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Thailand: Besuch im Gefängnis

Während meiner Woche in Bangkok besuchte ich viele meiner alten Freunde. Einen musste ich im Immigration Detention Centre besuchen.

Vor einem Monat schnappte die „Einwanderungspolizei“ ihn vor dem Haus, in dem er sich ein Zimmer zusammen mit seinen beiden pakistanischen Freunden teilte. Samuel wurde auch nach seinen Mitbewohnern gefragt. Um seine beiden Freunde zu schützen, verschwieg er trotz Drängens durch die Polizei dieser die Anwesenheit seiner beiden pakistanischen Mitbewohner. Diese knieten zu diesem Moment unbemerkt auf dem Balkon und mussten mit Hilfe eines Spiegels, um nicht doch entdeckt zu werden, hilflos zusehen, wie ihr Freund abgeführt wurde.
Nun teilt sich Samuel mit 200 anderen Flüchtlingen einen Raum. Es gibt nicht genug Platz zum schlafen und die hygienischen Verhältnisse sind schrecklich. Krankheiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Jeden zweiten Tag darf Samuel für zwei Stunden in die kleine Sporthalle, doch auch dort ist es eng und die Luft ist schlecht.

Einlass im Gefängnis

Besuchszeit im Immigration Detention Centre, kurz IDC, in Bangkok ist von 8.30 Uhr bis 10 Uhr und von 10.30 Uhr bis um 11.30 Uhr. Nachdem wir alle Formulare ausgefüllt hatten, reihten Barbara, meine Mitfreiwillige, und ich uns zu den anderen Besucher ein und warteten darauf, vorgelassen zu werden. „Excuse me! Which room?“, fragte ein Pakistaner. „Our friend is in room number 3.“, antworteten wir. „Can you please bring this inside and share for everybody?” Er überreichte uns eine Tüte mit Fertignudeln und Sojamilch. Auch wir hatten für Samuel zwei Tüten gefüllt mit Essen, Zahnbürste und Pflaster (Was braucht man eigentlich im Gefängnis?) dabei. Barbara und ich waren gerührt von dem Mitgefühl der Menschen außerhalb des IDC.
Unsere Tüten mussten wir allerdings am Eingang abgeben. Diese wurden erst durchsucht und letztendlich kamen viele unsere Mitbringsel nicht bei Samuel an. Aber auch unsere Worte kamen nicht bei unserem Freund an.

Als sich die Türen öffneten, standen die Gefangenen schon bereit, zusammengedrängt hinter einer Gitterwand. Eine weitere Gitterwand auf unserer Seite bildete einen 1- x 2 Meter breiten Raum. Wir fanden kaum einen Platz an der Gitterwand, um Samuel gegenüber stehen zu können. Besucher und Gefangene schrien sich gegenseitig an. Viel verstehen konnte man nicht. Samuel war während seiner Zeit im IDC bereits ein langer Bart gewachsen, durch welchen hindurch er uns die gesamte Zeit über anlächelte. Er war so glücklich, uns zu sehen. Und signalisierte uns, dass es kein Problem sei, dass wir nicht reden können.

Mit dem Läuten verschwindet das Lächeln

Nach einer Stunde bimmelte die Klingel. Schlagartig hörten die Gefangenen auf zu lächeln. Jetzt geht es zurück in die Hölle. Bis wann? Keiner weiß es. Wer das Geld hat sich frei zu kaufen oder in sein Heimatland zurückzufliegen, wird aus dem IDC gelassen. Wer das Geld nicht hat oder dem im Heimatland viel Schlimmeres als das Gefängnis droht. wartet und versucht durchzuhalten. Darunter auch Kinder, Familien, Väter und Mütter, getrennt von ihren Familien.
Barbara und ich kennen Samuel und seine Freunde seit Beginn unseres Freiwilligendienstes. Ihre Haustür war und ist immer offen für uns. Wir waren Teil der Familie. Schwestern und Brüder.

Autor:

Meine Name ist Katrin und ich verbringe meinen Freiwilligendienst in Thailand. Dieses Jahr habe ich mein Abitur in Mannheim gemacht und freue mich jetzt schon sehr auf meinen Auslandseinsatz. Ich lebte bereits in Tansania und absolvierte ein Austauschjahr in Ungarn. Die asiatische Kultur konnte ich bisher allerdings noch nicht kennen lernen. Ich singe in einem Chor und spiele Klavier. Außerdem bin ich sehr sportbegeistert. Ich mache Leichtathletik bei der MTG Mannheim. "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." afrikanisches Sprichwort

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Katrin,
    dieser Eintrag beruehrt mich ganz tief in meinem Herzen. Ich habe zwei Taschentuecher gebraucht, doch auch jetzt stehen mir immer noch Traenen in den Augen. Diese Welt ist so furchtbar ungerecht! Erst gestern ist an mir ein „Araber-Clan“ vorbei gefahren; in Dutzenden fetten Bentleys und Ferraris. Die Kroenung waren zwei Frauen, die in einem Geschaeft nicht wussten welche Louis Vuitton-Handtaschen sie kaufen sollten, also haben sie kurzerhand einfach ca, zehn Stueck gekauft. Da war ich schon kurz davor, mich vor ihnen zu uebergeben. Und auf der anderen Seite gibt es so arme Kerle wie deinen Freund. Da dachte ich mir mal wieder, was solche reichen Leute mit ihrem Geld doch alles fuer gute Sachen machen koennten, wie vielen Menschen sie helfen koennten, und sie selbst haetten wohl immer noch mehr als genug Geld.
    Was Samuel fuer eine Kraft haben muss, dass er euch trotz allem immer noch zulaecheln konnte… bewunderswert dieser Mann, ich wuensche ihm von Herzen alles Gute!
    Doch was moechten die thailaendischen Behoerden damit erreichen? Das wird doch kaum jemanden davon abhalten, nach Thailand zu fluechten. Wollen sie mit dieser Methode einfach nur Geld machen? Meiner Meinung nach sollte sich Thailand schnellstens Gedanken ueber seine Fluechtlingspolitik machen.
    Good luck und eine schoene Restzeit,
    viele Grueße aus Singapur!

  2. Einfach schrecklich :'(

    Und ich musste kurz schmunzeln bei der Frage: Was bringt eigentlich ins Gefängnis mit? 😀 ich hätte glaube ich gar keine Ahnung gehabt!!

    Saludos
    Kely

  3. Liebe Katrin,
    ein sehr berührender Eintrag. Mir kamen fast die Tränen. Da sitze ich hier in meinem schönen Büro, draußen scheint die Sonne und auch sonst alles bestens. Und dann dein Eintrag. Mein Gott. Und trotzdem hat Samuel gelächelt. Wir lächeln ja schon nicht mehr, wenn das Wetter schlecht ist, der Bus zu spät oder was auch immer für Kleinkram uns sonst noch stört. Ist das wichtig? Nein. Das wird mir bei euren Beiträgen oft klar. Und das ist gut so. Danke dafür!

    Liebe Grüße aus Aachen, Uta

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