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Lehrer zu sein ist gar nicht so einfach….

Das Unterrichten nicht einfach ist, das wusste ich. Aber das es doch so anstrengend sein kann, war mir nicht ganz klar. Eine meiner Aufgaben hier im Bangkok Refugee Center (BRC) ist es, die vier Klassen in Kunst und manchmal auch in Englisch zu unterrichten. Eine große Herausforderung ist dabei die Sprachbarriere. In den Klassen sitzen Kinder aus Pakistan, Sri Lanka, Syrien, Palästina, Iran, Afghanistan, Vietnam und Kambodscha. Unterrichtssprache ist Englisch.

Auch Zähneputzen will gelernt sein © Sarah Kasper

Auch Zähneputzen will gelernt sein © Sarah Kasper

Doch je nach Herkunftsland unterscheidet sich der Bildungsgrad der Kinder in einem erheblichen Maße. Die meisten Kinder aus Pakistan und Sri Lanka können dem Unterricht ohne Probleme folgen, da sie schon in ihrem Heimatland Englisch gelernt haben. Viele Kinder aber aus Kambodscha, Afghanistan oder Palästina, die teilweise noch nie eine Schule besucht haben, haben wesentlich größere Schwierigkeiten. Bei einer Klassengröße von 15 bis 25 Schülern ist es daher nicht einfach, einen Weg zu finden, ohne einige Schüler zu unterfordern und andere zu überfordern.

Glücklich sein kann so einfach sein

So vielen unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen gerecht zu werden, musste ich erst einmal lernen, und lerne auch immer noch dazu. Doch all diese Anstrengungen sind vergessen, sobald mir morgens beim Betreten des Klassenzimmers ein ohrenbetäubendes „Good morning teacher Sarah!“, gefolgt von einem „How are you doing today?“ entgegenschallt. Und wenn dann noch Thigal, ein unglaublich niedlicher sechsjähriger Junge aus Sri Lanka, ein „Oh teacher, you look very beautiful today!“ anhängt, könnte ich die ganze Welt umarmen. Häufig habe ich in den letzten Tagen gemerkt, dass Kinder wirklich Balsam für die Seele sind, da sie einfach im Moment leben und sich keine Sorgen um das Morgen machen. Die Arbeit mit den Kindern hier ist wirklich bereichernd und ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie ein einfaches Kinderlachen oder eine kleine Hand, die sich vertrauensvoll in meine legt, mich einfach glücklich machen.

Bildung als Privileg

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Mathe, Englisch, Thai, Computer, Kunst und Gesundheit sind die Fächer, in denen die Kinder hier im BRC unterrichtet werden. © Sarah Kasper

Bildung ist ein unglaubliches Privileg und der Schlüssel zu einem Leben in Selbstständigkeit. Vielen Menschen mit denen ich hier arbeite, war bisher jeder Weg zu Bildung verwehrt. Sei es durch Armut, Ethnie, gesellschaftliche Schicht oder Geschlecht. Viele dieser Flüchtlinge hier werden es auch nach ihrem Resettlement in ein Drittland nicht einfach haben, da ihnen gerade dieses Privileg der Bildung versagt wurde. Dieses Privileg, ohne das ein Leben in einer modernen Welt beinahe unmöglich geworden ist…

Autor:

Mein Name ist Sarah, ich bin 23 und studiere in Freiburg im Breisgau Soziologie und Französisch. Mitte August gehe ich mit MISEREOR für 10 Monate nach Thailand. Dort werde ich bei dem MISEREOR-Partner COERR in Bangkok und Nord-Thailand mit Flüchtlingen arbeiten.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vor zwei Wochen hat auch Team Kambodscha einen kleinen Einblick in das BRC bekommen: Ich bin immer noch von dem kleinem Mädchen begeistert, dass Arabisch, Thai und Englisch nicht nur sprechen, sondern auch alle drei perfekt schreiben konnte… Respekt!!!

  2. Liebe Sarah,

    das hast du schön beschrieben. Man merkt richtig, dass die Kinder dir schon ans Herz gewachsen sind. Und du hast ja recht: Bildung ist wirklich der Schlüssel zu so ziemlich allem. Kaum zu glauben, dass so viele hier bei uns in Deutschland das gar nicht zu schätzen wissen. Tja, wir haben eben vieles im Überfluss und merken es gar nicht …

    Liebe Grüße aus dem total verregneten Aachen, Uta

  3. „Thigal am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen“;) Ich sehe ihn noch breit grinsend vor mir…
    Mach weiter so, Sarah, lachende Kinder sind das ehrlichste und schönste Feedback, dass du für deine Arbeit bekommen kannst!

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