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Eine Tradition aus Timor-Leste: der „Tais“

In Timor-Leste gibt es viele Traditionen und Kulturen, sie unterscheiden sich von Ort zu Ort. Doch überall besteht die traditionelle Bekleidung aus „Tais“, einem handgewebten Stoff. Ein geschultes Auge kann erkennen, aus welchem Ort der Tais kommt, da jeder einzelne in der Herstellung und vom Muster anders ist.

Einen Tais trägt man ähnlich wie einen Wickelrock oder indonesischen Sarong, jedoch nur zu festlichen Anlässen, denn ein Tais ist sehr wertvoll. Oftmals sind die Stoffe wie Geldanlagen für eine Familie.

Aber warum ist ein Tais so wertvoll?

Heute hatte ich die Möglichkeit nach Home, ein Dorf im östlichsten Distrikt Timor Lautems, zu fahren und eine Gruppe webender Frauen zu besuchen. Nach einer schönen Fahrt am Meer entlang, zwischen Reisfeldern, von einem Schlagloch zur nächsten Schlaggrube, die mit Wasser gefüllt waren, wurden wir in Home freundlich empfangen. Zuerst wurden wir in ein Haus geführt und mit Tee, Kaffee, Bananen und Cassava versorgt: Die typische Begrüßung von Gästen in Timor. Von den netten Gesprächen, teils auf Indonesisch und teils Fataluco, der Sprache in Lautem, konnte ich leider nicht allzu viel verstehen, da ich nur die Amtssprache Tetum spreche. Es war aber nicht so schlimm, denn mit der Zeit gewöhnt man sich daran, nur die Hälfte mitzubekommen.

Tais aus handgesponnenem Faden

Danach haben wir den Laden beziehungsweise die Werkstatt angeschaut: Eine kleine Hütte auf Stelzen, der bambusbedeckte Hüttenboden circa 30 cm über der Erde. Dieser hat keinen soliden Eindruck gemacht, als ich ihn betrat aber dennoch gehalten. Die Wände bestanden nur aus Palmzweigen und darüber lagen die fertig gewebten Stoffe. Kunterbunt mit unglaublich schönen Mustern. Manche hatten Goldfäden eingewebt, andere waren nachträglich bestickt worden. Für uns wurde extra der „Webstuhl“ in Gang gebracht: Es sah  unglaublich kompliziert aus.

Eine Weberin bei der Arbeit

Eine Weberin bei der Arbeit

Eine Weberin zeigte uns einen bunten, gemusterten Tai, an dem sie drei Monate gewebt hatte! Der kleinen Vorführung und den wunderschönen Mustern nach hat mich das nicht verwundert. Dann erklärt es sich auch, warum so ein Stück rund 50 US-Dollar oder mehr kostet. Und somit eben auch eine Geldanlage für Familien in Timor-Leste ist.

Autor:

Maria

Meine Name ist Maria. Ich habe 2014/2015 einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im CTID (Centro Treinamento Integral no Desenvolvimento) geleistet. Dort habe ich junge Frauen in Englisch und Sport unterrichtet.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maria,

    tolle Bilder. Ich finde die Sachen aus Tais sehr schön und wusste noch gar nicht, dass man an den Farben erkennen kann, woher sie stammen. Wieder etwas dazu gelernt heute … :-))) Sister Candi hat mir übrigens einen kleinen Tischläufer aus Tais geschenkt, als sie zur Partnertagung hier war. Wenn du zurück bist, kannst du mir ja vielleicht noch mehr dazu erzählen.

    LG, Uta

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