen- und umweltschonenden Konsumkultur noch weit ist. © Annapia Debarry

Der Besuch der Fairtrade-Messe hat aber gezeigt, dass der Weg zu einer fairen, ressourcen- und umweltschonenden Konsumkultur noch weit ist. – See more at: https://blog.misereor.de/2013/09/10/bald-vermieten-wir-unsere-jeans-ein-besuch-auf-der-fairtrade-messe-dortmund/#more-10206

Neben den Austellern auf der Fairtrade-Messe gab es auch viele Vorträge und Workshops, die als Diskussionsforen und Raum für Fragen nicht nur dem Fachpublikum zur Verfügung standen. Vielfältige Themenbereiche fanden hier Platz. Es ging um Postwachstumsökonomie, Zertifizierungsstrategien oder nachhaltigen Tourismus. Immer wieder rückten neue Ansätze einer nachhaltigen Wirtschaft in den Mittelpunkt. So auch im Vortrag zur „Shared Economy“, einer neuen Konsumkultur, die auf Tauschen, Teilen und Leihen basiert. Betrachtet man den ökologischen Fußabdruck eines durchschnittlichen Verbrauchers der Mittelschicht, so verbraucht dieser drei Planeten. Bei der „Shared Economy“ geht es um die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks durch Tauschen, Teilen und Leihen zwischen einzelnen Konsumenten, aber auch größeren Unternehmen. Die Jeans wird vermietet, das Auto geteilt, das T-Shirt gegen eine Tasche getauscht. Selbst Lebensmittel werden hier eingebunden – Tauschplattformen für übrig gebliebene Esswaren sollen der Lebensmittelverschwendung Einhalt gebieten. Es soll auch bezwecken, die „Wegwerfgesellschaft“ wieder an den Wert langlebiger Produkte heranzuführen. Aber was ist neu? Auf dem Flohmarkt haben schließlich schon unsere Großmütter eingekauft. Die „Shared Economy“ setzt sozusagen am „virtuellen“ Flohmarkt an. Durch das Internet erhält das Konzept eine Massenmarktfähigkeit, die auch dem Aufbau sozialer Kontakte führen kann. Auf diesem Weg können Gleichgesinnte „offline“ gehen und sich im realen Raum für eine ressourcenschonende Konsumkultur einsetzen.

Nachhaltiger Konsum heißt auch: Verzicht

Konzepte wie die „Shared Economy“ machen bereits klar, dass eine nachhaltige und faire Konsumkultur auch Verzicht bedeutet. Der Besuch der Fairtrade-Messe hat mir noch einmal vor Augen geführt, dass jenes Wort für viele ein Dorn im Auge ist. Aufgewachsen in einer Kultur des Konsums, können sich viele von uns nicht davon lösen, ständig neue Dinge zu erwerben. Besitz bedeutet Reichtum. Doch wie langlebig ist dieses Konzept in einer Welt, in der Güter völlig ungleich verteilt sind? Ist der eigentliche Reichtum nicht, Teilen zu können? Wie fair kann ein Produkt sein, das als Massenware in jedem Discounter erhältlich ist? Diese Fragen bleiben wohl zunächst noch unbeantwortet. Immerhin lautet mein Fazit: Wir sind auf dem richtigen Weg. Der Besuch der Fairtrade-Messe hat aber gezeigt, dass der Weg zu einer fairen, ressourcen- und umweltschonenden Konsumkultur noch weit ist.

Autor:

Annapia Debarry studiert Geographie an der Universität Bonn. Im Rahmen ihrer Masterarbeit forscht sie derzeit in Kooperation mit der NGO METTA Development Foundation zum Thema Ernährungssicherung, Landzugang und kommerzielle Landwirtschaft im südlichen Shan Staat in Myanmar.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Artikel über die Messe, bin grad darüber gefallen. 😉

    Ich würd dem Fazit glatt zustimmen, die Richtung stimmt, aber wir nicht endlich lernen, Verzicht zu üben, wir der Weg noch laaaange dauern… Deshalb blicken wir auch mit Argwohn auf Textil-Discounter, in denen Leute säckeweise Klamotten raustragen. Wir versuchen, unseren Teil für eine Verbesserung beizutragen, immerhin!

  2. Wirklich klasse Artikel…. war dieses Jahr auch auf der Fair Trade Messe und finde es schön in was für eine Richtung es langsam geht, ich hoffe das wird noch mehr ausgebaut !! Was mir aber gefehlt hat war das kulinarische Angebot, da ist noch sehr viel Luft nach oben, hätte gerne mehr probieren können, da gibt es ja genügend Produkte !

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