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„Everyday Rebellion“ : David besiegt Goliath

„Wir sind normale Menschen. Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um studieren zu gehen, zur Arbeit zu gehen oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um denjenigen die uns umgeben eine bessere Zukunft zu bieten.“

Everyday Rebellion: Dokumentation über die jüngsten gewaltfreien Demokratiebewegungen weltweit

Everyday Rebellion: Dokumentation über die jüngsten gewaltfreien Demokratiebewegungen weltweit

Der Film, der den Zuschauer nach einer kurzen Einstiegssequenz in das lautstarke Getümmel der großen Protestbewegungen dieser Welt hineinziehen wird, beginnt mit zaghaftem Flüstern. Eine Stimme aus dem Off raunt eine Passage aus dem Manifest der spanischen „Bewegung des 15. Mai“ und untermalt damit die ersten Szenen von „Everyday Rebellion“: Eine alte Frau auf dem Weg zur Straßenbahn, ein Arbeiter auf der Baustelle, ein spielendes Kind. Die Botschaft lautet: Hör jetzt genau hin, denn hier geht es um uns, um unser Leben und unsere Zukunft. Und manchmal kann Widerstand schon mit einer geflüsterten Wahrheit beginnen.

Mit Gewaltlosigkeit gegen Gewalt

In ihrem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm widmen sich die Regisseure und Brüder Arash T. und Arman T. Riahi dem Portraitieren unterschiedlicher Widerstandsbewegungen weltweit. Der Anlass ist ein persönlicher: Sie selbst flohen in den frühen 80er-Jahren mit ihren Eltern aus dem Iran nach Österreich und wissen, was es heißt, im eigenen Land Opfer von staatlichem Machtmissbrauch zu werden. Nun nehmen sie den Zuschauer mit auf eine Reise zu einigen der berühmtesten Schauplätzen von Demonstrationen, lassen die charismatischen Köpfe von Protestgruppen wie Occupy, Femen oder den spanischen Indignados (deutsch: die „Empörten“) zu Wort kommen und verschaffen den Betroffenen der im Protest angeprangerten Zustände Gehör. Das Ergebnis ist eine Hommage an die gemeinsame Waffe, die alle Bewegungen in ihrem Kampf gegen unterschiedliche Missstände vereint: Die Waffe des gewaltlosen Widerstands.

Von New York bis Teheran, von lautstark bis lautlos

Die Occupy-Aktivisten schreien ihre Parolen nach dem Verbot von Megaphonen auf Demonstrationen kurzerhand im Chor durch die New Yorker Straßen und lassen ihre Stimmen so zu einem gigantischen „Human Megaphone“ verschmelzen. In Kiew reißt sich Femen-Anführerin Inna Schewtschenko das T-Shirt vom Leib und hält ihre mit Slogans besprühten Brüste vor die Objektive der Journalisten. Die Madrilenerin Gema bringt ihrer Tochter in der Küche bei, wie man einen Löffel am aussagekräftigsten gegen den Boden einer Pfanne schlägt. Auf den Mauerfassaden in einer syrischen Stadt tauchen wie von Geisterhand Graffitis mit dem Schriftzug „Ich bin eine freie Frau“ auf. Und im Iran hält eine Verschleierte von ihrem Balkon aus für wenige Sekunden die Protestler mit der Handykamera fest.

Das Kaleidoskop aus Szenen, das gewaltfreie Protestformen in all ihren Facetten zeigt, wird sowohl von den Anführern der Bewegungen selbst kommentiert, als auch von unabhängigen Experten. Die US-amerikanische Professorin Erica Chenoweth etwa schildert, dass gewaltloser Widerstand ihren Studien zufolge im Zeitraum von 1900 bis 2006 doppelt so erfolgreich gewesen sei, wie Proteste mit Gewaltanwendung. Und der Aktivist Andy Bichlbaum von der Gruppe The Yes Men gibt Tips, wie eine Protestaktion zum Erfolg wird: „Humor ist die beste Waffe bei Demonstrationen. Wer Clowns angreift, macht sich unbeliebt.“ Statt auf Polizisten loszugehen, solle man sie umarmen.

Zusammengefasst ist „Everyday Rebellion“ ein universaler Aufruf, sich am Kampf gegen Missstände jeglicher Art und überall auf der Welt zu beteiligen – so aussichtslos dieser Kampf vor allem zu Beginn einer Revolution auch wirken mag. Doch manchmal, so die Aussage, genügt eine kleine Geste, eine einzige gute Idee oder ein wahrer Satz, um eine erfolgreiche Bewegung in Gang zu setzen. Und so lässt die Dokumentation den Kinobesucher mit einem hoffnungsvollen Gefühl der Aufbruchsstimmung zurück, etwas in der Welt verändern zu können, wenn er es nur versucht. Und dieses Gefühl nicht einfach verfliegen lässt.


Mehr Informationen…

zum Dokumentarfilm und der damit verbundenen Kampagne unter:

www.everydayrebellion.net/ab-11-9-in-de-und-ch-im-kino/

und www.everydayrebellion.net/wall/


Autor:

Julia Nadenau schreibt nach einem Praktikum in der MISEREOR-Presseabteilung weiterhin für den MISEREOR-Blog. Sie stellt interessante Filme und TV-Beiträge mit Bezug zu MISEREOR-Themen vor.

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