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Unsere Helden in Liberia

Dieser Ausdruck ist im Warteraum der allgemeinen Sprechstunde des Gesundheitszentrums ‚Our Lady – Star of the Sea‘ in Westpoint, Monrovia, angebracht. Wer ihn angebracht hat, weiß ich nicht. Vielleicht war es die Leitung des Zentrums, vielleicht die diözesane Gesundheitskoordinatorin. Vielleicht aber auch ein Patient oder das Personal selber.Willkommen_Klemens Ochel (1)Aber es ist dem Personal der Gesundheitszentrem zu verdanken, dass man nicht sagen kann: „Das gesamte Gesundheitssystem in Liberia ist während der Ebola – Krise zusammengebrochen.“ 14 der 18 katholischen Gesundheitsdienste waren die ganze Zeit über geöffnet.Willkommen_Klemens Ochel (10)Der leitende Pfleger von Star of the Sea, berichtete mir, dass es eine permante Herausforderung war, zur Arbeit zu kommen. Das Zentrum hat schwere Zeiten hinter sich, als die Regierung im September das gesamte Slumgebiet unter Quarantäne stellte und für 11 Tage abriegelte. „Unsere Angehörigen wollten nicht, dass wir zur Arbeit gehen,“ erklärt der Pfleger. Aber das gesamte Personal sei sich einig gewesen, dass man die Patienten nicht im Stich lassen könne.

„Wir waren auch zuversichtlich, dass wir Infektionschutzmaterial, Händewaschvorrichtungen und Sprüher zur Desinfektion bekommen würden.“ Martin Bröckelmann-Simon von Misereor konnte sich davon überzeugen, dass die Lieferungen angekommen sind und sogar noch einige Wochen reichen werden.Willkommen_Klemens Ochel (2)Die Materialien waren unmittelbar nach Ankunft Anfang November auf die Zentren verteilt worden. Dafür zeichnet die diözesane Koordinatorin Ms Yah Ngausi verantwortlich.

Die Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung wurde zu intensivem Training genutzt. Dieses war dezentral und an die jeweiligen Einrichtungen angepasst, versicherten uns die Ausbilder, die dabei auch auf Materialien der Ebolatoolbox des Missionsärztlichen Instituts zurückgriffen, die sie aus dem Internet herunterladen konnten.Willkommen_Klemens Ochel (3)In einem meiner Posts in diesem Blog habe ich von IPC im Krankenhaus berichtet. Wie sieht das nun in den katholischen Gesundheitszentren in Monrovia aus. Ich beginne mit dem Temperaturmessen und Händewaschen beim Betreten der Zentren. Der Zugang zu den Zentren ist reglementiert (im Gegensatz zu früher). Der Patient und maximalen ein Begleiter gelangen als nächstes zur Triage.Willkommen_Klemens Ochel (6)Verdächtige Personen werden in die fertig gestellten Isoliereinheiten gebracht. Dort gibt es einen Bereich für Patienten mit Erbrechen und einen für sogenannte ‚dry‘ Patients. Dies ist analog der Isolierstation am Saint Joseph Krankenhaus. Alle andere werden wie immer medizinisch versorgt. Der Unterschied zu früher ist der Infektionsschutz: Händewaschen, Handschuhe und Schutzkleidung, sichere Entsorgung von Abfall und Desinfektion.

Die Zentren haben die ganze Krisenzeit hindurch immer geimpft oder auch TB – Patienten diagnostiziert und behandelt. Die Impfabdeckung ist relativ hoch und alle hoffen, dass der Ausbruch von Masern- oder andere Infektionskrankheiten vermieden werden kann.Willkommen_Klemens Ochel (9)Ein Schlüssel der medizinischen Versorgung ist das Labor. Wir konnten uns überzeugen, dass auch hier Infektionsschutz groß geschrieben wird.Willkommen_Klemens Ochel (5)Sind operative Eingriffe oder Entbindungen notwendig, wurden immer schon hohe Ansprüche an die Hygiene gestellt. Aber auch hier stellten wir positive Veränderungen fest.Willkommen_Klemens Ochel (7)Die Hebammen, Schwestern, Pfleger, Laboranten und Helfer in den Zentren vertreten die Infektionsschutzmaßnahmen mit voller Überzeugung. Das soll sich, so versichterten sie uns, auch nicht ändern, wenn Liberia als Ebolafrei erklärt wird. Am Horizont droht bereits die Cholera, die mit der nächsten Regenzeit kommen kann oder Lassa Fieber, das auch in der Region umgeht.

Manchmal, so fand ich, treibt das Engagement für Infektionsschutz aber auch nette Stilblüten. Diese sind nicht ohne freud’schem Ernst.Willkommen_Klemens Ochel (8)Ich beende diesen Blog mit einem nachdenklichen Schmunzeln. Liberia ist voller Hoffnung bald als Ebola frei eingestuft zu werden. Die internationale Hilfe kam fast zu spät, aber dann kam sie und viele Partner waren nötig. Aber die, die es geschafft haben, waren die Gesundheitsarbeiter und man kann sagen, „Gott sei dank, wir hatten sie!“

Morgen gibt es für Martin Bröckelmann-Simon noch Termine im Saint Joseph Krankenhaus und in der deutschen Botschaft.  Aber dann habe ich keine Verbindung zum Internet mehr.

Ich hoffe, sie fanden dies alles interessant und jedes Feedback ist willkommen.

Danke für Ihre Unterstützung.

Klemens Ochel
Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der im Rahmen der Ebola-Epidemie mehrmals nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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