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Etwas Sightseeing gefällig !?

Guten Abend liebe Leser,

wir schreiben Montag, den 08. September 2014. Letzte Woche Dienstag bin ich nun schon seit genau einem Monat hier in Mexiko D.F.. Wie die Zeit verfliegt, müssen wir ja hier nicht nochmals besonders betonen. Wie dem auch sei, ich hatte hier und da natürlich die Gelegenheit, das Stadtbild ein bisschen näher kennen zu lernen und versuche euch, dieses in einem ersten Versuch so naturgetreu wiederzugeben wie möglich. Sicherlich kommen noch weitere Blogeinträge zu diesem speziellen Thema, da man hier in dieser Stadt nunmal so einiges entdecken kann.

Engel der Unabhängigkeit

Beginnen wir doch mit einer der größten Wahrzeichen der Stadt, ja sogar des ganzen Landes: „El Ángel de la Independencia“, also dem „Engel der Unabhängigkeit“. Meist wird dieses Monument aber auch nur „El Ángel“ (der Engel) genannt.

Ángel de la Independencia

Ángel de la Independencia

Wie in jedem spanischsprachigen Land in Amerika, dem ein Monument der Unabhängigkeit innewohnt, feiert auch dieses Monument die Unabhängigkeit Spaniens. Einer der bekannten Eroberer (conquistador), Hernán Cortes, versuchte zunächst auf eine friedliche Weise dem Land das Gold zu stehlen. Dabei hatte er viel Hilfe seitens der indigenen Bevölkerung erfahren, u.a. auch von seiner indigenen Geliebten und Übersetzerin Malinche. Dennoch ist dies irgendwann in einem Blutbad geendet und der Fall Tenochtitlans, der damaligen Hauptstadt des Aztekenreiches, schrieb Geschichte. Drei Jahre nach dem Fall der Stadt und dessen Aztekenkönig Cuauhtémoc (der Name der delegacion, in der ich wohne, ist nach ihm benannt 😉 ), begann die große Missionierung der Kirche, die gar nicht einmal so unerfolgreich war. Drei Jahrhunderte später und geschwächt von den Napeolonischen Kriegen auf der Iberischen Halbinsel, konnten die Mexikaner ihre Unabhängigkeit erklären, nämlich am 16.09.1810. Die endgültige Unabhängigkeit erfolgte dennoch erst ca. ein Jahrzehnt später.

Das gelbe Schaukelpferd

Torre Caballito

Torre Caballito

Mexiko preist aber nicht nur mit alter monumentaler Architektur, sondern auch mit durchaus vielen anderen modernen Bauten. In diesem Bild erkennt man vielleicht die Inschrift „Torre Caballito“, Turm des Schaukelpferds. Somit sollte eigentlich das Augenmerk auf den Wolkenkratzer im Hintergrund liegen, das 134 Meter hoch ist und 34 Stockwerk hat. Dennoch fand ich den „Eingang“, der in Form eines gelben Schaukelpferds ist, viel interessanter 😉

Das grüne Meer

Eingang Park Chapultepec

Eingang Park Chapultepec

Mexiko-Stadt hat eine sehr große und sehr schöne Parkkultur vorzuweisen. Der wohl bekannteste und größte seiner Art ist „el bosque Chapultepec“ (der Wald Chapultepec). Dieser Park, neben dem der Aachener Weiher Kölns wie ein Garten aussieht, ist 678 Hekta groß, oder um es ein bisschen mehr zu visualisieren, er hat eine Länge von ca. 4 Bushaltestellen. Natürlich ist die Länge von einer Bushaltestellte zur Nächsten von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich, aber nimmt man da einfach mal den deutschen Standardwert… In diesem Park gibt es alles, wirklich alles was in der ganzen Stadt sehenswert ist. Eine

Teil der fotografischen Ausstellung im Park Chapultepec, Titel "miradas que matan" (Blicke, die töten)

