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Zu Hause angekommen – Im Freiwilligendienst in Sambia

Die ersten Eindrücke sind jetzt ja doch schon eine Weile vergangen. Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, mich richtig eingelebt zu haben und vor allem zu Hause zu sein! Das Schreiben eines Blogeintrags fiel mir in letzter Zeit nicht leicht, hatte ich doch oft das Gefühl, nicht die richtigen Worte zu finden. Aber jetzt starte ich einfach mal den Versuch, die Gastfreundschaft der Menschen hier zu beschreiben.

Das Land Sambia an sich ist ja nicht sonderlich bekannt in Deutschland. Dafür gibt es meiner Meinung nach auch eine ganz einfach Erklärung: Das Land und die Menschen hier sind so ruhig, freundlich und friedlich, und daher schlichtweg einfach unauffällig.
Obwohl Solwezi eine Stadt ist, wird man hier auf der Straße oft im Vorbeilaufen gegrüßt. Dabei begegnen sich die Menschen hier mit sehr viel Achtung. Werte wie Pünktlichkeit stehen hier jedoch nicht an erster Stelle. Es ist viel wichtiger, die kleinen herzlichen Begegnungen zu pflegen. Man nimmt sich stets die Zeit, sich zu grüßen und ein kurzes Gespräch zu führen. Bei der Begrüßung zeigt man seinem Gegenüber seinen Respekt, indem man entweder leicht in die Knie geht oder sich die Hand aufs Herz legt. Dabei erkundigt man sich gegenseitig nach dem Befinden und auch nach dem der Familie.

Sollte man irgendwo zur Essenszeiten zufällig vorbei kommen, wird man ganz selbstverständlich dazu gebeten. Solch ein Angebot anzunehmen macht hier keine Umstände, da das Essen immer ausreichend zubereitet wird. Die Art, wie Gemeinschaft hier in der Bevölkerung gelebt wird, ist ganz anders als im Vergleich zu jener der Deutschen. Vor allem wird viel mehr von dem geteilt, was man selber besitzt.

Besonders viel Zuwendung wird den Gästen zuteil. Es wird stets darauf geachtet, dass die Gäste den besten Platz erhalten und sich wohl fühlen. Auch Hannah und ich finden uns öfters auf den besseren Plätzen wieder. Meist fühlen wir uns dort nicht so wohl, da wir eigentlich behandelt werden möchten wie jeder andere auch. Aber uns wurde erklärt, dass die Leute stolz darauf sind, uns ihre Kultur zu präsentieren.

Sambische Wirklichkeit

Die Freude darüber, dass wir Interesse an der sambischen Kultur zeigen, ist groß. Allein schon wenn wir im Chitenge (eine Art traditioneller Wickelrock) herumlaufen, sagen uns viele: You are looking nice in a Chitenge! Entgegnet man ihnen dann noch etwas in der lokalen Sprache, ist die Freude bei den Einheimischen groß. Den Grund für ihre Freude können wir mittlerweile sehr gut nachvollziehen. Durch die Rohstoff-Minen sind hier recht viele Muzungus (Weiße), wie sie von der einheimischen Bevölkerung genannt werden. Diese bekommt man jedoch kaum zu Gesicht,  außer im Supermarkt, in den teuren Hotels oder in den Minen selber. Teilweise schämen Hannah und ich uns für das Verhalten der anderen Muzungus, denn:

20140821_112604Fährt man in die Minen hinein, verändert sich das Bild, welches wir bisher von Sambia haben. Auf einmal wird alles grün, die Häuser sind groß und wir entdecken sogar einen Golfplatz. Es ist so, als ob man ein anderes Land betritt. Wir haben auch mit ein paar der Bewohner gesprochen, die uns erzählten, dass sie zum Teil schon seit 10 Jahren hier in Sambia leben, aber zum Beispiel noch nie Nshima, einen Maisbrei, den man traditionell zweimal täglich mit den Händen ist, gegessen haben. Das konnten wir kaum glauben.

20140821_112427Einmal unternahmen wir gemeinsam mit den Mitarbeitern der Diözese eine Führung durch eine der neuen Wohnsiedlungen, die hauptsächlich für die Minenarbeitern gebaut wurde. Die Häuser waren in blassen Farben gestrichen und standen, ganz untypisch für Sambia, nebeneinander aufgereiht. Für uns sah dies eher nach einer schlechten Kulisse für einen amerikanischen Film aus, als nach einer sambischen Wohnsiedlung. Als wir die Mitarbeiter fragten, was sie denn von den Häusern halten, entgegneten diese meist: They are nice but to small for a sambian family! Jedes Haus ist zwar ausgestattet mit einer Küche, einem Bad und einem Wohnzimmer, aber es gibt nur zwei Schlafzimmer. Viel zu klein für eine sambische Familie, die meist aus einem Elternpaar und 6 bis 15 Kindern besteht. Es gibt auch Häuser, die groß genug sind, um eine solche Familie beherbergen zu können, jedoch sind diese vom Preis her unerschwinglich im Hinblick auf den Verdienst eines normalen Minenarbeiters. Schnell wurde uns klar, dass in diesen Häusern nur die Reicheren wohnen werden. Nachdem wir das Gelände verlassen hatten und wieder im eigentlichen Sambia angekommen waren, sagte Father Chola beim Anblick der kleinen Häuser und der ärmlichen Straßen nur: Back to reality.

Autor:

Meine Name ist Jasmin, ich bin 18 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen Ort Göggingen im Landkreis Sigmaringen. Nachdem ich nun mein Abitur abgeschlossen hab werde ich für 10 Monate nach Sambia in die Diozöse Solwezi gehen. Dort werde ich an Programmen für Waisen- und benachteiligte Kinder mitarbeiten. Ich freue mich schon sehr auf die kommende Zeit, die ich mit meiner Mitfreiwilligen Hannah im Ausland verbringen werde.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Jasmin,

    dein Eintrag ist dir sehr gut gelungen! Ja, man nimmt sich dort noch Zeit füreinander. Ganz anders als hier, wo zwar auch gefragt wird, wie es einem geht, im Grunde jedoch keiner die Antwort wirklich hören will. Ich habe damals in Sambia auch bemerkt, dass die Menschen einfach stolz sind, wenn man sich für sie und ihre Kultur interessiert. Sie haben eher den Eindruck, dass alles von den Weißen dominiert wird. Da kann so ein Chitenge mal schnell zum „Türöffner“ werden. Obwohl mir das Teil immer runter gerutsch ist … :-)))

    LG aus Aachen, Uta

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