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„WO SIND UNSERE KINDER“ – TEIL II

teaser_we are all ayotzinapaIch wünschte, ich müsste nicht diesen zweiten Teil schreiben, doch die grausame Realität zwingt mich leider dazu. Im diesem Teil wird es um die 43 verschwundenen Studenten in Iguala, Bundesstaat Guerrero gehen. Die Geschehnisse erfolgten nun seit über 3 Monaten (26.09/27.09.2014) und wir setzen weiterhin alles daran, diese Studenten zu finden.
Ich benutze hier das „wir“, da das Centro Prodh, meine Aufnahmeorganisation, auch im Bezug zu den Studenten aus Ayotzinapa arbeitet. Die grundsätzlichen Fakten müssten die meisten mittlerweile eigentlich kennen. Wenn nicht, dann kann man das in diesem selbstverfassten englischen Artikel nachlesen. In diesem Blogeintrag möchte ich aber gerne nur einige Überlegungen und Eindrücke mit euch teilen.

Ausdrücke der Wut

Die Geschehnisse mit den verschwundenen Studenten haben eindeutig den letzten Tropfen generiert, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die Mexikaner haben seit der Wahl Enrique Pena Nietos 2012 einiges erduldet, doch dies war wirklich ausschlaggebend. Mit „einiges“ meine ich zahlreiche Reformen, weitere Verschwundene, Straflosigkeit etc. Somit sieht und spürt man überall die Entrüstung, den Frust und vor allem die Wut. In den letzten Monaten wurden immer wieder Demos veranstaltet. Und wir sprechen hier von Riesendemos, wo Abertausende auf die Straßen gehen. Ich habe mal die Tagesschau geguckt an diesen Tagen und die Zahlen, die dort genannt wurden, liegen eindeutig weit unter dem, was hier wirklich passiert.

Internationale Wahrnehmung

Die Art der Kommunikation macht sehr deutlich, wie das Verschwinden der Studenten international ausgetragen wird. Eine Sache, die mich sehr traurig stimmt, denn die mexikanische Regierung versucht eindeutig einige Dinge unter dem Tisch zu kehren, um das gute Image Mexikos nicht zu gefährden. So spricht man zum Beispiel immer von den „mutmaßlich toten“ Studenten. Bitte entschuldigt, aber solange die Studenten nicht gefunden worden sind, lautet der Status, auch nach mexikanischem Recht „verschwunden“. Somit hat die Regierung die Verpflichtung diese Studenten LEBEND zu finden, bis das Gegenteil bewiesen wurde. Ich betone das hier deshalb so bewusst, denn die Familienangehörigen der Verschwundenen kommen immer wieder bei uns im Hause vorbei oder geben Pressekonferenzen… diese Eltern haben eben noch Hoffnung! Man merkt ihnen die Erschöpfung deutlich an, doch die Hoffnung ist immer noch da! Aus Respekt vor diesem elterlichen Blick, ziehe ich es somit vor an Ihrer Seite (beizu-)stehen.

Eine weitere Sache, die auf internationaler Ebene immer wieder versucht wird den Menschen zu vermitteln, ist, dass das organisierte Verbrechen an diesem Vorfall Schuld ist. Fakt ist jedoch, dass die Lokalpolizei, der Bürgermeister und seine Frau eindeutig daran beteiligt sind. Ein weiterer Fakt, der im Dezember aufgekommen ist, ist die Tatsache, dass sogar Bundespolizei daran beteiligt war.

Da wir hier gerade von neuen Erkenntnissen sprechen: es wurden auch die Überreste von einem der Studenten identifiziert: „Alexander“. Diese Überreste wurden in Innsbruck, Österreich untersucht.

Auf der anderen Seite, erfreut es mich sehr, wie viel Solidarität es auf internationaler Ebene gibt. Von überall werden Solidaritätssprüche geschrieben und Grüße geschickt. Ich hoffe, dass das so weiter geht und dass diese Menschen bis zum Schluss mit an unserer Seite „kämpfen“. Hier ist es erwähnenswert, dass auch in den Demos mittlerweile sehr viel Kreativität eingesetzt wird: Tanz, Gesang, etc.

Leider  haben es bei dem letzten geplanten Konzert für die Studenten im Dezember,  die Bundesbehörden doch tatsächlich gewagt, die Konzerteinrichtung zu boykottieren, was zu erheblichen Ausschreitungen in Chilpancingo, ebenfalls im Bundesstaat Guerrero gelegen, geführt haben. Die Eltern der 42 verschwundenen Studenten, die immer wieder betonen, dass sie friedlich demonstrieren und auch alle dazu aufrufen, kamen zur Hilfe, sodass tatsächlich dabei auch ein Vater verletzt worden ist. Kurzum: Es ist erschreckend zu beobachten, mit was für einer Schamlosigkeit manche Dinge hier geschehen.

Wie dem auch sei, ich möchte diesen Artikel mit einem Video beenden, das einige von euch vielleicht schon gesehen haben. Es handelt eben genau um internationale Solidarität, internationalen Druck und internationale Wahrnehmung der Geschehnisse hier. Somit erfreut es mich, euch ein Video aus dem deutschen Parlament zu zeigen. http://dbtg.tv/fvid/4074008

  „Por qué nos asesinan, si somos la esperanza de América Latina?“(Studentenausruf bei den Demos: Warum ermorden sie uns, wenn wir doch die Hoffnung (Zukunft) Lateinamerikas sind?)

Autor:

Meine Name ist Kely, ich bin 22 Jahre jung und komme aus der schönen Rheinstadt Köln. Als Großstadtliebhaberin geht es für mich glücklicherweise in eine noch größere Stadt, nämlich Mexiko-Stadt. Dort werde ich 10 Monate in einer Menschenrechtsorganisation, namens "Centro Pro" mitarbeiten. Diese Organisation arbeitet fokussiert auf der nationalen Ebene und befasst sich umfassend mit den aktuellen Menschenrechtsthematiken in Mexiko. Nach meinem Bachelorstudium, das ich 2013 abgeschlossen habe, freue ich mich besonders darauf, meine theoretischen Erfahrungen in die Praxis umsetzen zu können und mein Spanisch wieder auf Vordermann zu bringen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Kely,
    du schreibst über eine sehr traurige Wahrheit. Wir können das gar nicht so nachvollziehen hier, weil so etwas für uns einfach unfassbar und viel zu weit weg ist. Schön für uns. Schlecht für diejenigen, die es betrifft. Denn wenn das Medieninteresse nachlässt, dann geraten auch die „Verschwundenen“ in Vergessenheit. Aber für die Menschen vor Ort ist das einfach grausam. Ich habe selbst eine Tochter und möchte gar nicht wissen, wie es ist, wenn sie auf einmal weg wäre und keiner weiß wohin …

    Liebe Grüße, Uta

  2. Danke für den guten Beitrag, Kely. Ich finde, an diesem Beispiel zeigt sich auch wieder mal, wie sehr die Medien von aktuellen Ereignissen – je aktueller und grausamer, desto besser – abhängen, kaum dass ein Geschehnis ein paar Tage bzw Wochen alt ist, verliert die internationale Gemeinschaft das Interesse, außer vielleicht wenn soetwas wie organisiertes Verbrechen vorkommt – da sind alle gleich ganz Ohr…
    Jedenfalls wünsche mir, dass der Fall bald aufgeklärt werden kann und die Familien endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Kinder erlangen.

    Liebst
    Moritz

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