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Zwischen Kanus und Masken – Besuch beim Likumbi lya Mize

Ich stehe am Ufer des Zambesi River und kann meinen Augen nicht trauen, hunderte von Menschen überqueren den Fluss in sehr instabil aussehenden Holzkanus.  Ich beginne langsam Zweifel zu entwickeln: „Ist das wirklich sicher, diesen gigantisch breiten Fluss in solch einer Walnussschale zu überqueren?“

Kanus auf dem Zambesi river- eine wacklige Angelegenheit

Kanus auf dem Zambesi river- eine wacklige Angelegenheit

Wir sind mit unseren Kollegen in Zambesi, einer Stadt an der Grenze zu Angola, um das traditionelle Likumi Lya Mize Fest zu besuchen. Einmal im Jahr treffen sich tausende Menschen, um die Makishis bei ihrer Wanderung vom Friedhof über den Fluss bis zum Palast des Chiefs, dem Stammesoberhaupt, zu beobachten. Die Makishis verkörpern Geister von verstorbenen Stammesoberhäuptern und wichtigen Persönlichkeiten aus der Vergangenheit. Dabei tragen sie ein Kostüm, das sie vollkommen verhüllt. Ein Teil des Kostüms ist eine aufwändig gestaltete Maske, die sich bis zu einem Meter oberhalb des Kopfes auftürmen kann. Jedes Kostüm ist individuell und nicht zweimal zu finden.

Das Tanzen liegt im Blut

Makishi-Prozession zum Stammesoberhaupt

Makishi-Prozession zum Stammesoberhaupt

Diese Feier hat verschiedene Teile: Am ersten Tag wandern die Makishis vom Friedhof zum Flussufer, am nächsten Tag überqueren sie den gigantischen Zambesi in besagten Kanus und tanzen am anderen Ufer gemeinsam mit verschiedenen Tanzgruppen. Am darauffolgenden Tag sammeln sich alle 101 Makishis am Chief Palast. Die Chiefs sind die Stammeshäupter. Die traditionellen Tänze sind bei diesem, vom Luvale Stamm ausgerichteten Fest, der Mittelpunkt, begleitet von lauter Trommelmusik und traditionellen Gesängen. Die Frauen tanzen mit Rasseln, die an ihre Beine gebunden sind, so fügt sich jeder Schritt der Tanzenden in den vorgegebenen Rhythmus ein. Mir wird erklärt, dass Zambianer keine Tanzschule besuchen müssen, „das liegt im Blut“ und tatsächlich sehen wir Kinder, die gerade so stehen und laufen können und schon besser tanzen, als ich es je lernen könnte. Es sorgt dann auch immer für Gelächter, wenn Jasmin und ich uns im „tanzen“ versuchen.

Viel Kultur und ein Stück Herausforderung

Tanzender Makishi

Tanzender Makishi

Die Vielfältigkeit dieses Festes ist nur schwer einzufangen. Besonders gefallen hat mir die Offenheit der Menschen, denen wir begegnet sind. Besonders unsere Kollege, mit denen wir die meiste Zeit verbracht haben, waren sehr interessiert an unserer Kultur, aber natürlich auch erpicht darauf, uns Zambia näher zu bringen. Dies geschieht dann zum Beispiel in Form von Tanzstunden oder Hinweisen darauf, was man als gute (zambische) Ehefrau tun und lassen sollte. Da trifft man schon einmal auf einige Unterschiede, was das Frauenbild in Deutschland und Zambia angeht.

Eine Herausforderung während unseres viertägigen Aufenthalts in Zambesi war auf jeden Fall die Vorbereitung für das gemeinsame Grillen. Am Morgen wurde eine Ziege auf dem örtlichen Markt gekauft, die dann am Mittag geschlachtet wurde (zum Glück waren wir da gerade nicht in der Nähe). Als es dann an das Vorbereiten der Salate und des Fleisches ging, sind Jasmin und ich mit der Aufgabe konfrontiert worden, die Ziege vorzubereiten, also Sehnen vom Fleisch zu trennen, vom Knochen zu lösen, das Fleisch zu waschen und anschließend zu marinieren. Zum Glück war das Tier schon ausgenommen. Im Nachhinein war es auf jeden Fall eine Erfahrung wert zu sehen, was alles vor dem Verzehr eines Stück Fleisches kommt! Und um wertzuschätzen, wie viel Arbeit hinter einer Fleischmahlzeit steckt!

Nach vier Tagen und sieben Stunden Fahrt sind wir wieder in Solwezi. Likumbi lya Mize war wirklich Kultur pur! Diese euphorische Stimmung, die die Menschen verband und stolz ihre Kultur mit uns teilten. Auch die freundliche Offenheit, mit der wir willkommen geheißen wurden, war wirklich einmalig. Die Freude über das Interesse, das wir zeigten, war groß. So wurden wir oft aufgefordert, viele Fotos zu machen, um dieses Spektakel in Deutschland beschreiben zu können. Ich hoffe, es ist mir ein gelungen, euch einen kleinen Einblick in einen Teil der afrikanischen Kultur  zu geben!

Autor:

Mein Name ist Hannah, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Stuttgart. Dieses Jahr habe ich mein Abitur an einem sozialwissenschaftlichen Gymnasium abgeschlossen. In meiner Freizeit spiele ich Querflöte und singe im Kirchenchor. In meiner Gemeinde St.Ottilia bin ich unter anderem als Oberministrantin aktiv. Meinen 10-monatigen Freiwilligendienst werde ich in Sambia leisten, wo ich in der Stadt Solwezi in einer Schule für HIV-Waisen und benachteiligte Jugendliche mitwirke. Ich freue mich schon sehr darauf, was mich in Sambia erwartet und bin besonders auf die lokalen Sprachen gespannt!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Hannah,
    total cool, dass ihr es auch zur Likumbi Lya Mize geschafft habt- das ist ja wirklich ein Erlebnis! Ich freue mich gerade sehr mal die Zeit gefunden zu haben ein bisschen durch eure Berichte zu lesen und in Erinnerungen zu schwelgen!
    Alles alles Gute euch noch, ganz viele so tolle Erfahrungen und eine schöne Adventszeit- ich gehe mal davon aus dank Shoprite seid ihr schon voll in Stimmung seit Anfang des Monats 😉

    Lisa
    PS: erste Sambia-Freiwillige, falls ihr euch noch erinnert- war beim Grillen leider nur kurz da

  2. Hallo Hannah,

    wow, da beneide ich euch drum. Das war sicherlich ein tolles Erlebnis. Leider gehört zu anderen Kulturen auch oft der „Kulturschock“. So wie bei euch mit der Ziege. Alle Achtung, scheint ihr ja gut gemeistert zu haben. Das mit dem Tanzen kann ich mir gut vorstellen. Im Gegensatz zu den Afrikanern kommt man sich vor als hätte man zwei linke Beine. Gilt leider meist auch für’s Singen … :-(((

    Liebe Grüße, Uta

  3. Tolle Bilder und mega interessant!! thx for sharing! 🙂

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