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Arbeit, Arbeit, Arbeit…

Centro ProDH

Nach fast zwei Monaten kann ich euch nun ein bisschen von der Menschenrechtsorganisation Centro San Miguel Agustín Pro Juárez, abgekürzt Centro ProDH (DH = Derechos Humanos = Menschenrechte), und von meiner Arbeit dort erzählen.

Politische & soziale Mißstände in Mexiko (Mural am Eingang vom Centro ProDH)

Politische & soziale Missstände in Mexiko (Mural am Eingang vom Centro ProDH)

Das Centro ProDH ist eine Menschenrechsorganisation mit jesuitischem Hintergrund. Genauer gesagt heißt das, dass es von Jesuiten 1988 gegründet wurde. Die Namensgebung „Miguel Agustín Juárez“ gedenkt an den Pater mit eben diesem Namen, der damals zu Unrecht beschuldigt wurde, am Attentat vom damaligen Präsidenten mitgewirkt zu haben. Somit wurde er festgenommen und ohne ein Strafurteil erschossen.
Die Gründung des Centro ist eine Antwort auf die damaligen „schlechten“ (um es milde auszudrücken) politischen und sozialen Missstände. Somit widmet sich bis heute das Centro ProDH folgender Mission: Die Förderung und Verteidigung der Menschenrechte von ausgeschlossenen, gefährdeten oder sich in Armut befindenden Individuen und Gruppen, um den Aufbau einer gerechten, ausgewogenen und demokratischen Gesellschaft, in der die Würde des Menschen voll respektiert wird, beizutragen.

Besonderer Fokus liegt auf den folgenden Zielgruppen: Migranten, kulturell besser übersetzt eher „Flüchtlinge“, Zentralamerikas, Frauen, indigene Bevölkerung und öffentliche Sicherheit.

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Es gibt vier Hauptabteilungen:

1. Integrative Verteidigung: widmet sich allen sog. emblematischen Fällen, in der Beratung und ggf. Verteidigung vor Gericht ebendieser Individualpersonen oder Gruppen

2. Bildung: diese Abteilung hat das Ziel andere zivile Gruppen und Nichtregierungsorganisationen, die sich den Menschenrechten widmen, insofern zu stärken, dass ihr Geschäft standhält. Somit bieten wir zahlreiche Präsentationen, Workshops/Seminare und Diskussionsforen an

3. Kommunikation und Analyse: ist für die sowohl interne als auch externe Kommunikation zuständig. Hierbei geht es darum, die Menschenrechtslage in Mexiko zu analysieren und diese mit Hilfe von zahlreichen Medien zu verbreiten, mit dem Ziel auf ebendiese Lage aufmerksam zu machen

Präsentation des Berichtes "Migranten im Gefängnis" (Herausgeber Centro ProDH) an der Iberoamerikanischen Universität Mexiko D.F.

Präsentation des Berichtes „Migranten im Gefängnis“ (Herausgeber Centro ProDH) an der Iberoamerikanischen Universität Mexiko D.F.

4. International: diese Abteilung beschäftigt sich mit der Kooperation mit zahlreichen anderen wichtigen Instanzen auf internationaler Ebene. Beispiele sind Corte Penal Interamericano (Inter-Amerikanisches Gericht), Amnesty International Mexico und den VN (Vereinten Nationen). Bei Letzterem haben wir (interessant, wie ich mich schon mit dieser Organisation identifiziere) seit 2001 einen Beraterstatus.

Forum "Effektiver Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen". u.a. anwesend: CEJIL, JASS, VN Frauen, Botschaft Norwegen, etc.

Forum „Effektiver Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen“. u.a. anwesend: CEJIL, JASS, VN Frauen, Botschaft Norwegen, etc.

Die Methodik der „integrativen Verteidigung“ besteht darin, dass sich alle Abteilungen, also zumindest eine/-r aus jeder Abteilung, mit allen Fällen beschäftigt. Sobald also ein neuer Fall auf uns zukommt, der in unseren Arbeitsrahmen passt, bilden sich sog. Arbeitsgruppen, die sich dann von Anfang bis Schluss kollektiv damit beschäftigen. Dies entstand hauptsächlich, weil die Flut an Fällen, die wir bekommen haben, leider nicht mehr von unseren geliebten Anwälten alleine getragen werden konnten. Zudem ist es einfach durchaus effektiver mit dieser Methodik zu arbeiten, da es erstens die interne Kommunikation fördert und somit auch jeder weiß, wovon er/sie spricht, und zweitens auch der persönliche Kontakt zu den „Opfern“ hergestellt wird.
Nach und nach integrieren wir auch in all unseren Arbeitsprozessen die Gender-Perspektive.

