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Geruch der Müllabfuhr wäre in anderen Ländern ein Luxusproblem – Abfall in Osttimor

Wann machen wir uns schon mal Gedanken über „Müll“? Am wahrscheinlichsten, wenn wir zu Hause den Mülleimer ausleeren, vergessen haben die Mülltonne auf die Straße zu stellen und womöglich noch beim Einkaufen, nämlich dann, wenn wir überlegen, wie sich möglichst viel Abfall vermeiden lässt. Aber selbst dann denken wir nur an Müll – und nicht darüber nach, wie er entsteht und was damit passiert, wenn er unsere Mülltonne verlässt.

"Mülleimer" auf dem Schulhof einer Junior High School

„Mülleimer“ auf dem Schulhof einer Junior High School

In Osttimor macht sich niemand Gedanken über Müll. Auf den allerersten Blick ist es praktisch, alles, was man nicht mehr braucht, aus der Küchentür in den Garten zu schmeißen, anstatt es fein säuberlich in Verpackung, Papier, Restmüll und Biomüll zu trennen. Kurz danach hat es mich jedoch sehr nachdenklich gemacht. In unserem Garten liegt zum Beispiel neben dem ganzen Müll auch ein alter Reiskocher, der wahrscheinlich nicht mehr funktioniert.

Müll, wohin man blickt: In den Straßengräben liegt Müll und auf den Wiesen sieht man mehr Verpackungen als Gras. Auch an dem Waschplatz, wo viele Leute ihre Kleidung waschen, werden die Waschmitteltüten einfach ins Wasser fallen gelassen.

Ebenfalls nicht zu übersehen, und besonders nicht vermeidbar zu riechen, ist die Art der „Müllentsorgung“. Eine Müllabfuhr ist hier Fehlanzeige. Dagegen atmet man alle 100 Meter die Gase ein, die beim Verbrennen des Mülls entstehen. Jede Familie bzw. jedes Haus hat seine eigene Müllfeuerstelle. Verbrannt wir alles, was man gerade nicht mehr braucht: Plastikflaschen, Verpackungen, auch Biomüll und Blätter, die man kompostieren könnte. Steht man im CTID auf der Veranda, lässt sich gut über die Stadt blicken. Dabei sieht man überall Rauchzeichen, die in das schöne Bild eigentlich nicht rein passen. Aber auch so etwas wie öffentliche Mülleimer haben wir bisher noch nirgendwo entdecken können. Lediglich eine Sammelstelle vor dem CTID gibt es, wobei auch hier der Müll irgendwann verbrannt wird. Aber somit zumindest nicht bei mir im Garten, sodass ich die Gase der verbrannten Plastikflasche nicht einatme.

Der einzige öffentliche Mülleimer weit und breit

Der einzige öffentliche Mülleimer weit und breit

Letztens habe ich der Feuerwehr bei der Arbeit zugesehen: für mich war bisher immer klar: Die Feuerwehr löscht Feuer  Hier sammelt sie den Müll von der Straße auf und verbrennt ihn in dem Behälter. Das stellt das eigene Weltbild dann schon ein bisschen auf den Kopf.

Das regt zum Nachdenken an: Was haben wir in Deutschland für ein ausgeklügeltes Müllentsorgungsprinzip. Und da kann die Müllabfuhr von mir aus noch so stinken. Ich bin froh, dass uns schon im Kindergarten erklärt wurde, wie man Müll trennt. Auch wenn ich mich vielleicht erst jetzt mit dem Thema so richtig auseinandergesetzt habe und seine Wichtigkeit erkenne.

Eine traumhafte Natur auf der anderen Seite

Eine traumhafte Natur auf der anderen Seite

Carolin und ich haben uns vorgenommen, demnächst, wenn wir fließend Tetum sprechen können, ein kleines Referat im CTID über die Müllentsorgung zu halten. Uns ist klar, dass die Timoresen leider keine andere Wahl haben, als ihren Müll letztendlich doch zu verbrennen. Dennoch finden wir es wichtig, sie über die Gase, die mit großer Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädlich sind, und Umweltverschmutzung aufzuklären und das Bewusstsein für die Abgase zu stärken.

Autor:

Maria

Meine Name ist Maria. Ich habe 2014/2015 einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im CTID (Centro Treinamento Integral no Desenvolvimento) geleistet. Dort habe ich junge Frauen in Englisch und Sport unterrichtet.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ganze „System“ ändern kann man als Freiwilliger ja eh nicht, aber kleine Denkanstöße zu geben, ist schon eine echt super Idee!!! Ich wünsche euch, dass ihr auf offene Ohren trefft!!!

  2. Liebe Maria,

    ich kann mir ganz gut vorstellen, wie dir der Müll stinkt. Ich war zwar noch nicht in Timor-Leste, aber hier in Indien gibt es auch ein großes Abfallproblem. Das liegt auf der einen Seite am System aber vor allem auch am Bewusstsein der Menschen. Da wird die leere Plastikflasche einfach aus dem fahrenden Bus geworfen; und das mitten im Nationalpark! In einer Forschung konnten wir zwar beobachten, dass Wetwaste (alles was kompostierbar ist) und Drywaste zwar langsam sortiert werden, aber dies auch erst auf der Müllhalde geschieht. Vorher modert alles vor sich hin. Es wäre wichtig in der Schule schon anzusetzen und Kindern z.B. Sinn und Zweck von kompostieren beizubringen. Aber das Problem des Mülls auf der Straße würde trotzdem erst mal bleiben. Du hast recht, gesund ist das bestimmt nicht. Gut, dass ihr euch Gedanken macht. Viel Glück!
    Liebe Grüße,
    Katha

  3. Liebe Maria,

    ja, wir haben es schon gut hier mit unserer Müllabfuhr. Aber das Bewusstsein für den Verbleib des Mülls hat sich auch erst innerhalb der letzten 20 Jahre entwickelt. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass das mal anders war. Leider haben die Menschen in Timor-Leste keine Alternative, wie du es schon erwähnt hast. Aber ich finde euren Plan gut, ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht, nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wer weiß …

    LG aus Aachen, Uta

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