Teil der fotografischen Ausstellung im Park Chapultepec, Titel „miradas que matan“ (Blicke, die töten)

Kunstausstellung am Eingang, riesige Monumente, Museen u.a. das bekannte Nationale Anthropologische Museum, Seen, zahlreiche Verkäufer und Tättowierer, und ja sogar einen Zoo! Und vieles vieles mehr, vor allem am Wochenende ist der Park, wie andere große öffentliche Plätze der Stadt, der Ort für Familien und Paare. Grundsätzlich legen die Mexikaner einen großen Wert auf die Familie und die jungen Leute verbringen unter der Woche sehr viel Zeit mit ebendieser Familien. Zudem gehen sie in die Schule, in die Universität oder arbeiten den ganzen Tag. Somit bleibt nur noch am Wochenende Zeit für die Geliebten.

Plaza de la República

Hintergrund: Plaza de la República, oder auch Plaza de la Revolución. Vordergrund: Pfeiler, jew. mit den Namen der Bundesstaaten beschriftet

Hintergrund: Plaza de la República, oder auch Plaza de la Revolución. Vordergrund: Pfeiler, jew. mit den Namen der Bundesstaaten beschriftet

Einer dieser erwähnten großen öffentlichen Plätze ist der „Plaza de la República“ (Platz der Republik). Dort finden dann auch öfters Demonstrationen statt. Einmal haben wir dort einen Art Tanz erlebt, der aber schon eher in Richtung spirituelles Gebet ging.

Trip in den Süden

„Pies, para que los quiero, si tengo alas pa‘ volar“ (Frida Kahlo)
(„Füße, wozu brauche ich diese, wenn ich Flügel habe zum Fliegen“)

Das letzte Wochenende war ich ganz Touristin und habe zum ersten mal in meinem Leben, zumindest soweit es mir bewusst ist, eines dieser hop-on hop-off Touribusse in Anspruch genommen. Mexiko-Stadt bietet hierfür verschiedene Routen und Themen, wie „Wein- und Käseroute“. Doch ich habe mich für die Route in den Süden entschieden. Dort sind wir durch die Universitätsstadt (sozusagen eine kleine Stadt in der Stadt) und verschiedene kleine Dörfer bzw. Städte gefahren. Eines dieser Dörfer war Tlaplan, das eine wunderschöne Architektur aus der Kolonialzeit vorzuweisen hat.

Gebäude in Tlaplan

Gebäude in Tlaplan

Ziel des ganzen war nach Coyoacán zu gehen, wo das Haus von Frida Kahlo und Diego Riviero steht. Ich hätte hier zwar Fotos von dem Innenraum des Hauses machen können, aber erstens hätte das den dreifachen Eintritt gekostet und zweitens bin ich kein großer Fan davon, Museen öffentlich mit Hilfe von Fotos zu verbreiten.

Casa Azul: Museum Frida Kahlo

Casa Azul: Museum Frida Kahlo

 

Hier lautet die Devise: Schaut es euch selbst an und genießt es auf eure Art! 🙂 . Das Haus und die Geschichte Kahlos war einfach nur beeindruckend und sehr inspirierend. Wenn es nach mir ginge, wäre ich noch ein bisschen länger dort geblieben, aber leider hatte das Museum schon um 18h geschlossen und ich bin erst sehr spät dort angekommen 🙁 . Wissenswertes: Das Haus wird bzw. wurde u.a. von der Deutschen Botschaft in Mexiko gesponsort.

Diego Riviera, ebenfalls erfolgreicher Künstler, zudem auch Architekt,  zweifacher Ehemann Frida Kahlos (die Trennung dazwischen kam zustande, weil der Gute eine Affäre mit einer ihrer Schwestern hatte), ist mit seinen Werken sehr präsent in der Stadt. Ein Beispiel hierfür ist die Verzierung des Olympischen Stadion Mexikos, das schon zahlreiche wichtige Spiele ausgerichtet hat, u.a. die Olympischen Sommerspiele 1968.