Meine Arbeit

Wie schon erwähnt, hatte ich anfangs ja eine ziemlich ausführliche Lese-Einführungsphase. In dem Moment, wo ich evtl. schon ein bisschen Arbeit einfordern wollte, kam Alexa mir auch schon am selben Tag entgegen und erzählte mir von einigen Aufgaben, die ich erledigen könnte. Derzeit arbeite ich an mehreren Sachen gleichzeitig, was meines Erachtens relativ typisch für die mexikanische Arbeitsweise ist: die Fähigkeit zum Multi-tasking. Zudem wird zwar einiges auf den letzten Drücker gemacht, dennoch ist es alles sehr organisiert und das Ergebnis ist meines Erachtens genauso gut, als wenn man alles schon ein paar Wochen vorher erledigt hätte. Somit haben wir ganz am Anfang auch einen ganz aufwendigen Arbeitsplan für mich erstellt.
Zurzeit initiieren wir eine Kampagne, für deren Inhalt und Ausführung ich größenteils zuständig bin. Ich will allerdings nicht näher darauf eingehen, da dies dann doch interne vertrauliche Infos sind. Zudem organisieren wir – also meine Abteilung: Verwaltung, Personal und Finanzen – in Zusammenhang mit der Bildungsabteilung ein Seminar. Dieses Seminar ist dreiteilig, wobei ich das erste Modul verpasst habe, da es vor meiner Ankunft stattgefunden hat. In dem Seminar geht es darum, andere zivile Organisationen zu stärken:

1. Modul: Komplettanalyse der jeweiligen Organisation

2. Modul: Logical Framework Approach (LFA), ein management-tool, was viele andere NGOs benutzen oder benutzen sollten, wenn es darum geht, finanziellen Ressourcen zu erbitten

3. Modul: Fundraising online

Modul II: Seminario Fortalecimiento Institucional

Modul II: Seminario Fortalecimiento Institucional

Von beiden Modulen habe ich bisher die Teilnehmerfeedbacks evaluiert. Am zweiten Modul habe ich in den Gruppenarbeiten teilgenommen und wir sind gerade dabei, die Präsentation des dritten Moduls zu erstellen, was Anfang Oktober stattfinden wird.

Das sind die Hauptaufgaben, die mir jetzt so spontan einfallen, aber zwischendurch fallen natürlich noch viele andere logistische Sachen an, oder Korrekturlesen/Umschreibungen von Berichten.

Grundsätzlich finde ich es hier auch großartig, dass ich an allen Seminaren teilnehmen kann, wenn ich will. Somit bin ich da auch sehr viel unterwegs, da wir nun mal echt viel anbieten und/oder unsere Räume anbieten für externe Seminare.

Beziehung zu MISEREOR

Kurz nebenbei erwähnt, MISEREOR ist hier in jeder Abteilung allseits bekannt. Dies liegt vermutlich daran, dass MISEREOR schon ein langjähriger Förderer ist. Zudem wurde anfangs, wie prophezeit, immer angenommen, dass ich für MISEREOR selber arbeite. Dies habe ich allerdings sehr früh aufgeklärt. Allerdings werde ich trotzdem immer noch ausführlich über MISEREOR und das Freiwilligenprogramm ausgefragt. Gut, dass wir dieses Aufklärungsseminar über MISEREOR noch kurz vor dem Abflug hatten! 😀

Autor:

Meine Name ist Kely, ich bin 22 Jahre jung und komme aus der schönen Rheinstadt Köln. Als Großstadtliebhaberin geht es für mich glücklicherweise in eine noch größere Stadt, nämlich Mexiko-Stadt. Dort werde ich 10 Monate in einer Menschenrechtsorganisation, namens "Centro Pro" mitarbeiten. Diese Organisation arbeitet fokussiert auf der nationalen Ebene und befasst sich umfassend mit den aktuellen Menschenrechtsthematiken in Mexiko. Nach meinem Bachelorstudium, das ich 2013 abgeschlossen habe, freue ich mich besonders darauf, meine theoretischen Erfahrungen in die Praxis umsetzen zu können und mein Spanisch wieder auf Vordermann zu bringen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wow, Kely, da musstest du dir ja wirklich schon eine ganze Menge an Lese- und Lernstoff reinziehen. Gut, dass noch etwas von unserem Ausreiseseminar hängen geblieben ist, damit du auch etwas Input, nämlich zu MISEREOR, leisten kannst … :-)))

    Weiterhin eine gute Zeit wünscht dir

    Uta

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