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Traumatherapie für Flüchtlinge – auch via Internet

Misshandlungen, Entführungen, Folter und Mord: Flüchtlinge aus Krisengebieten wie dem Irak, wo Hundertaussende vor dem Terror der ISIS fliehen, oder aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, haben oft Schreckliches gesehen oder erfahren. Wenn sie das Erlebte nicht aus eigener Kraft verarbeiten können, brauchen sie therapeutische Hilfe: Misereor unterstützt deshalb  ein innovatives  Online- Programm in arabischer Sprache und Zentren für Trauma-Arbeit  vor Ort.

Irak

Tausende Flüchtlinge leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Das virtuelle Therapiekonzept „Ilajnafsy“ kann helfen. Foto: Grossmann

Was tun als Betroffener, wenn kein Therapeut zu erreichen ist, wenn man sich niemandem zeigen möchte, wenn die Sprache versagt, für das, was man gesehen hat, wenn Angst, Trauer und Scham zu groß sind? Das Therapie-Programm „Ilajnafsy“ bietet dann die Möglichkeit, über schriftlichen Online-Kontakt Hilfe zu finden und sich einem anderen Menschen zu öffnen: „Es ist ein im arabischen Raum einmaliges Projekt, in dem traumatisierte Flüchtlinge und Opfer von extremer Gewalt und Unterdrückung anonym und geschützt über das Internet Kontakt zu Therapeuten aufnehmen können“, sagt Maria Haarmann, MISEREOR-Expertin für den Nahen Osten.

Therapeuten am Computer

Seit 2007 sitzt ein fünfköpfiges Therapeutenteam, das unter der Leitung des Berliner Zentrum für Folteropfer (bzfo) steht, in einem kleinen Büro in Berlin-Moabit an Computerbildschirmen. Täglich sind sie konfrontiert mit den erschütternden Geschichten der vielen traumatisierten Menschen aus Ländern wie Syrien oder dem Irak. Sie lesen von unmenschlichen Haftbedingungen und Folter, sexueller Gewalt und Misshandlungen an Männern und Frauen. Auch aus Ägypten, Saudi-Arabien oder Tunesien gelangen Anfragen nach Moabit. Auf der Webseite kann sich jede und jeder Betroffene kostenlos und völlig anonym anmelden und per E-Mail oder auch Telefon Kontakt zu den Online-Therapeuten aufnehmen. „Das Therapie-Programm Ilajnasfy ist jedoch weit mehr, als bloßer E-Mail Austausch“, ergänzt Maria Haarmann. „Es ist es ein sorgfältig strukturiertes Behandlungsprogramm“.
Da es kaum Fachkräfte in den Heimatregionen der Betroffenen gibt  oder die Hemmschwelle, sie in Anspruch zu nehmen, innerhalb der arabischen Kultur oft unüberwindbar scheint, bietet „Ilajnafsy“ oft die einzige Möglichkeit, Hilfe zu finden. Bis zu 2000 Menschen wenden sich jedes Jahr an das Therapeuten-Team.

Einzigartig: Onlinetherapie für den arabischsprachigen Raum

„Zunächst war das Projekt im Irak angesiedelt, doch aufgrund der schwierigen Lage dort musste die Online-Therapie vorerst nach Deutschland verlagert werden“, erklärt Maria Haarmann. Das Kirkuk Center for Torture Victims im Irak und das Behandlungszentrum für Folteropfer e.V. in Berlin haben das Online-Behandlungskonzept mit Unterstützung von MISEREOR für den arabischsprachigen Kulturraum sorgfältig auf- und ausgebaut. „Seit zweieinhalb Jahren schulen wir auch Online-Therapeutinnen und -Therapeuten in Alexandria in Ägypten“, sagt Haarmann.

Geht es jedoch um die direkte Krisenbewältigung, kümmert sich das „Kirkuk Center“ in Flüchtlingslagern wie z.B. Domiz im kurdischen Norden des Iraks und in Zweigstellen, um Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen. Mehr als 500 Traumatisierte, vor allem syrische und irakische Flüchtlinge, haben dort monatlich Zugang zu therapeutischer Versorgung, zu Gruppen- und Einzelberatungen.

Das Ziel: Würde und Selbstachtung zurückerhalten

Ob in der Anonymität des Internets, in der psychologischen Arbeit in den Flüchtlingslagern – im Nahen Osten oder weltweit: Ziel von MISEREOR und seinen Partnerorganisationen ist es, neben der Nothilfe den Betroffenen vor allem ihre Würde und Selbstachtung zurückzugeben.

Der Erfolg dieser Arbeit lässt sich hingegen kaum in Zahlen ausdrücken. Für viele verzweifelte Menschen ist dies die einzige Möglichkeit, dem Gefängnis ihrer Ängste und Traumatisierungen zu entkommen.

Autor:

Rebecca Struck

Rebecca Struck arbeitet bei MISEREOR in der Presseabteilung.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Julia Frielinghausen

    Liebe Hilke Schulz,

    unsere Partner im Nordirak und Libanon sind im Rahmen der Flüchtlingshilfe auch alle im Bereich der Traumaarbeit tätig. Eine Spende für das vorgestellte Projekt ist jedoch nur im Rahmen des gesamten Projektes möglich.
    Ihre Spende für die Traumaarbeit mit Flüchtlingen können Sie unter der Nummer P64095 tätigen.

    Herzlichen Dank!

  2. Julia Frielinghausen

    Liebe Luise Blomeyer,

    unsere Partner im Nordirak und Libanon sind im Rahmen der Flüchtlingshilfe auch alle im Bereich der Traumaarbeit tätig. Eine Spende für das vorgestellte Projekt ist jedoch nur im Rahmen des gesamten Projektes möglich.
    Ihre Spende für die Traumaarbeit mit Flüchtlingen können Sie unter der Nummer P64095 tätigen.

    Herzlichen Dank!

  3. Habe dieselbe Frage wie Frau Schulz vor mir. Wie kann ich speziell für dieses Projekt spenden?

  4. Hallo! Ich möchte speziell für das Programm „Ilajnafsy“ spenden. Soll ich das bei der Überweisung einfach als Verwendungszweck angeben? Reciht das?

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