Außenfassade Olympisches Stadion

Außenfassade Olympisches Stadion

Zudem gehört Riviera zu den Großen Drei an Muralisten, neben David Alfaro Siqueiros und José Clemente Orozco. Die Kunstform zur Berufsbezeichnung, nennt sich „muralismo“ und enstammt dem Spanischen „muro“, gleichbedeutend „Wand“. Somit ist der Muralismus die Wandmalerei. Der Muralismo in Mexiko hat eine sehr lange Tradition, weitaus älter als die präkolumbianische Malerei, doch der mexikanische muralismo wurde erst mit Diego Riviera geboren.

Mural von Diego Riviera

Mural von Diego Riviera

 

Die Großen Drei haben verschiedene Stilrichtungen in ihre Malerei mit einfließen lassen. Das Ziel ist jedoch meist: auf soziale und politische Misstände aufmerksam machen, Visualisierung einiger Bibelgeschichten und Beitrag zur Entfaltung der Revolution. Somit wäre der westliche äquivalent eventuell die Graffiti-Kunst. Wie dem auch sei, nach dem Besuch ihres Hauses war ich noch ein bisschen in der Stadt bummeln, gewappnet mit einem Eis und habe einen großen Handwerksmarkt entdeckt. Dort hätte ich fast das gute Weltwärts-Taschengeld komplett für Schmuck verprasst, aber konnte mich doch zügeln und habe mich für schlichte blaue Ohrringe entschieden.

„Vida es pluralidad, muerte es uniformidad“ (Octavio Paz, bekannter mexikanischer Schriftsteller)
„Das Leben ist Vielfältigkeit, der Tod Uniformität“

Dieses Zitat, das ich ehrlicherweise nich vollständig wiedergegeben habe, ist einer der Inschriften im „Museo de memoria y tolerancia“ (Museum der Erinnerung und der Toleranz), das ich am letzten Sonntag besucht habe.

Museo Memoria y Tolerancia

Museo Memoria y Tolerancia

Allein der Name hat mich damals schon interessiert und somit habe ich mich diesmal entschieden meine Neugier zu befriedigen. Die Idee des Museums ist meines Erachtens sehr schön: Der erste Teil „Erinnerung“ legt einen besonderen Fokus auf große bekannte Genozide unserer Zeiten (ab dem 20.Jahrhundert). Der erste und größter Part hiervon war der Holokaust. Gefolgt von den Geschichten Ex-Jugoslaviens, Ruandas, Guatemalas, Kambodschas und Darfurs (Sudan). Dieser Teil dient dazu, nicht zu vergessen, was geschehen ist, um sich dann auch wirklich sagen zu können „nie wieder!“. Somit wird der zweite Teil der „Toleranz“ eingeleitet, der sozusagen die Lehre aus unserer Geschichte sein soll. Dieser Abschnitt wird mit zahlreichen Definitionen, Aufweisung von Vorurteilen und Stereotypen, dem Einfluss der Medien etc. geschmückt. Alles in Allem hat mir dieses Museums, trotz ein wenig Unstrukturiertheit, sehr gefallen 🙂

Autor:

Meine Name ist Kely, ich bin 22 Jahre jung und komme aus der schönen Rheinstadt Köln. Als Großstadtliebhaberin geht es für mich glücklicherweise in eine noch größere Stadt, nämlich Mexiko-Stadt. Dort werde ich 10 Monate in einer Menschenrechtsorganisation, namens "Centro Pro" mitarbeiten. Diese Organisation arbeitet fokussiert auf der nationalen Ebene und befasst sich umfassend mit den aktuellen Menschenrechtsthematiken in Mexiko. Nach meinem Bachelorstudium, das ich 2013 abgeschlossen habe, freue ich mich besonders darauf, meine theoretischen Erfahrungen in die Praxis umsetzen zu können und mein Spanisch wieder auf Vordermann zu bringen.

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