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Eine Frage der Zeit: In den Philippinen ticken die Uhren anders. Oder auch gar nicht.

Manila. Vor 10 Wochen.
Ich sitze im Van, es ist heiß und ich schaue aus dem Schiebefenster und beobachte den Straßenverkehr. Auf der Nebenspur saust ein Polizeiwagen mit Blaulicht vorbei. Der Fahrer sieht mich. Er schaut immer zu mir herüber und winkt sehr ausdauernd und freundlich. Tatütata dringt aus dem Wagen. Ich fange breit an zu grinsen und wende mich an meine Mitfreiwilligen auf der gegenüberliegenden Bank des Vans. Daraufhin schauen wir alle erneut aus dem Fenster. Der Fahrer guckt immer noch zu uns und winkt wild. Wir winken zurück.

In den Philippinen ticken die Uhren schon anders oder auch gar nicht. Vor 10 Wochen war der Tag, an dem wir die Akbayschauspieler zum Flughafen nach Manila gebracht haben. Es sah wahrscheinlich sehr amüsant aus, wie eine Horde weißer Menschen steht und eine Horde Filipinos verabschiedet. Etwas mehr als ein Monat noch, dann wird es vielleicht genau andersherum sein.

Für mich ist es sehr spannend, dass nun die Akbayschauspieler auch nach Deutschland fliegen konnten, dass sie in meinen/unseren Geburtsland sind und auch das Leben dort miterleben und kennenlernen können. Ich denke dadurch werden sie auch uns und unsere Kultur etwas mehr nachvollziehen können. Man kann viele Reiseführer studieren, tausende Bilder anschauen und vielen Erzählungen lauschen, aber das beste sind doch die eigenen Erfahrungen und deine Wahrnehmung vom Ganzen, die wahrscheinlich niemand genau so hat wie du.


Die Erfahrung
mit den Jeepney in die Innenstadt zu fahren, 8 Pesos zu bezahlen und das Geld mit einem ‚Bayad po‘ rüberzureichen. Dann beim Victoryliner auszusteigen, eventuell bei der Laundry vorbeizugehen, weil man wieder zu faul war, die Wäsche mit der Hand zu waschen. Und dann Innenstadt. Überall Stände. Streetfood. Fleischspieße, Fisch, Bananen, und die süßesten und leckersten Mangos der Welt (s. Guinnessbuch der Rekorde). Manchmal kommt die Zeit die unglaublich guten gekochten Erdnüsse zu kaufen, nicht immer aber immer öfter. Süßigkeiten, Zigaretten, Kopfhörer, Load für Sun und Smart, Armbänder, DVDs. „Hey Maam!!!!!!“

Leben auf den Straßen. Menschen überall. Kinder. Babys. Familien. Und Musik. Es gibt definitiv schönere Orte in den Philippinen als Olongapo. Aber wenn ich so nachdenke, ist Olongapo für mich schon ein wenig Heimat und deshalb schön genug. Denn sogar ich mit meinen Orientierungssinn wie eine Bratpfanne komme doch nun nach 9 Monaten auch einigermaßen hier zurecht.


Tja die Zeit vergeht irgendwie total schnell
, obwohl sonst alles in den Philippinen langsamer von statten geht (z.B. an der Supermarktkasse).

Es hat Zeit gebraucht, sich hier einzuleben, herauszufinden, dass die Kultur doch ganz anders ist, als man gedacht hätte und als sie vielleicht auf den ersten Blick erscheint und inwiefern und warum sie anders ist.
Es hat Zeit gebraucht, einen Arbeitsalltag zu entwickeln und eine Beziehung zu den Mädchen aus Heim aufzubauen. Es hat Zeit gebraucht, sich gegenseitig kennenzulernen und zu akzeptieren.
Es hat auch Zeit gebraucht, durch die Straßen zu laufen und gar nicht mehr wahrzunehmen, dass die Menschen einen anschauen, manchmal anstarren und etwas hinterherrufen.


Alles das braucht Zeit
. Aber es ist kein Problem, Zeit gibt es im Überfluss, man muss sich nur die Zeit nehmen. Und gerade deshalb werde am 21. Juni um Punkt 23:55 Uhr (deutsche Zeit: 17:55Uhr), in exakt 38 Tagen, vom Flughafen in Manila abfliegen um zeitig genau eine Woche vor dem Nachbereitungsseminar in Deutschland anzukommen, die ich brauchen um mein Jetlag abzubauen.

Es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Autor:

Mein Name ist Patricia Fehrentz und ich bin ein ehemalige Frewillige. Dieses und letztes Jahr verbrachte ich zehn Monate in Olongapo auf den Philippinen verbringen. Dort habe ich zusammen mit Esther bei der Kinderrechtsorganisation PREDA v.a. in einem Heim für missbrauchte Mädchen gearbeitet. Außerdem haben wir mit anderen Freiwilligen den Schauspielern der Theatergruppe von PREDAs Jugendorganisation Deutschunterrciht gegeben.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Patricia,

    bei deinen Beschreibungen kann man sich richtig gut vorstellen, wie du so tagtäglich durch Olongapo und über den Markt läufst.
    Auf dem Bild, in meinem Kopf, passt die „paddelige Patricia“ nur zu gut in diese anders tickende Welt 😉

    Wahnsinn, wie schnell 9 Monate vorbei gehen können!

    Bis zum Rückkehrer-Seminar in 42 Tagen!

  2. Hey Patricia,

    schön, dass du mittlerweile so heimisch bist, in dieser ganz anderen Welt, die dich tagtäglich umgibt. Deine Eindrücke davon sind sehr interessant zu lesen.
    Genieß deine letzte Zeit noch, ich freue mich schon, dich wiederzusehen!

    Fühl dich gedrückt,

    Feli

  3. Hey Patricia!

    Dein Artikel hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen! Du beschreibst die Dinge in einer Einfachheit, dass sie (mich vor allem) an die vielen Einzelheiten und Details in Olongapo erinnern. Du hast Recht – die Zeit vergeht manchmal so langsam und dann erscheint sie wie stehen geblieben, aber wenn du dann im Flugzeug sitzt, ist’s wie ein Wimpernschlag. Man ist doch gerade erst gelandet! 🙂

    Ich wünsche euch allen eine unvergessliche Restzeit, die wird dir noch lange in Erinnerung bleiben!
    Bis bald und mabuhay,
    Tobi

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